LANDTAG STEIERMARK
XVIII. GESETZGEBUNGSPERIODE


EZ/OZ: 614/1

Selbstständiger Antrag von Abgeordneten (§ 21 GeoLT)

eingebracht am 18.06.2020, 19:52:35


Landtagsabgeordnete(r): LTAbg. Nikolaus Swatek, BSc (NEOS), LTAbg. Robert Reif (NEOS)
Fraktion(en): NEOS
Zuständiger Ausschuss: Bildung, Gesellschaft und Gesundheit
Regierungsmitglied(er): Landesrätin Dr. Juliane Bogner-Strauß

Betreff:
Gesicherte Bildung und Betreuung im Sommer - vom Kleinkind bis zum Jugendlichen
Im heurigen Sommer stehen viele Eltern, die während der Zeit der Corona-Krise bereits einen Großteil ihres Urlaubes aufgebraucht haben, vor großen Schwierigkeiten, da die Urlaubstage oft nicht ausreichen, um eine Betreuung der Kinder sicherzustellen.
Auch, wenn das Bemühen der Landesregierung, die Zahl der Betreuungsangebote heuer zu erhöhen, begrüßenswert ist, und auch die Einrichtung der “Plattform Ferienbetreuung” sowie das  “Sommer- und Ferienprogramm 2020” bereits Schritte in die richtige Richtung sind, fehlt es an klaren Maßnahmen, um eine Ferienbetreuung zu sichern. In einem Rundschreiben ist die Landesregierung mit der Bitte an Kinderbildungs- und Betreuungseinrichtungen herangetreten, bei der Planung der Sommerbetreuung auf die derzeitige Situation und die Problematik der aufgebrauchten Urlaubstage zu achten (https://www.kommunikation.steiermark.at/cms/beitrag/12783535/156706323/). Besonders aber nach der vergangenen Zeit der Unsicherheit müssen sich Eltern auf eine garantierte Betreuung verlassen können - eine unverbindliche Bitte der Landesregierung reicht wohl nicht aus. 
 
Wie ernst die Lage in Österreich in Bezug auf die Kinderbetreuung ist und noch werden wird, zeigt eine kürzlich von SORA durchgeführte Umfrage, bei der ein Viertel der Befragten angab, nicht genug Urlaubstage für die Kinderbetreuung im Sommer übrig zu haben (https://www.sora.at/nc/news-presse/news/news-einzelansicht/news/wie-geht-es-eltern-in-der-corona-pandemie-1008.html). . 
 
Auch in anderen Bundesländern wurden bereits dementsprechende Maßnahmen getroffen: In Niederösterreich wurden etwa die Schließzeiten in Kindergärten bei Bedarf reduziert, die Gemeinden werden durch zusätzliches Betreuungspersonal unterstützt bzw. Landesförderungen erhöht. Die Landesförderung pro Gruppe und Woche wird dort verdoppelt, auch die Förderung integrativer Angebote wird erhöht (http://www.noe.gv.at/noe/Land_Niederoesterreich_unterstuetzt_Gemeinden_bei_Kinderb.html).
 
Von einem umfassenden Betreuungsangebot profitieren aber nicht nur Eltern, mindestens genauso wichtig ist das Angebot für die Kinder und Jugendlichen selbst. Nach der Zeit des Homeschoolings brauchen diese nicht nur vermehrte soziale Kontakte, sondern auch Bildungsangebote, um ein etwaiges, durch den eingeschränkten Unterricht entstandenes Bildungsdefizit wieder auszugleichen. Viel zu viele Kinder haben während der Zeit des Homeschoolings nicht die Förderung bekommen, die sie brauchen und verdienen. Daher müssen wir den Sommer nutzen und alle Kinder, allen voran jene, die einen erhöhten Förderbedarf haben, während der Sommermonate bestmöglich unterstützen und ihnen je nach Bedarf ein garantiertes Bildungs- oder Betreuungsangebot zusichern.
 
Eine Lösung dafür bietet die Einrichtung von Summer Schools mit individuellem Förderprogramm. Dadurch können über die Sommermonate gerade jene Kinder, die in den letzten Monaten nicht ausreichend gefördert werden konnten, unterstützt werden. Solche Summer Schools sollen außerdem ein attraktives Freizeitangebot mit Sport und kreativen Aktivitäten umfassen. Studien bekräftigen, dass derartige Angebote vor allem für Kinder aus bildungsferneren oder einkommensschwachen Gesellschaftsschichten deutliche Verbesserungen für darauffolgende Unterrichtsjahre bringen. (Heather et. al. (2018):  Getting to work on Summer Learning, https://www.rand.org/pubs/research_reports/RR366-1.html).
 
Solche Summer Schools gibt es in der Steiermark aber kaum, auch die von Seiten des Bundes angekündigte Sommerschule beschränkt sich auf die Förderung des Faches Deutsch und ist damit für die Mehrheit der SchülerInnen nicht notwendig. Auch der Zeitraum von 2 Wochen ist deutlich zu kurz. Spätestens nach den Ergebnissen der heurigen AHS- Zentralmatura, bei der die Ergebnisse im Fach Mathematik noch deutlich schlechter ausgefallen sind als im Vorjahr, sollte klar sein, dass Schüler_innen auch Förderungen in anderen Fächern dringend benötigen (https://oesterreich.orf.at/stories/3052499/). 
 
Andere Bundesländer sind der Steiermark hier bereits einen Schritt voraus:  Wien bietet seinen Schülern Lernunterstützungsangebote und freizeitpädagogische Betreuungsangeboten, bei denen neben Freizeitaktivitäten auch Förderungen in Deutsch, Mathematik und Englisch angeboten werden. Dieses Angebot findet über den gesamten Sommer statt. (https://www.vienna.at/wiener-summer-city-camps-bieten-betreuung-fuer-6-000-kinder/5995939), https://www.derstandard.at/story/2000117939929/stadtrat-zu-wien-bashing-es-ist-immer-die-gleiche-platte
 
Um die Förderung unserer Kinder sicherzustellen und vor allem berufstätige Eltern zu unterstützen, muss auch die steirische Landesregierung bereit sein, Geld in die Hand zu nehmen und damit in unsere Zukunft zu investieren. Um eine Sommerbetreuung zu garantieren, reicht aber ein entsprechendes Angebot nicht aus, auch die Finanzierung muss gesichert sein. In der bereits oben genannten SORA-Umfrage gaben etwa 25 Prozent der Eltern an, nicht zu wissen, wie sie die Ferienbetreuung ihrer Kinder finanzieren sollen- bei Alleinerziehenden liegt diese Zahl bei erschreckenden 71 Prozent. All jenen Eltern, die nicht über ausreichende finanzielle Mittel verfügen, muss bei der Finanzierung unter die Arme gegriffen werden.
 
Nicht nur heuer, auch in zukünftigen Ferienzeiten müssen vermehrte Bildungs- und Betreuungsangebote für Kinder und Jugendliche sichergestellt werden. Das ist nicht nur ein Gewinn für die Jungen, die diese Angebote gerne nutzen und auch dringend benötigen, sondern auch für die Eltern, denen durch einfache Angebote die Vereinbarkeit von Familie und Beruf erleichtert werden kann.

Es wird daher der

Antrag

gestellt:

Der Landtag wolle beschließen:

Die Landesregierung wird aufgefordert, 

  1. in Zusammenarbeit mit der Bildungsdirektion - zusätzlich zu den derzeit von Bundesseite geplanten zwei Wochen Deutschförderung - für das Land Steiermark die Einführung einer zumindest zweiwöchigen Summer School an den steirischen Pflichtschulen zu ermöglichen und die dafür notwendigen Ressourcen zur Verfügung zu stellen. Dieses Angebot soll sich an alle 6 -14-jährigen richten und eine Lernförderung in Mathematik, Deutsch und Englisch sowie idealerweise auch eine eine ganztägige Betreuung mit Sport und anderen Freizeitaktivitäten umfassen.
  2. Kinderbildungs-und Betreuungseinrichtungen in Gemeinden mit erhöhtem Betreuungsbedarf, die den Betrieb während der ursprünglich geplanten Schließtage aufrecht erhalten, durch zusätzliche Förderungen bzw. zusätzliches Betreuungspersonal zu unterstützen. 
  3. Das Bildungs- und Betreuungsangebot nicht nur im heurigen Sommer, sondern auch in zukünftigen Jahren deutlich auszuweiten sowie Möglichkeiten zur finanziellen Entlastung von Eltern, die Ferienbetreuung in Anspruch nehmen, insbesondere für einkommensschwache Familien und Alleinerziehende, zu prüfen. 

Unterschrift(en):
LTAbg. Nikolaus Swatek, BSc (NEOS), LTAbg. Robert Reif (NEOS)