LANDTAG STEIERMARK
XVIII. GESETZGEBUNGSPERIODE


EZ/OZ: 1210/1

Selbstständiger Antrag von Abgeordneten (§ 21 GeoLT)

eingebracht am 05.03.2021, 08:44:45


Landtagsabgeordnete(r): LTAbg. Dipl.-Ing.(FH) Lara Köck (Grüne), LTAbg. Mag. Alexander Pinter (Grüne), LTAbg. Sandra Krautwaschl (Grüne), LTAbg. Lambert Schönleitner (Grüne), LTAbg. Georg Schwarzl (Grüne), LTAbg. Veronika Nitsche, MBA (Grüne)
Fraktion(en): Grüne
Zuständiger Ausschuss: Klimaschutz
Regierungsmitglied(er): Landesrätin Mag. Ursula Lackner, Landeshauptmann-Stv. Anton Lang

Betreff:
Erster steirischer Solar-Radweg

Das mit Abstand größte Wachstumspotential unter den erneuerbaren Energieträgern in der Steiermark, zudem verbunden mit vergleichsweise geringen negativen Begleiteffekten auf Flora & Fauna, weist die Sonnenenergienutzung mittels Photovoltaik-Technologie (PV) auf (siehe Klima- und Energiestrategie Steiermark 2030, Seite 18). PV muss daher die bestimmende Variabel in der „Steirischen Energieformel“ sein, die eine Anhebung des Erneuerbaren-Anteils um 40% bis 2030 vorsieht. Eine immanente Eigenschaft der PV-Nutzung ist ihr hoher Flächenbedarf; die gewonnene Lichtenergie über PV-Module hängt nämlich direkt von deren Oberfläche ab. Aus naturschutzfachlicher Sicht sind Dächer und bereits versiegelte Flächen prioritär zur PV-Nutzung heranzuziehen und sollte nur unter bestimmten Voraussetzungen (z.B. Doppelnutzung) auf offene (fruchtbare) Böden zurückgegriffen werden.

In diesem Sinne ist die Nutzung von ökologisch wertlosen Verkehrsflächen (wie Straßen, Parklätze und Fahrradwege) zur Sonnenstromerzeugung eine naheliegende Idee. Tatsächlich gibt es schon einige Pilotprojekte, in welchen die Funktionalität von stromerzeugenden Straßenbelägen (sog. „Solarstraßen“) erprobt wurde. Während die Versuchsstrecken in Frankreich (im Jahr 2016 wurde auf 2.800 m² eine Solarstraße errichtet, die 790 Kilowattstunden pro Tag produzieren sollte aber massive Konstruktionsmängel und Effizienzdefizite aufwies; https://www.businessinsider.de/tech/die-erste-solarstrasse-der-welt-faellt-bereits-ausseinander-2019-8/) und Deutschland (ein 90 m langer Solarradweg, der nicht nur Energie erzeugen sondern auch Geräusche absorbieren und Stickoxide abbauen sollte, wurde nach kurzer Zeit, aufgrund von Konstruktionsmängeln, wieder abgeschaltet; https://utopia.de/solar-radweg-koeln-deutschland-111714/ und https://www.maz-online.de/Brandenburg/Solmove-Solar-Radweg-in-Erftstadt-nach-Schwelbrand-ausser-Betrieb) nicht die erhofften Ergebnisse lieferten, übertrifft ein Solarradweg in den Niederlanden hingegen alle Erwartungen. Der Radweg besteht aus rechteckigen Betonmodulen, in denen sich Solarzellen befinden. Darüber befindet sich eine ein Zentimeter dicke Schicht aus Glas, die befahrbare Oberfläche. Sie ist lichtdurchlässig und sehr stabil (trägt das Gewicht eines LKW; https://www.spiegel.de/reise/aktuell/solarradweg-in-den-niederlanden-solarzellen-unter-den-reifen-a-998080.html). In den ersten zwölf Monaten seines Bestehens produzierte die 70 m lange Strecke 9.800 kWh sauberen Strom. Dieser kann in die Straßenbeleuchtung, die Verkehrsleitsysteme aber auch in angrenzende Haushalte geleitet werden. Die Technik liefert dafür auch an vollständig bedeckten Tagen ausreichend Strom (https://globalmagazin.eu/themen/klima/solar-radweg-bei-amsterdam-uebertrifft-erwartungen/).

Die Steiermark besitzt ein ausgedehntes Radwegenetz, in welchem sich mit Sicherheit Abschnitte befinden, die sich hervorragend als Teststrecken für einen Solarradweg nach niederländischem Vorbild eignen würden. Die Steiermark könnte mit der Errichtung eines solchen Radweges nicht nur ein Zeichen im Kampf gegen die Klimakrise setzen, man würde auch wichtige empirische Daten über diese Art der PV-Nutzung generieren und damit die technische Entwicklung in diesem Bereich vorantreiben. Nicht zuletzt bietet so ein Projekt eine Vielzahl von potentiellen Synergien, von denen die heimische Wirtschaft und Forschung gleichsam profitieren könnte.


Es wird daher der

Antrag

gestellt:

Der Landtag wolle beschließen:

Die Landesregierung wird aufgefordert, einen Solarradweg (Teststrecke mit einer Mindestlänge von 100 m) in der Steiermark zu errichten, um das Potential dieser Photovoltaiknutzung zur Erreichung der steirischen Klima- und Energieziele auszuloten und, unter Einbeziehung heimischer Unternehmen und Forschungseinrichtungen, zur technischen Weiterentwicklung dieser Stromerzeugungsform beizutragen.


Unterschrift(en):
LTAbg. Dipl.-Ing.(FH) Lara Köck (Grüne), LTAbg. Mag. Alexander Pinter (Grüne), LTAbg. Sandra Krautwaschl (Grüne), LTAbg. Lambert Schönleitner (Grüne), LTAbg. Georg Schwarzl (Grüne), LTAbg. Veronika Nitsche, MBA (Grüne)