LANDTAG STEIERMARK
XVIII. GESETZGEBUNGSPERIODE


EZ/OZ: 671/1

Selbstständiger Antrag von Abgeordneten (§ 21 GeoLT)

eingebracht am 17.07.2020, 09:15:41


Landtagsabgeordnete(r): LTAbg. Patrick Derler (FPÖ), Dritter Landtagspräsident Dipl.-Ing. Gerald Deutschmann (FPÖ), LTAbg. Mag. Stefan Hermann, MBL (FPÖ), LTAbg. Helga Kügerl (FPÖ), LTAbg. Mario Kunasek (FPÖ), LTAbg. Albert Royer (FPÖ), LTAbg. Ewald Schalk (FPÖ), LTAbg. Marco Triller, BA MSc (FPÖ)
Fraktion(en): FPÖ
Zuständiger Ausschuss: Bildung, Gesellschaft und Gesundheit
Regierungsmitglied(er): Landesrätin Dr. Juliane Bogner-Strauß

Betreff:
Schwimmkurs-Offensive für Schul- und Kindergartenkinder

Bei Hitze und in der lernfreien Zeit hat die Abkühlung im Wasser Hochsaison – und damit kommt es leider auch zu tragischen Badeunfällen. Jährlich wird die Badesaison von schrecklichen Vorfällen in heimischen Freibädern und Seen überschattet. Statistiken zufolge ist Ertrinken die häufigste tödliche Unfallursache bei Kindern bis fünf Jahren, die zweithäufigste bei älteren Kindern. In den vergangenen Jahren endete jeder fünfte Ertrinkungsunfall tödlich. (Quelle: https://www.derstandard.at/story/2000081564682/unfaelle-ertrinken-ist-haeufigste-todesursache-bei-kindern) Dazu kommen hunderte Badeunfälle, die schwere Gehirnschäden oder Wachkoma zur Folge haben können. Ein wesentlicher Grund dafür ist die alarmierend hohe Anzahl an Nichtschwimmern. 700.000 Menschen in Österreich können sich im Wasser nicht ohne Hilfe fortbewegen. Bei Kindern und Jugendlichen ist die Zahl noch erschreckender: Nur jeder Zweite zwischen fünf und 19 Jahren kann gut schwimmen. Die Anzahl der Nichtschwimmer wird auch in den kommenden Jahren weiter rasant ansteigen. (Quelle: https://www.krone.at/1947725)

Viele Badeunfälle könnten durch gute Schwimmkenntnisse verhindert werden. Die wichtigste Präventionsmaßnahme, um Todesfälle durch Ertrinken zu verhindern, ist, dass Kinder richtig schwimmen lernen. „Nicht ‚plantschen‘, sondern das Schwimmen im tiefen Wasser sicher zu beherrschen ist entscheidend, um Ertrinkungsunfälle bei Kindern zu verhindern“, hält der Direktor des Kuratoriums für Verkehrssicherheit Dr. Othmar Thann treffend fest. Viele Eltern unterschätzen das Können ihres Nachwuchses. Eine Studie zur heimischen Schwimmkompetenz zeigt eine alarmierende Fehleinschätzung auf: Rund fünf Prozent der Eltern mit Kindern unter fünf Jahren beurteilen die Schwimmkenntnisse ihres Nachwuchses als sicher oder sehr sicher. Tatsächlich können sich die meisten ab einem Alter von etwa vier Jahren über Wasser halten, die motorischen Voraussetzungen zum richtigen Schwimmen können großteils aber erst zwischen dem fünften und sechsten Lebensjahr entwickelt werden. (Quelle: https://www.kleinezeitung.at/lebensart/5646235/Badeunfaelle_700000-Oesterreicher-koennen-nicht-schwimmen)

Im Optimalfall sollten Kinder spätestens mit Schuleintritt schwimmen können, was erschreckenderweise immer seltener der Fall ist. Gerade Kleinkinder haben die Fähigkeit, sehr schnell koordinative Lernerfolge zu erzielen. Um solch komplexe Bewegungsabläufe zu erlernen, brauchen Erwachsene hingegen oft Monate. Darum sollte möglichst früh mit dem Schwimmen begonnen werden. Das Durchschnittsalter, in dem dies derzeit erlernt wird, liegt bei fünf Jahren. Darum bietet es sich gerade in diesem Alter an, einen Schwimmkurs zu absolvieren. Nachdem hinlänglich bekannt ist, dass ein einzelner Kurs meist nicht ausreicht, um das Schwimmen im tiefen Wasser sicher zu beherrschen und Experten die Teilnahme an zwei bis drei Einheiten empfehlen, sollen Schüler in der Volks- und Hauptschule eine Auffrischung bekommen.

Bedauerlicherweise werden Schwimmkurse allerdings immer seltener in Anspruch genommen. Oft liegt es am mangelnden Verantwortungsbewusstsein, wie wichtig es ist, Schwimmen zu lernen. Auch die Kosten sind häufig ein Grund dafür, dass Eltern ihren Nachwuchs nicht für entsprechende Kurse anmelden. In Kindergärten und Schulen kommen ebensolche aufgrund zu niedriger Anmeldungen oftmals gar nicht erst zu Stande, was im Hinblick auf die zahlreichen Badeunfälle in heimischen Bädern und Gewässern überaus bedenklich ist. Hier liegt die Verantwortung auch bei den Eltern, die wieder erkennen müssen, wie wichtig und lebensrettend es sein kann, dass Kinder frühzeitig schwimmen lernen.

Aufgrund der Tatsache, dass die Zahl der Nichtschwimmer kontinuierlich zunimmt und tragische Badeunfälle jährlich zahlreiche Todesopfer und Verletzte fordern, setzen sich die Freiheitlichen für die Einführung eines verpflichtenden Schwimmkurses im letzten Kindergartenjahr sowie für ein breiteres Angebot an Volksschulen ein. Neben der grundsätzlich verpflichtenden Teilnahme am Schwimmunterricht im Rahmen des Sportunterrichts sollen zusätzliche Kurse angeboten werden. Im Rahmen einer „Schwimmkurs-Offensive“ sollen verstärkt Maßnahmen zum richtigen Schwimmenlernen gesetzt sowie – in enger Zusammenarbeit mit den Gemeinden, Erhaltern von Kindergärten bzw. Schulen und Schwimmschulen – ein umfassendes Angebot an kostengünstigen Kursen für Kinder von vier bis zehn Jahren erarbeitet werden. Neben der Vermittlung von essenziellen Schwimmkenntnissen trägt diese Offensive – gerade in Zeiten, wo Übergewicht bei Kindern oft schon im jungen Alter traurige Realität ist – darüber hinaus auch einen wertvollen Beitrag zur Gesundheitsförderung bei. Im Extremfall kann diese Aktion sogar Leben retten.


Es wird daher der

Antrag

gestellt:

Der Landtag wolle beschließen:

Die Landesregierung wird aufgefordert, im Rahmen einer sogenannten „Schwimmkurs-Offensive“ in enger Zusammenarbeit mit den Gemeinden, Kinderbetreuungseinrichtungen bzw. Schulerhaltern und Schwimmschulen verstärkt Maßnahmen zum richtigen Schwimmenlernen zu setzen und alle erforderlichen Mittel zur Verfügung zu stellen, um

  1. einen verpflichtenden Schwimmkurs im letzten Kindergartenjahr zu etablieren sowie

  2. auch an Volksschulen ein breiteres flächendeckendes Angebot an Schwimmkursen aller Altersklassen bzw. Leistungsstufen anbieten zu können.


Unterschrift(en):
LTAbg. Patrick Derler (FPÖ), Dritter Landtagspräsident Dipl.-Ing. Gerald Deutschmann (FPÖ), LTAbg. Mag. Stefan Hermann, MBL (FPÖ), LTAbg. Helga Kügerl (FPÖ), LTAbg. Mario Kunasek (FPÖ), LTAbg. Albert Royer (FPÖ), LTAbg. Ewald Schalk (FPÖ), LTAbg. Marco Triller, BA MSc (FPÖ)