LANDTAG STEIERMARK
XVIII. GESETZGEBUNGSPERIODE


EZ/OZ: 1428/1

Selbstständiger Antrag von Abgeordneten (§ 21 GeoLT)

eingebracht am 28.05.2021, 08:27:20


Landtagsabgeordnete(r): LTAbg. Sandra Krautwaschl (Grüne), LTAbg. Lambert Schönleitner (Grüne), LTAbg. Dipl.-Ing.(FH) Lara Köck (Grüne), LTAbg. Georg Schwarzl (Grüne), LTAbg. Veronika Nitsche, MBA (Grüne), LTAbg. Mag. Alexander Pinter (Grüne)
Fraktion(en): Grüne
Zuständiger Ausschuss: Klimaschutz
Regierungsmitglied(er): Landesrätin Mag. Ursula Lackner

Betreff:
Schutz des prioritären EU-Schutzguts Alpenbock (Rosalia alpina)

Das Bild des Waldes hat sich grundlegend geändert. Vielerorts finden wir nur mehr gleichaltrige, gepflegte und strukturarme Wälder. Der Verlust alter Bäume, die ihr natürliches Lebensende nicht erreichen können, das fehlende Angebot an Totholz, sowie eine zunehmend eingeschränkte Standortvielfalt engen den Lebensraum von Käferarten und vieler anderer Wald bewohnenden Organismen immer mehr ein. Viele Lebewesen im Wald stehen daher auch auf den Roten Listen gefährdeter Arten. Besonders gelitten haben Arten mit komplexen Lebensraumansprüchen, die auf alte und totholzreiche Wälder angewiesen sind.

Der Alpenbock (Rosalia alpina) ist einer dieser Wald bewohnenden Käferarten. Diese Käfer finden sich jedoch nicht im geschlossenen Buchenwald, sondern an exponiert stehenden, durch Wetterereignisse deutlich geschädigten Buchen, die teilweise oder ganz abgestorben sind. Der Alpenbock gehört zu den Bockkäfern und wird 22-36 mm lang, ist blassblau, mit drei samtschwarzen Querbinden bzw. Flecken auf den Flügeldecken. Er ist als prioritäres EU-Schutzgut eingestuft. In der Steiermark sind nach der FFH-Richtlinie nur 5 prioritäre Arten beheimatet: der Braunbär, die Spanische Flagge, der Juchtenkäfer, das Steirische Federgras und eben der Alpenbock. Die EU-Mitgliedsländer sind verpflichtet, Schutzmaßnahmen für diese Arten einzuleiten und für einen günstigen Erhaltungszustand zu sorgen.

2015 führte das Ökoteam (i.A. der Marktgemeinde Deutschfeistritz) eine Kartierung im Grazer Bergland mit den Vorkommensschwerpunkten Jodlgraben, Hörgas- und Mühlbachgraben durch. Ziel des Gutachtens war es – neben den bereits beauftragen und abgeschlossenen Erhebungen zu relevanten Schutzgütern des Gebiets – auch das prioritäre EU-Schutzgut Alpenbock zu kartieren und naturschutzfachlich zu bewerten. Der Endbericht (2016) kommt zum Ergebnis: „Das Vorkommen des prioritären EU-Schutzguts Alpenbock (Rosalia alpina) im Jodlgraben und insbesondere in der projektierten Steinbruchsfläche in vitalen Beständen verleiht dem Gebiet höchsten naturschutzfachlichen Wert von gemeinschaftlichem Interesse. Bei der lokalen Population von Rosalia alpina im Grazer Bergland mit den Vorkommensschwerpunkten Jodlgraben, Hörgas- und Mühlbachgraben handelt es sich um die landesweit größte und bedeutendste Population! Diese befindet sich in einem hervorragenden Erhaltungszustand (A). Dieser Erhaltungszustand ist durch das projektierte Steinbruchsvorhaben und die gegenwärtigen Tätigkeiten der Forstwirtschaft massiv gefährdet.“ Auch wenn der Steinbruch nicht kommt, besteht dennoch höchster Handlungsbedarf hinsichtlich der Ausweisung dieses Areals als Natura 2000-Gebiet. Denn die Buchenwälder werden weniger, die alten und anbrüchigen Buchen und Buchenzholzstöße, die der Alpenbock als Brutstätte braucht, werden laufend abtransportiert und somit besteht die Gefahr des Verschwindens der Populationen.

Eine Anfrage der Grünen, EZ/OZ: 407/1, bis wann dieses Gebiet als Natura 2000-Gebiet ausgewiesen wird, ergab, dass ein haltbarer Zeitplan erst nach Fertigstellung des abschließenden Gutachtens, dieses erfolgt voraussichtlich bis spätestens September 2020, erstellt werden kann. In den Jahren 2018 und 2019 wurden Zusatzerhebungen durchgeführt. Im Zuge dieser neuen Erhebungen wurde z. B. das aktuelle Verbreitungsareal des Alpenbocks (Rosalia alpina) in der Region durch Nachweise (Bohrlöcher, Nachweis der Käfer) eruiert. Darüber hinaus erfolgten Expert*innenbefragungen bzw. Abfragen von Datenbanken zur Erhebung von Informationen über potentielle weitere im Gebiet vorkommende Schutzgüter. Da davon auszugehen ist, dass nun alle wesentlichen Daten vorliegen, stellt sich die Frage, weshalb das Gebiet noch nicht als Europaschutzgebiet ausgewiesen wurde.


Es wird daher der

Antrag

gestellt:

Der Landtag wolle beschließen:

Die Landesregierung wird aufgefordert, die landesweit größte und bedeutendste Population des Alpenbocks zu schützen und das betreffende Gebiet im nördlichen Grazer Bergland unverzüglich als Natura 2000-Gebiet auszuweisen.


Unterschrift(en):
LTAbg. Sandra Krautwaschl (Grüne), LTAbg. Lambert Schönleitner (Grüne), LTAbg. Dipl.-Ing.(FH) Lara Köck (Grüne), LTAbg. Georg Schwarzl (Grüne), LTAbg. Veronika Nitsche, MBA (Grüne), LTAbg. Mag. Alexander Pinter (Grüne)