LANDTAG STEIERMARK
XVIII. GESETZGEBUNGSPERIODE


EZ/OZ: 1287/1

Selbstständiger Antrag von Abgeordneten (§ 21 GeoLT)

eingebracht am 01.04.2021, 19:32:05


Landtagsabgeordnete(r): LTAbg. Robert Reif (NEOS), LTAbg. Nikolaus Swatek, BSc (NEOS)
Fraktion(en): NEOS
Zuständiger Ausschuss: Bildung, Gesellschaft und Gesundheit
Regierungsmitglied(er): Landesrätin Dr. Juliane Bogner-Strauß

Betreff:
Home Treatment fördern - Sofortmaßnahmen zur psychischen Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in der Steiermark umsetzen

Die Belastungen und Einschränkungen durch Corona machen die Jugend krank. Der Salzburger Jugendreport zeigt an, wie schlecht es um die psychische Gesundheit der Jugendlichen steht: Jede_r zweite Jugendliche in Salzburg leidet unter depressiven Verstimmungen, jede_r dritte schläft schlecht und jede_r sechste beschäftigt sich gedanklich sogar mit Suizid. Das ergab eine landesweite Befragung der 12- bis 20-Jährigen (https://salzburg.orf.at/stories/3094105/). Diese Häufung von psychischen Problemen führt zu einer zusätzlichen Belastung der Kinder- und Jugendpsychiatrie österreichweit. Auch in Tirol zeigte eine Studie der Universitätsklinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik im Kinder- und Jugendalter deutliche Verschlechterungen beim psychischen Wohlergehen von Kindern im Alter von drei bis zwölf Jahren auf. Die Zahl jener Kinder, die Angst-, Stress- und Traumasymptome zeigen, ist um sechzig Prozent gestiegen, sagt Studienleiterin Kathrin Sevecke. Vor allem die Mädchen berichteten über Angst, Sorgen und körperliche Symptome wie Bauchweh und Schlafstörungen. Buben würden zusätzlich Konzentrationsstörungen und Aufmerksamkeitsprobleme angeben, so die Direktorin der Kinder- und Jugendpsychiatrie in Hall (https://tirol.orf.at/stories/3095911/). Auch in der Steiermark hinterlassen die Maßnahmen zur Eindämmung des Coronavirus in der Psyche von Kindern und Jugendlichen deutliche Spuren.

So wurde Ende Jänner zum Beispiel berichtet, dass es auf der Grazer Kinderklinik zu einer Verdoppelung der stationären Patient_innen mit Essstörungen gekommen ist. Der Leiter der Ambulanz für Psychosomatik Wolfgang Kaschnitz berichtet auch darüber, dass vermehrt Patient_innen relativ spät gekommen seien, als sich ihre Krankheit schon in einem weit fortgeschrittenen Stadium befand (https://steiermark.orf.at/stories/3087202/). Bereits vor der Pandemie war in diesem wichtigen Feld der Mangel an fachärztlicher Versorgung im niedergelassenen Bereich für Kinder und Jugendliche mit psychischen Erkrankungen deutlich. Bis heute gibt es keine einzige Kassenarztstelle für Kinder- und Jugendpsychiatrie in der Steiermark. Gleichzeitig stellen stationäre Behandlungen und dazu gehörende Wartezeiten insbesondere für junge Menschen in manchen Fällen zu hochschwellige Angebote dar, die sie aus ihrem direkten Umfeld reißen und dadurch wiederum negative Auswirkungen haben können.

Die Stadt Wien versucht diesem Problem mit einem innovativen Konzept entgegenzuwirken, dem sogenannten Home Treatment (https://wien.orf.at/stories/3088481/). Kinder und Jugendliche, die an psychischen Erkrankungen leiden, werden künftig verstärkt zu Hause psychiatrisch betreut. Dabei sind mobile multiprofessionelle Teams im Einsatz, die bis zu sechs Monate bei einer Familie tätig sind. Kinder und Jugendliche müssen daher nicht stationär aufgenommen werden, wodurch ihr Lebensalltag in die Behandlung miteinbezogen wird. Dadurch kommt es zu keinen Abbrüchen von wichtigen sozialen Beziehungen in Familie, Schule oder Betreuungsumfeld. Psychiatrische Betreuung im gewohnten Lebensumfeld der Kinder und Jugendlichen ist das Gebot der Stunde, um die Auswirkungen der Corona-Krise auf die Psyche der Kinder und Jugendlichen abzuschwächen.


Es wird daher der

Antrag

gestellt:

Der Landtag wolle beschließen:

Die Landesregierung wird aufgefordert, landesweit "Home Treatment"-Projekte zur psychosozialen Unterstützung von Kindern und Jugendlichen in ihrem Lebensumfeld umzusetzen.


Unterschrift(en):
LTAbg. Robert Reif (NEOS), LTAbg. Nikolaus Swatek, BSc (NEOS)