LANDTAG STEIERMARK
XVIII. GESETZGEBUNGSPERIODE


EZ/OZ: 970/1

Selbstständiger Antrag von Abgeordneten (§ 21 GeoLT)

eingebracht am 20.11.2020, 08:59:24


Landtagsabgeordnete(r): LTAbg. Nikolaus Swatek, BSc (NEOS), LTAbg. Robert Reif (NEOS)
Fraktion(en): NEOS
Zuständiger Ausschuss: Bildung, Gesellschaft und Gesundheit
Regierungsmitglied(er): Landesrätin Dr. Juliane Bogner-Strauß

Betreff:
Reformen zur Bekämpfung des Mangels an Elementarpädagog_innen

Der Personalmangel plagt die steirische Elementarpädagogik bereits länger: Am 13. Oktober hat deshalb die Landesregierung einen drastischen Schritt gesetzt: Zwei Jahre lang soll es Personen ohne einem entsprechenden Abschluss in der Elementarpädagogik möglich sein, eben genau diesen Beruf auszuüben. Trotz zivilgesellschaftlichen Protesten wurde an diesem Plan festgehalten. Die Landesregierung hat sich selbst ein Zeitfenster von zwei Jahren erspielt, um gegen den Personalmangel vorzugehen. Dieses Zeitfenster muss  konstruktiv genutzt werden, denn Kinder brauchen Profis und eine Verlängerung dieser Übergangslösung ist nicht zu akzeptieren. Es braucht Reformen um gegen den Mangel an Elementarpädgog_innen vorzugehen.

Zuerst muss die Landesregierung klar identifizieren, weshalb sich so viele ausgebildete Elementarpädagog_innen gegen diesen Berufszweig entscheiden. Gleichzeitig muss ein Fachkräftestipendium für Elementarpädagogik-Kollegs umgesetzt werden um die Anzahl der Pädagog_innen im zweiten Bildungsweg zu erhöhen. Weiters muss ein Stufenplan vorgelegt werden, wie die Arbeitsbedingungen für Kindergartenpädagog_innen und Erzieher_innen an Horten, Krippen und Kindergärten verbessert werden.

Obwohl viele junge Menschen diesen Bildungsweg wählen, zum Beispiel weil sie in der Betreuung und Ausbildung von Kindern einen sinnstiftenden und relevanten Beruf entdecken, entscheiden sich viele der BafEP Absvolvent_innen (Bildungsanstalt für Elementarpädagogik dient der Kindergarten-, Hort- und Früherziehungspädagogik) gegen die Berufskarriere als Elementarpädagog_in. Aus welchen Gründen dies passiert, liegt weitgehend im Dunkeln. Hier braucht es einen Paradigmenwechseln, denn die Steiermark kann es sich nicht leisten so viele BAfEP-Absolvent_innen für den Beruf der Elementarpädagogik zu verlieren. Deshalb braucht es eine wissenschaftliche Untersuchung, um zu evaluieren warum sich diese Absvolvent_innen für oder gegen den Beruf entscheiden.

Umso wichtiger für den Arbeitsmarkt sind Absolvent_innen der zweijährigen BAfEP-Kollegs, die nach der Ausbildung auch mehrheitlich in den Beruf gehen. Da sich diese Ausbildung an Erwachsene (mit Matura oder Studienberechtigung) richtet, stellt sich häufig die Frage des Lebensunterhalts und der sozialen Absicherung während der zweijährigen Ausbildung. Eine Antwort auf diese Frage kann das Fachkräftestipendium des AMS sein. Auf der Liste der förderbaren Ausbildungen gemäß §34b Abs. 3 AMSG fehlt das Elementarpädagogik-Kolleg derzeit jedoch.

Begründet wird dies damit, dass die Stellenantrangsziffer (legt fest, wie viele Personen sich pro ausgeschriebener Stelle auf diese durchschnittlich bewerben) im Kindergartenbereich zu hoch sei, um die Ausbildung in die Liste für das Fachkräftestipendiums aufzunehmen. Die Stellenantrangsziffer wird jedoch für beide Berufsgruppen in Kindergärten, nämlich die Pädagog_innen und die Betreuer_innen, gemeinsam erhoben. Das Ergebnis ist wenig aussagekräftig, da es für Betreuer_innen und Pädagog_innen gänzlich unterschiedliche Ausbildungserfordernisse gibt.

Notwendig ist daher eine Aufsplittung auf zwei separate Stellenantrangsziffern für Pädagog_innen und Betreuer_innen und weiters die Wiederaufnahme der Fachkräfte-Ausbildung (Ausbildung zum/zur Elementarpädagog_in) in die Liste für das AMS-Fachkräftestipendium.

Eine der Ursachen für die mangelnde Attraktivität in dem Berufsfeld ist die überdurchschnittlich hohe Gruppengröße in den elementarpädagogischen Einrichtungen. Dem österreichischen Berufsverband für Kindergarten- und Hortpädagog_innen zufolge, soll das Verhältnis in Kinderkrippen von Kind zu Pädagog_in maximal 1:4, und im Kindergarten maximal 1:7 sein. Die optimale Gruppengröße liegt bei maximal 12 (Krippe) bzw. 20 (Kindergarten) Kindern. Leider zeigt sowohl die OECD-Studie "Education at Glance" als auch der steirische Kinderbetreuungsatlas auf, dass diese Werte noch lange nicht erreicht sind.

Mit einer Erhöhung des Fachkraft-Kind-Schlüssels würde zum einen eine qualitative Aufwertung der elementaren Bildungseinrichtungen erreicht, zum anderen das Berufsbild der Pädagog_innen massiv aufgewertet werden, sowie an Attraktivität gewinnen. Dafür braucht es einen klaren Stufenplan, um dieses Ziel zu erreichen.

Mit diesen Punkten kann effektiv gegen den Personalmangel im elementarpädagogischen Bereich vorgegangen werden. Deren Umsetzung wird ein starkes Zeichen für die Bildung und deren Wert in unserem Bundesland setzen.


Es wird daher der

Antrag

gestellt:

Der Landtag wolle beschließen:

Die Landesregierung wird aufgefordert,

1. Eine Befragung zu starten, um herauszufinden warum sich steirische BAfEP Schüler_innen sowie ehemalige Absolvent_innen für oder gegen den Beruf der Elementarpädagogik entschieden haben. Auf Basis dieser Evidenz sollen Maßnahmen ergriffen werden, um die Ausbildung und Arbeitsbedingungen von Elementarpädagog_innen zu verbessern und so dem Personalmangel entgegenzuwirken.

2. An die Bundesregierung heranzutreten, um dafür zu sorgen, dass im Berufsfeld der Kindertagesstätten für Pädagog_innen und Assistent_innen/Betreuer_innen/Helfer_innen getrennte Stellenantrangsziffern ermittelt werden und auf dieser Basis das Kolleg für Elementarpädagogik wieder in die Liste der förderbaren Ausbildungen gemäß §34b Abs. 3 AMSG (Fachkräfte-Stipendium) aufgenommen wird.

3. Einen Stufenplan zur Verbesserung des Betreuungsschlüssels in Kindertagesstätten auszuarbeiten und vorzulegen, damit zukünftig die bestmöglichen Arbeitsbedingungen für Kindergartenpädagog_innen, Erzieher_innen an Horten u. Kinderbetreuer_innen in der Steiermark sichergestellt werden.


Unterschrift(en):
LTAbg. Nikolaus Swatek, BSc (NEOS), LTAbg. Robert Reif (NEOS)