LANDTAG STEIERMARK
XVIII. GESETZGEBUNGSPERIODE


EZ/OZ: 604/1

Regierungsvorlage

eingebracht am 18.06.2020, 14:51:28


Geschäftszahl(en): ABT09-235/2020-23
Zuständiger Ausschuss: Wirtschaft und Wissenschaft
Regierungsmitglied(er): Landesrat Mag. Christopher Drexler
Beilagen: Empfehlung der ExpertInnenkommission, Gutachen Prof. Schmidlechner - Kurzversion, Gutachten Prof. Schmidlechner - Langversion, Gutachten Prof. Ziegerhofer - Kurzversion, Anhang zum Gutachten Prof. Ziegerhofer - Zeitungsrecherche, Gutachten Zierler - Kurzversion

Betreff:
Beschluss Nr. 1005 des Landtages Steiermark vom 12.02.2019 betreffend „Aufstellung eines Denkmals für ‚Trümmerfrauen‘ in der Landeshauptstadt Graz“

Der Landtag Steiermark hat am 12.02.2019 folgenden Beschluss gefasst:

Der Bericht des Ausschusses für Wirtschaft zum Antrag, EZ 2763/1, "Aufstellung eines Denkmals für ‚Trümmerfrauen‘ in der Landeshauptstadt Graz", der Abgeordneten der FPÖ wird zur Kenntnis genommen.

Aufgrund dieses Beschlusses berichtet die Steiermärkische Landesregierung wie folgt:

Seitens der Landtagsfraktion der FPÖ wurde am 03. Oktober 2018 ein Selbstständiger Antrag (EZ/OZ 2763/1) betreffend „Aufstellung eines Denkmals für ‚Trümmerfrauen‘ in der Landeshauptstadt Graz“ eingebracht und auf Beschluss des Ausschusses für Wirtschaft am 13. November 2018 der Steiermärkischen Landesregierung zur Stellungnahme übermittelt. Darin wird die Steiermärkische Landesregierung aufgefordert, „in Zusammenarbeit mit der Stadt Graz einen angemessenen Standort für ein Denkmal für die ‚Trümmerfrauen‘ sicherzustellen, die für die Aufstellung benötigten finanziellen Mittel – unter Einbeziehung möglicher Privatinitiativen – bereitzustellen und dem Landtag darüber Bericht zu erstatten.

Hierzu wurde von der Steiermärkischen Landesregierung in der Regierungssitzung am 10. Jänner 2019 (GZ: ABT09-287/2019-2) eine Stellungnahme mit der Empfehlung abgegeben, eine HistorikerInnenkommission einzusetzen und diese mit der Aufarbeitung der spezifischen Situation in Graz und der Steiermark zu beauftragen sowie eine Empfehlung über die Errichtung eines baulichen Denkmals abzugeben. Über diese Stellungnahme wurde seitens des Ausschusses für Wirtschaft dem Landtag berichtet und von diesem mit Landtagsbeschlusses Nr. 1005 vom 12. Februar 2019 zur Kenntnis genommen.

Auf Antrag von Landesrat Mag. Christopher Drexler wurden daher in der Regierungssitzung vom 19.September 2019 (GZ: ABT09-287/2019-45) ao.Univ.-Prof.in Dr.in Karin Schmidlechner-Lienhart, ao. Univ.-Prof.in Dr.in Anita Ziegerhofer, sowie Theresia Zierler, MBA als Mitglieder dieser HistorikerInnenkommission bestellt.

Die Kommissionsmitglieder verfassten einander inhaltlich ergänzende Einzelgutachten. Karin Schmidlechner erarbeitete eine Zusammenfassung der Begriffs- und Diskursgeschichte zum Topos der „Trümmerfrauen“ in den wissenschaftlichen, gesellschaftlichen und politischen Debatten der Nachkriegszeit bis zur Gegenwart inklusive einer Darstellung zum aktuellen Stand der historischen Forschung zu den in der Trümmerbeseitigung eingesetzten Personengruppen während der unmittelbaren Nachkriegszeit in Österreich und der Steiermark. Anita Ziegerhofer recherchierte schwerpunktmäßig historisches Quellenmaterial und wertete die Begriffsverwendung seit 1951 aus. Theresia Zierler erstellte eine Chronologie der politischen Initiativen der FPÖ zum Thema der Trümmerfrauen seit 1986 und kontextualisierte diese durch eine Auswertung von Zeitzeugenberichten, Interviews und Umfragen mit Vertretern der Kriegs- und Nachkriegsgenerationen zum Wissenstand der verschiedenen Zielgruppen über den Begriff der „Trümmerfrauen“.

Die in Auftrag gegebenen Gutachten inklusive einer gemeinsamen Empfehlung der Kommission zur möglichen Errichtung eines Denkmals wurden am 30.04.2020 an die Abteilung 9 Kultur, Europa, Sport übermittelt. Darin sprechen sich die Gutachterinnen einstimmig gegen die Errichtung eines Denkmals für Trümmerfrauen in der Landeshauptstadt Graz aus: „Eine Denkmalerrichtung würde nicht nur sämtliche Forschungsergebnisse zum Thema ignorieren und die wissenschaftlich längst widerlegte Opferthese der österreichischen Gesellschaft restaurieren, sondern auch politische Ansichten, welche die in einigen gesellschaftlichen Gruppen noch immer vorhandenen Sympathien für das NS-System unterstützen bzw. die selbst solche hegen, legitimieren. Zusätzlich würden gesellschaftliche Meinungen, die auf diesen politischen Ideologien basieren, bestätigt werden. Festzustellen ist in diesem Zusammenhang, dass diesbezügliche wissenschaftliche Ergebnisse der scientific community auch nach mehr als dreißig Jahren einerseits von politischen EntscheidungsträgerInnen ignoriert werden bzw. offenbar noch immer nicht so ausreichend kommuniziert werden konnten, dass sie gesellschaftliche Relevanz erhalten hätten, wie auch die Ergebnisse der durchgeführten Meinungsumfragen zeigen, welchen zufolge der Begriff ‚Trümmerfrauen‘ mehrheitlich positiv besetzt ist.“

 

Beschluss der Steiermärkischen Landesregierung vom 18. Juni 2020.


Es wird daher der

Antrag

gestellt:

Der Landtag wolle beschließen:

Der Bericht der Steiermärkischen Landesregierung zum Beschluss Nr. 1005 des Landtages Steiermark vom 12.02.2019 betreffend „Aufstellung eines Denkmals für ‚Trümmerfrauen‘ in der Landeshauptstadt Graz“ wird zur Kenntnis genommen.