LANDTAG STEIERMARK
XVII. GESETZGEBUNGSPERIODE


TOP 13

EZ/OZ 1429/5

Schriftlicher Bericht

Ausschuss: Umwelt

Betreff:
Schutz des "Urwaldes" im Lassingtal

 

zu:
EZ 1429/1, Schutz des "Urwaldes" im Lassingtal (Selbstständiger Antrag von Abgeordneten (§ 21 GeoLT))

 

Der Ausschuss "Umwelt" hat in seiner Sitzung am Dienstag, dem 09.05.2017 über den oben angeführten Gegenstand die Beratungen durchgeführt.

Mit Beschluss des Ausschusses für Umwelt vom 07.02.2017 wurde die Steiermärkische Landesregierung ersucht eine Stellungnahme zum Antrag, Einl.Zahl 1429/1, abzugeben.

Aufgrund dieses Beschlusses erstattet die Steiermärkische Landesregierung folgende Stellungnahme:

Im Selbstständigen Antrag der Abgeordneten der Grünen halten diese fest, wie naturfachlich wertvoll das Gebiet im Bereich des Lassingtales sei. Der Landtag solle die Landesregierung auffordern die Gespräche mit den Bundesforsten wieder aufzunehmen, um eine gütliche Einigung dahingehend zu erzielen, dass die unberührte Waldfläche im Bereich des Lassingtales (Wildalpen, Liezen) unter strengen Schutz gestellt wird.

Das Steirische Lassingbachtal stellt einen historisch alten, durch strukturreiche und miteinander verzahnte Waldgesellschaften sowie durch charakteristische Pflanzen- und Tierarten geprägten – und in dieser Form in der Steiermark einzigartigen – Waldkomplex dar. Dieser umfasst natürliche und naturnahe Mischwaldbestände mit hohem Alt- und Totholzanteil, sowie traditionelle Alm- und Waldweideflächen. Hervorzuheben ist, dass im Lassingbachtal letzte weitgehend unberührte Buchenwälder Mitteleuropas großflächig vorhanden sind, welche zum steirischen Naturerbe zu zählen sind.

Es lag also aus naturschutzfachlicher Sicht nahe ein Naturschutzgebiet zu planen, in dem auch die Möglichkeit zur Entstehung von Wildnis gegeben ist und so auch den Vorgaben der International Union for Conservation of Nature (IUCN) entspricht.

Das geplante Naturschutzgebiet mit einer – in der zuletzt bekannt gemachten Abgrenzung - Gesamtfläche von rund 6500 ha wurde in vier Zonen mit unterschiedlichen Schutz und Entwicklungszielen gegliedert, um den einzelnen Vorgaben sowie den Bedenken der Grundeigentümer und Nutzungsberechtigten gerecht zu werden.

  1. Die Naturzone grenzt unmittelbar an das Wildnisgebiet in Niederösterreich an, soll die Kernzone darstellen und der natürlichen Entwicklung - weitgehend ohne Eingriffe durch den Menschen - überlassen werden, wodurch insbesondere den Kriterien der IUCN bezüglich der Kategorie Ib, Wildnisgebiet (strenges Naturschutzgebiet) entsprochen würde.
  2. Die Managementzone soll weiterhin bestimmten Nutzungen zugänglich bleiben. Die Managementzone umfasst Flächen, die zum Schutz von bestehenden Infrastruktureinrichtungen und menschlichen Objekten, zum Zwecke des Biotop- und Artenschutzes durch zeitgemäße Bewirtschaftung und Pflege erhalten bleiben sollen. In dieser Zone können somit insbesondere die Rechte der Einforstungsberechtigten unangetastet bleiben. Auch die Instandhaltung und Erneuerung bestehender Bauten und Anlagen, sowie Infrastrukturanlagen und die erforderliche funktionelle Pflege des Objektschutzwaldes bleibt weiterhin zulässig. Damit wird dem Vorbringen des Grundeigentümers, der Gemeinde Wildalpen, der Stadt Wien und Anrainern Rechnung getragen.
  3. Die Kulturlandschaftszone umfasst insbesondere im Naturschutzgebiet liegende traditionelle Alm- und Waldweidebereiche, sowie forstlich genutzte Waldflächen, die durch zeitgemäße Pflege erhalten bleiben sollen. Die Kulturlandschaftszone im Bereich der bisher forst- und landwirtschaftlich genutzten Flächen kann wie bisher naturnah weiter bewirtschaftet werden, zumal diese Nutzungen keinen Widerspruch zum beabsichtigten Schutzzweck bewirken.
  4. Die Naturwaldzone in den höheren Kammlagen und Randbereichen des Gebietes im Anschluss an die Kulturlandschaftszone soll hingegen weitgehend frei von menschlichen Einflüssen bleiben, um die bisherige natürliche Waldentwicklung und Dynamik - diese Wälder sind überwiegend gänzlich naturbelassen - weiterhin zu ermöglichen.

 

Um das geplante Schutzgebiet umzusetzen wurden mit der Österreichischen Bundesforste AG (ÖBF AG) als Vertreterin der Grundeigentümerin Republik Österreich eine Vielzahl von Gesprächen geführt. Ebenso wurden auch zahlreiche Begehungen im Gelände durchgeführt. Fachliche Bedenken wurden umfassend diskutiert und dort, wo notwendig, durch Änderungen in der Gebiets- und Maßnahmenplanung berücksichtigt. Aus fachlicher Sicht wurden alle wesentlichen Fragen geklärt. Jedoch sind die Entgeltvorstellungen der ÖBF AG für das Land Steiermark nicht darstellbar.

Selbstverständlich wird das Land Steiermark weiter an einer Umsetzung des vorgeschlagenen Schutzgebietes arbeiten und die dafür notwendigen Gespräche führen.

Das geplante Schutzgebiet hat mit 6.500 ha gegenüber anderen bereits unter Schutz stehenden Gebieten ein verhältnismäßig großes Flächenausmaß, insbesondere unter Berücksichtigung der enthaltenen Waldanteile. Bei einem Schutzgebiet dieser Größenordnung ist es im Interesse des Landes, in gutem Einvernehmen mit dem Grundeigentümer vorzugehen. Schließlich geht es auch darum, dass gemeinsam ein sgn. Managementplan und die Form der Gebietsbetreuung ausgearbeitet und umgesetzt werden. Es bedarf daher einer abgestimmten Vorgehensweise als Basis für eine weiterführende Zusammenarbeit in der Gestaltung und Verwaltung des Schutzgebiets.

 

Es wird daher der

Antrag

gestellt:

Der Landtag wolle beschließen:

Der Bericht des Ausschusses für Umwelt zum Antrag der Grünen, EZ 1429/1 betreffend „Schutz des "Urwaldes" im Lassingtal“ wird zur Kenntnis genommen.

 

 

Die Obfrau:
LTAbg. Gabriele Kolar