LANDTAG STEIERMARK
XVII. GESETZGEBUNGSPERIODE


EZ/OZ: 1749/1

Selbstständiger Antrag von Abgeordneten (§ 21 GeoLT)

eingebracht am 13.06.2017, 14:21:55


Landtagsabgeordnete(r): LTAbg. Lambert Schönleitner (Grüne), LTAbg. Sandra Krautwaschl (Grüne), LTAbg. Dipl.-Ing.(FH) Lara Köck (Grüne)
Fraktion(en): Grüne
Zuständiger Ausschuss: Umwelt
Regierungsmitglied(er): Landesrat Anton Lang

Betreff:
Erweiterung des Nationalparks Gesäuse

Aufgrund der atemberaubend schönen Landschaft wurde nach jahrelangen Bemühungen und Planungen 2002 der Nationalpark Gesäuse gegründet. Den entscheidenden Grundstein für die später Nationalparkgründung haben engagierte Bürgerinnen und Bürger - in Form der "Plattform zum Schutz des Gesäuses“ -  aus der Region gelegt: Sie verhinderten ein geplantes Wasserkraftwerk, welcher die europaweit einzigartige Felskataraktstrecke der Enns am Gesäuseeingang, dem nunmehrigen Herzstück des Nationalparks, für immer zum Opfer gefallen wäre. Er ist der drittgrößte der insgesamt sechs österreichischen Nationalparks. Anteil am Nationalpark haben die (Ex-)Gemeinden Johnsbach, Weng, Admont, Landl, Hieflau und St. Gallen, diese bilden die Nationalparkregion. Das Gebiet liegt im Bereich der Ennstaler Alpen/Gesäuse und umfasst eine Gesamtfläche von etwa 110 km², wovon 86 Prozent Naturzone ist. Diese Naturzone ist streng geschützt und ist zu erhalten und durch Bestandsumwandlungen wieder in einen naturnahen Zustand rückzuführen.

Prägende Elemente des Nationalparks Gesäuse sind wilde Wasser, senkrecht aufragende Steilwände, Almwiesen und Wälder. Es handelt sich auch um eine der größten Felsschluchten Europas, nirgends in den Alpen liegen Fluss, Wald und Fels auf so engem Raum übereinander. Der Nationalpark Gesäuse genießt bei der örtlichen Bevölkerung eine hohe Akzeptanz und ist international anerkannt. Er zeichnet sich durch hohe Artenvielfalt und herausragende Forschungsergebnisse aus und ist aus dem touristischen Angebot der Region nicht mehr wegzudenken. Der Bildungsauftrag wird vorbildlich umgesetzt, Einzelprojekte wurden bereits mit Preisen (ökologischer Fußabdruck - Klimaschutzpreis) ausgezeichnet.

Im Nationalparkgesetz Gesäuse wurde als Ziel die Schaffung eines Schutzgebietes festgeschrieben, das den Erhalt der naturbelassenen Teile mit ihrer charakteristischen Tier- und Pflanzenwelt sicherstellt und die Entwicklung anthropogen beeinflusster Bereiche zur Naturlandschaft und die Pflege und den Bestand der naturnahen Kulturlandschaft, Forschung und Erlebbarkeit des Gebietes für den Menschen ermöglicht.

In Oberösterreich wurde eine etappenweise Erweiterung des Nationalparks Kalkalpen bei der Gründung im Jahre 1997 vereinbart. Auch im Nationalpark Gesäuse gingen die ursprünglichen Pläne deutlich über die derzeitige Nationalparkfläche hinaus. Eine Gebietserweiterung in Richtung Westen und Norden und ein räumlicher Zusammenschluss mit dem Nationalpark Kalkalpen ist anzustreben. Begleitendes Ziel ist die Herstellung eines Schutzgebietsnetzes durch nachhaltige Verbindung von geschützten Lebensräumen, um die Wanderungsmöglichkeiten bedrohter Arten zu sichern. Dazu sollen der Nationalpark Gesäuse, der Nationalpark Kalkalpen, das Wildnisgebiet Lassingtal und das niederösterreichische Wildnisgebiet Dürrenstein durch Korridore verbunden werden.

Chancen einer Erweiterung des Nationalpark Gesäuse:

• Der Nationalparkstatus bietet deutlich bessere Schutzmöglichkeiten als der in Teilen der Erweiterungsflächen existierende Naturschutzgebietsstatus.

• Werden Erweiterungsflächen auch als Natura 2000-Gebiete nachnominiert, wäre dies ein Beitrag zur Erfüllung der aktuell hohen Gebietsnachforderungen der EU-Kommission im Rahmen des Natura 2000-Vertragsverletzungsverfahrens.

• Durch die Erweiterung würden neue Impulse für den Ganzjahrestourismus in der Region erfolgen, der sich stark auf eine intakte Natur stützt.

Entscheidend ist, dass Bund, Land Steiermark, Gemeinden und GrundeigentümerInnen gemeinsam an der Weiterentwicklung des Nationalparks Gesäuse arbeiten, koordiniert mit den Nachbarbundesländern Oberösterreich und Niederösterreich.


Es wird daher der

Antrag

gestellt:

Der Landtag wolle beschließen:

Die Landesregierung wird aufgefordert, die Erweiterung des Nationalparks Gesäuse in Angriff zu nehmen und zu diesem Zwecke begleitend die Schutzgebiets- und länderübergreifende Zusammenarbeit mit den Nachbarbundesländern Oberösterreich und Niederösterreich zu forcieren.

 


Unterschrift(en):
LTAbg. Lambert Schönleitner (Grüne), LTAbg. Sandra Krautwaschl (Grüne), LTAbg. Dipl.-Ing.(FH) Lara Köck (Grüne)