LANDTAG STEIERMARK
XVIII. GESETZGEBUNGSPERIODE


TOP 14

EZ/OZ 1431/5

Schriftlicher Bericht

Ausschuss: Bildung, Gesellschaft und Gesundheit

Betreff:
Long-Covid-Hilfen ausbauen!

 

zu:
EZ 1431/1, Long-Covid-Hilfen ausbauen! (Selbstständiger Antrag von Abgeordneten (§ 21 GeoLT))

 

Der Ausschuss "Bildung, Gesellschaft und Gesundheit" hat in seiner Sitzung am Dienstag, dem 12.10.2021 über den oben angeführten Gegenstand die Beratungen durchgeführt.

Mit Beschluss des Ausschusses für Bildung, Gesellschaft und Gesundheit vom 08.06.2021 wurde die Steiermärkische Landesregierung ersucht eine Stellungnahme zum Antrag EZ 1431/1 abzugeben.

Aufgrund dieses Beschlusses erstattet die Steiermärkische Landesregierung folgende Stellungnahme:

Einleitend wird zum Thema „Long-COVID“ festgehalten wie folgt:

Als Grundlage wurde unter anderem die S1-Leitlinie „Post-COVID/Long-COVID“ der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF) vom 12.07.2021 herangezogen. Dabei wird angemerkt, dass das Thema „Long-COVID“ weiterhin Inhalt laufender Untersuchungen und Forschungsarbeiten ist.

Definition des Begriffs „Long-COVID“

Ähnlich wie bei anderen Infektionskrankheiten gibt es nach einer akuten Infektion mit dem SARS-CoV-2-Virus immer mehr Berichte über anhaltende Beschwerden. Dabei ist der zeitliche Verlauf wie folgt definiert:

  • Die Zeitspanne von vier Wochen ab Infektionsbeginn wird als „akuter COVID-19-Infekt“ bezeichnet.
  • Symptome (= Beschwerden) zwischen vier und zwölf Wochen ab Infektionsbeginn, die nicht durch eine andere Erkrankung oder Diagnose erklärbar sind, werden unter „post-akute Folgen von COVID-19“ zusammengefasst.
  • Bleiben die Symptome (= Beschwerden) über die zwölf Wochen hinaus bestehen, spricht man vom „Post-COVID-Syndrom“.

Der Begriff „Long-COVID“ steht als Überbegriff für alle Symptome, die über die vierte Woche ab Infektionsbeginn hinaus bestehen und nicht durch eine andere Erkrankung oder Diagnose erklärbar sind.

Häufigkeit, Ursachen und Entstehungsmechanismen, Symptome von „Long-COVID“

  • Die Häufigkeit für das Auftreten eines Long-COVID-Syndroms wird mit mindestens 10-15 % aller Erkrankten angegeben. Laut AGES-Dashboard hat es in der Steiermark seit Anbeginn der Pandemie (Zeitraum 27.02.2020 bis 03.08.2021) 81.274 laborbestätigte Erkrankungsfälle gegeben. Konservativ geschätzt ist somit in der Steiermark mit wenigstens 8.000 Betroffenen zu rechnen.
  • Die genauen Ursachen und Entstehungsmechanismen für ein Long-COVID-Syndrom sind bislang nicht geklärt. Die Entstehung ist multifaktoriell, also durch viele Faktoren bzw Einflüsse bedingt und ist weiterhin Gegenstand von klinischen Forschungsarbeiten. Auffällig ist, dass es keinen zwingenden Zusammenhang zwischen der Schwere des Krankheitsverlaufs in der Akutphase, dem Vorhandensein von Vorerkrankungen und dem Entstehen von Long-COVID gibt. Es zeigt sich, dass eine große Anzahl junger vorab gesunder Menschen von Long-COVID betroffen sind, die zuvor aktiv im Leben und Berufsleben standen. Auch im Kindesalter wird das Auftreten von Long-COVID beobachtet. Es sind nicht nur die Folgen eines Multisystem Inflammatory Syndrom in Children (MIS-C) in der akuten Erkrankungsphase, die in Long-COVID übergehen, sondern auch Kinder mit mildem Krankheitsverlauf können Beschwerden entsprechend Long-COVID entwickeln.
  • Long-COVID ist eine Multiorgan-Krankheit mit einem breiten Spektrum von Manifestationen. Die Symptome, wie sich Long-COVID äußert, sind sehr unterschiedlich und betreffen die physische (körperliche) und psychische (beinhaltet Fühlen, Denken und sämtliche individuelle geistige Fähigkeiten) Ebene. Dabei führen körperliche Beschwerden zu psychischen Belastungen, als auch umgekehrt psychische Beschwerden machen sich durch körperliche Symptome bemerkbar (Wechselwirkung, Psychosomatik). Die bekanntesten Symptome bei Long-COVID sind: ausgeprägte Erschöpfung (Fatigue-Syndrom), Müdigkeit, Abgeschlagenheit, Schwäche, Atemnot, Husten, Brustschmerzen, Kopfschmerzen, aber auch diffuse Schmerzen (Schmerzen, die nicht eindeutig einem bestimmten Gebiet oder Organ zugeordnet werden können), Herzrasen, Kreislaufschwäche, Geruchs- und Geschmacksverlust, Schlafstörungen, Gedächtnisstörungen, Angststörungen und Depressionen.

Seitens des Bundesministeriums für Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz wurde eine Arbeitsgruppe zur Versorgung von Long COVID Patientinnen und Patienten eingerichtet. In dieser Arbeitsgruppe sollen Abschätzungen des Bedarfs für Österreich erfolgen und festgestellt werden, welche Angebote derzeit bereits zur Verfügung stehen und welche Angebote möglicherweise noch fehlen. Des Weiteren soll auch ein multidisziplinärer Behandlungspfad besprochen werden, um eine bestmögliche Gesundheitsversorgung für diese Patientinnen und Patienten zu gewährleisten.

Dazu wurde bereits von Bundesminister Dr. Mückstein eine Leitlinie zur Behandlung von Long Covid Patientinnen und Patienten präsentiert, welche ein fachliches Konsenspapier vor allem für die niedergelassenen Hausärztinnen und Hausärzte sowie Medizinerinnen und Mediziner in Ambulanzen darstellt. Sie soll dabei unterstützen, die Covid-19-Folgeerkrankung möglichst rasch zu erkennen und zu therapieren. Die präsentierte Leitlinie führt u.a. an, dass derzeit kaum belastbare Evidenz aus Studien zum Thema verfügbar ist, der Stand der Forschung eine hohe Dynamik hat und somit diese Leitlinie als „Living Guideline” konzipiert ist sowie laufend aktualisiert werden wird.

Folgende Empfehlung wird u.a. in der Leitlinie gegeben:

Long COVID verlangt nach einer ganzheitlich orientierten und personenzentrierten Vorgangsweise. Erstanlaufstelle für die Einordnung und Abklärung von Symptomen, die mit einer vorangegangenen Erkrankung durch SARS-CoV-2 in Zusammenhang stehen könnten, ist sinnvollerweise die hausärztliche Primärversorgung, die aufgrund ihrer Fachdefinition (DEGAM, WONCA) am besten geeignet ist: sowohl für die Abklärung als auch für Behandlungsplanung bzw. die gezielte Weiterleitung an geeignete Kooperationspartner.

Im LKH Graz II, Standort West wurde bereits eine Long-Covid-Ambulanz eingerichtet.

Es wird angemerkt, dass als erste Anlaufstelle immer die jeweilige niedergelassene Ärztin bzw der jeweilige niedergelassene Arzt und mit Überweisung auch andere Ambulanzen als weitere Versorgungsstufe zur Verfügung stehen.

 

Es wird daher der

Antrag

gestellt:

Der Landtag wolle beschließen:

Der Bericht des Ausschusses für Bildung, Gesellschaft und Gesundheit zum Antrag betreffend "Long-Covid-Hilfen ausbauen!", EZ 1431/1, der Abgeordneten der Grünen, wird zur Kenntnis genommen.

 

 

Die Obfrau:
LTAbg. Barbara Riener