LANDTAG STEIERMARK
XVIII. GESETZGEBUNGSPERIODE


EZ/OZ: 710/1

Schriftliche Anfrage an die Landesregierung oder eines ihrer Mitglieder (§ 66 GeoLT)

eingebracht am 27.08.2020, 17:31:56


Landtagsabgeordnete(r): LTAbg. Patrick Derler (FPÖ), LTAbg. Helga Kügerl (FPÖ), LTAbg. Marco Triller, BA MSc (FPÖ)
Fraktion(en): FPÖ
Regierungsmitglied(er): Landesrätin Mag. Doris Kampus
Frist: 27.10.2020

Betreff:
Herausforderungen für Frauenschutzeinrichtungen aufgrund der Corona-Krise

Erfahren Frauen und Minderjährige, die mit diesen im gemeinsamen Haushalt leben, physische, psychische oder sexuelle Gewalt durch einen nahen Angehörigen, können diese Hilfe in Frauenschutzeinrichtungen suchen, wo ihnen Unterkunftsmöglichkeiten und Verpflegung sowie eine fachgerechte Beratung und Betreuung angeboten werden. Derzeit gibt es in der Steiermark zwei Frauenhäuser, in Graz und in Kapfenberg, die insgesamt Platz für 72 Personen bieten.

Die Corona-Krise, der Lockdown und die damit verbundenen Einschränkungen im persönlichen Leben waren und sind für viele Familien eine sehr belastende Situation. Gemäß einer Erhebung der WHO konnte ein eindeutiger Anstieg häuslicher Gewalt im Zuge der Corona-Situation festgestellt werden. (Quelle: https://www.kleinezeitung.at/international/corona/5810597/Seit-Coronakrise_WHO-beobachtet-deutlichen-Anstieg-haeuslicher-Gewalt) Mit der gegenständlichen Anfrage soll daher geklärt werden, inwieweit ein solcher Anstieg auch in der Steiermark in den letzten Monaten zu bemerken war und ob der Bedarf an Hilfeleistungen zu jeder Zeit gedeckt werden konnte.

Außerdem ist für die Fragesteller von Interesse, wie sich die Entwicklung in den letzten Jahren in Bezug auf die Nationalität der von Gewalt betroffenen Frauen bzw. Kinder darstellte und ob hier kulturelle Unterschiede wahrnehmbar sind. Auf der Website http://www.frauenhaeuser.at/ werden Informationen darüber angeboten, wie viele Frauen und Kinder in den Jahren 2017 bis 2019 in den beiden Frauenhäuser untergebracht wurden. Neben weiteren Daten werden auch die Altersgruppen und der Familienstand abgebildet. Keine Auskunft geben die abrufbaren Statistiken jedoch über die Nationalität der untergebrachten Frauen bzw. Kinder. Eine Stellungnahme der Landesregierung aus dem Jahr 2016 (EZ/OZ: 636/4) betreffend „Bedarfsprüfung steirischer Frauenhäuser“ enthält eine diesbezügliche Aufschlüsselung, sodass von einem Vorliegen der Daten auszugehen ist.

Im „Bericht zu den Maßnahmen des Sozialressorts im Zusammenhang mit der Corona-Krise“ (EZ/OZ: 562/1) berichtete die zuständige Soziallandesrätin Doris Kampus im Juni 2020 darüber, dass ein „Monitoring ob des Verlaufes COVID im Förderbereich Gewaltschutz“ installiert worden sei, um die Entwicklungen gut begleiten und gegebenenfalls frühzeitig reagieren zu können. Außerdem wurde laut Bericht „mit der Installierung von Krisenwohnungen in der Steiermark ein wichtiger Schritt dahingehend gesetzt, um Frauen und deren Kindern eine zusätzliche schnelle und unbürokratische Hilfe und eigenen Wohnraum für den Übergang anbieten zu können“. Zusätzlich sei das Beratungs- und Hilfsangebot für von Gewalt betroffene Menschen durch den Ausbau von Hotlines erweitert worden, wobei hierfür Dolmetscher für rund zehn Sprachen zur Verfügung gestellt worden seien. Die genannten Maßnahmen und deren bisherige Erfolge sollen im Rahmen dieser Anfrage ebenfalls näher beleuchtet werden.


Es wird daher folgende

Schriftliche Anfrage

gestellt:

  1. Wie viele Frauen und Kinder wurden bisher in den einzelnen Monaten des Jahres 2020 in den Frauenhäusern Graz und Kapfenberg jeweils untergebracht?

  2. Welcher Altersgruppe können die untergebrachten Frauen bzw. Kinder zugeordnet werden?

  3. Welchen Familienstand hatten die untergebrachten Frauen?

  4. Welche Nationalität hatten die in den Frauenhäusern Graz und Kapfenberg untergebrachten Frauen bzw. Kinder jeweils in den Jahren 2017, 2018, 2019 und 2020?

  5. Wie stellte sich die durchschnittliche Aufenthaltsdauer in den Frauenhäusern in Graz und Kapfenberg jeweils in den Jahren 2017, 2018, 2019 und 2020 dar?

  6. Wie oft fanden bisher in den einzelnen Monaten des Jahres 2020 Beratungskontakte in den Frauenhäusern Graz und Kapfenberg jeweils statt und in welcher Form erfolgten diese konkret (persönlich, telefonisch, E-Mail etc.)?

  7. Wie gestaltete sich die durchschnittliche Auslastung der Frauenhäuser in Graz und Kapfenberg jeweils in den Jahren 2017, 2018, 2019 sowie in den einzelnen Monaten des Jahres 2020?

  8. Konnte der Bedarf an Hilfeleistungen zu jeder Zeit in den Jahren 2017, 2018, 2019 sowie in den einzelnen Monaten des Jahres 2020 gedeckt werden?

  9. Falls nein, wie wurde auf diesen Umstand reagiert?

  10. Wie viele Krisenwohnungen wurden in der Steiermark installiert, wo befinden sich diese und seit wann stehen diese jeweils konkret zur Verfügung?

  11. In welchem Ausmaß wurden diese Krisenwohnungen bisher genützt?

  12. Soll das Angebot an Krisenwohnungen weiterhin bestehen bzw. ausgebaut werden oder handelte es sich dabei um ein temporäres Angebot?

  13. Wie gestaltete sich der Ausbau von Hotlines für Beratungs- und Hilfsangebote für von Gewalt betroffene Menschen konkret?

  14. Inwieweit wurde dieses zusätzliche Angebot angenommen bzw. wie viele Anrufe sind bei der Hotline eingegangen?

  15. In welchen Sprachen wurden jeweils wie oft Gespräche auf dieser Hotline geführt?

  16. Besteht das erweiterte Hotline-Angebot weiterhin oder handelte es sich dabei um ein temporäres Angebot?

  17. Welche Erkenntnisse konnten aus dem „Monitoring ob des Verlaufes COVID im Förderbereich Gewaltschutz“ gezogen werden?

  18. Wurden aufgrund der Erkenntnisse bereits Maßnahmen gesetzt und falls ja, welche?

  19. Sind weitere Maßnahmen in Bezug auf die Hilfe bei Gewalt bzw. Gewaltprävention gegenüber Frauen und Kindern geplant, um auf die neuen Erfahrungen im Zusammenhang mit der Corona-Krise zu reagieren?

  20. Falls ja, wie gestalten sich diese Pläne konkret?


Unterschrift(en):
LTAbg. Patrick Derler (FPÖ), LTAbg. Helga Kügerl (FPÖ), LTAbg. Marco Triller, BA MSc (FPÖ)