LANDTAG STEIERMARK
XVII. GESETZGEBUNGSPERIODE


EZ/OZ: 1203/1

Schriftliche Anfrage an die Landesregierung oder eines ihrer Mitglieder (§ 66 GeoLT)

eingebracht am 25.10.2016, 16:28:08


Landtagsabgeordnete(r): LTAbg. Christian Cramer (FPÖ), LTAbg. Dipl.-Ing. Gerald Deutschmann (FPÖ), LTAbg. Erich Hafner (FPÖ), LTAbg. Herbert Kober (FPÖ), LTAbg. Anton Kogler (FPÖ), LTAbg. Liane Moitzi (FPÖ), LTAbg. Albert Royer (FPÖ), LTAbg. Andrea Michaela Schartel (FPÖ), LTAbg. Dipl.-Ing. Hedwig Staller (FPÖ), LTAbg. Marco Triller, BA MSc (FPÖ)
Fraktion(en): FPÖ
Regierungsmitglied(er): Landesrätin Mag. Ursula Lackner
Frist: 26.12.2016

Betreff:
Religiöse und ethische Bildung in steirischen Kindergärten

Begründung

Deutschen Medien war unlängst zu entnehmen, dass in der „Sara-Nussbaum Kindertagesstätte“ in Kassel das christliche Weihnachtsfest seit Jahren nicht mehr gefeiert wird. Begründet wird das Ausfallen des Festes mit dem hohen Anteil von Kindern unterschiedlichster Kulturen. Wegen der Vielzahl von Muslimen sind die Erzieher dieser Einrichtung zudem angehalten, darauf zu achten, dass die Kinder ihre mitgebrachten Brote nicht tauschen. So soll verhindert werden, dass Moslems Schweinefleisch essen. Auch beim Mittagstisch wird dieses nicht angeboten (Quelle: Onlineportal der „Hessischen/Niedersächsischen Allgemeinen (HNA)“ vom 07.10.2016, abrufbar unter: http://www.hna.de/kassel/mitte-kassel-ort248256/weihnachten-faellt-kindergarten-6817067.html). In Österreich wird ebenfalls immer häufiger über religiöse und ethische Bildung an heimischen Kinderbetreuungseinrichtungen diskutiert.

Das Steiermärkische Kinderbildungs- und –betreuungsgesetz (StKBBG), das für steirische Kinderbetreuungseinrichtungen (Kinderkrippen, Kindergärten, Horte, heilpädagogische Kindergärten usw.) gilt, hält fest, dass diese Integrationsaufgaben im Hinblick auf interkulturelle Aspekte zu übernehmen und zu einer grundlegenden religiösen und ethischen Bildung beizutragen haben (§ 4 Abs 1 Z 5 & 6 StKBBG).  § 6 StKBBG lautet wie folgt: „In den Kinderbetreuungseinrichtungen ist die Erziehung der Kinder nach ethischen und religiösen Werten im Einvernehmen mit den Eltern (Erziehungsberechtigten), insbesondere bei der Gestaltung der Feste im Jahresablauf und nach Möglichkeit in Zusammenarbeit mit den jeweiligen gesetzlich anerkannten Religionsgemeinschaften in einer dem Alter angemessenen Weise zu pflegen. In öffentlichen Kinderbetreuungseinrichtungen, in denen die Mehrzahl der Kinder einem bestimmten Religionsbekenntnis angehört, soll in jedem Gruppenraum (Lernraum) ein religiöses Zeichen angebracht werden.“ Aufgrund dieser gesetzlichen Bestimmungen kann davon ausgegangen werden, dass die Religionszugehörigkeiten der Kinder auch statistisch erfasst werden.

Bildungsländesrätin Lackner erklärte auf Anfrage der Freiheitlichen (EZ 508/1), dass im Schuljahr 2015/2016 der Anteil von Kindern mit nichtdeutscher Muttersprache in öffentlichen Schulen einen neuerlichen Rekordwert erreicht hat. Für 7.888 Kinder, das sind 19 Prozent aller Volksschüler in der Steiermark, war Deutsch nicht die Muttersprache, sondern eine Fremd- bzw. Zweitsprache. In der Landeshauptstadt gehören bereits 50 Prozent der Schüler jener Gruppe an, für die Deutsch eine solche ist. Der Grazer Stadtbezirk Gries weißt mit 93 Prozent einen erschreckend hohen Anteil von Schülern mit nichtdeutscher Muttersprache auf.

Informationen darüber, wie sich die Situation an steirischen Kinderbetreuungseinrichtungen in Hinblick auf Sprache und Konfessionen darstellt, liegen den Fragestellern nicht vor.

 


Es wird daher folgende

Schriftliche Anfrage

gestellt:

  1. Wie hoch ist der Anteil (absolut und prozentuell) von Kindern nichtdeutscher Muttersprache für das Kindergartenjahr 2016/2017 in öffentlichen Kindergärten in der Steiermark? (Antwort gegliedert nach Standorten)

  2. Wie hoch war der Anteil (absolut und prozentuell) von Kindern nichtdeutscher Muttersprache für das Kindergartenjahr 2015/2016 in öffentlichen Kindergärten in der Steiermark? (Antwort gegliedert nach Standorten)

  3. Wie hoch war der Anteil (absolut und prozentuell) von Kindern nichtdeutscher Muttersprache für das Kindergartenjahr 2014/2015 in öffentlichen Kindergärten in der Steiermark? (Antwort gegliedert nach Standorten)

  4. Wie hoch ist der Anteil (absolut und prozentuell) der jeweiligen Religionsbekenntnisse unter Kindern in öffentlichen Kindergärten für das Kindergartenjahr 2016/2017 in der Steiermark? (Antwort gegliedert nach Standorten)

  5. Wie hoch war der Anteil (absolut und prozentuell) der jeweiligen Religionsbekenntnisse unter Kindern in öffentlichen Kindergärten für das Kindergartenjahr 2015/2016 in der Steiermark? (Antwort gegliedert nach Standorten)

  6. Wie hoch war der Anteil (absolut und prozentuell) der jeweiligen Religionsbekenntnisse unter Kindern in öffentlichen Kindergärten für das Kindergartenjahr 2014/2015 in der Steiermark? (Antwort gegliedert nach Standorten)

  7. Gibt es öffentliche Kinderbetreuungseinrichtungen in der Steiermark, in denen neben dem Kreuz andere „religiöse Zeichen“ nach § 6 letzter Satz StKBBG angebracht wurden?

  8. Wenn ja, welche?

  9. Gibt es öffentliche Kinderbetreuungseinrichtungen in der Steiermark, in denen christliche Bräuche und Feste (Weihnachten, Nikolaus usw.) nicht mehr gelebt werden?

  10. Wenn ja, welche?

  11. Welche konkreten Maßnahmen werden im Bereich der Integration in steirischen Kindergärten gesetzt?

  12. Wie hoch waren die Kosten für diese Maßnahmen in den Jahren 2014, 2015 und 2016? (Antwort gegliedert nach einzelnen Projekten)

  13. Werden Maßnahmen gesetzt, um christlich-abendländische Werte und die heimische Leitkultur in steirischen Kindergärten zu bewahren und Kindern mit Migrationshintergrund näher zu bringen?

  14. Wenn ja, welche?

  15. Wenn nein, warum nicht?

 


Unterschrift(en):
LTAbg. Christian Cramer (FPÖ), LTAbg. Dipl.-Ing. Gerald Deutschmann (FPÖ), LTAbg. Erich Hafner (FPÖ), LTAbg. Herbert Kober (FPÖ), LTAbg. Anton Kogler (FPÖ), LTAbg. Liane Moitzi (FPÖ), LTAbg. Albert Royer (FPÖ), LTAbg. Andrea Michaela Schartel (FPÖ), LTAbg. Dipl.-Ing. Hedwig Staller (FPÖ), LTAbg. Marco Triller, BA MSc (FPÖ)