LANDTAG STEIERMARK
XVIII. GESETZGEBUNGSPERIODE


EZ/OZ: 1336/1

Selbstständiger Antrag von Abgeordneten (§ 21 GeoLT)

eingebracht am 23.04.2021, 08:42:58


Landtagsabgeordnete(r): LTAbg. Georg Schwarzl (Grüne), LTAbg. Sandra Krautwaschl (Grüne), LTAbg. Lambert Schönleitner (Grüne), LTAbg. Dipl.-Ing.(FH) Lara Köck (Grüne), LTAbg. Veronika Nitsche, MBA (Grüne), LTAbg. Mag. Alexander Pinter (Grüne)
Fraktion(en): Grüne
Zuständiger Ausschuss: Bildung, Gesellschaft und Gesundheit
Regierungsmitglied(er): Landesrätin Dr. Juliane Bogner-Strauß

Betreff:
Long-Covid-Ambulanz auch für die Steiermark

Rund 10 bis 20 Prozent der vormaligen Covid-19-Patient*innen leiden laut Schätzung von Professor Michael Hallek, Direktor der Klinik I Innere Medizin an der Uni-Klinik Köln, an Folgeschäden (Quelle: wdr.de, Long Covid – genesen, aber nicht gesund, 15.11.2020, einzusehen unter: https://www1.wdr.de/nachrichten/themen/coronavirus/long-covid-corona-infektion-folgen-100.html). Dabei sind keineswegs nur Menschen betroffen, die einen schweren Covid-Verlauf durchmachen mussten, vielmehr sind laut dem Neurologen Michael Stingl viele Betroffene jung und hatten einen milden Covid-Verlauf. Zudem scheinen insbesondere Frauen zwischen 20 und 40 Jahren besonders von diesen Langzeitfolgen betroffen zu sein, die unter dem Begriff Long-Covid zusammengefasst werden. (Quelle: derstandard.at, Long Covid: Die Krankheit nach der Krankheit, 12.04.2021, einzusehen unter: https://www.derstandard.at/story/2000125715604/long-covid-die-krankheit-nach-der-krankheit).

Die auftretenden Symptome fordern das Gesundheitssystem aufgrund des äußerst komplexen Krankheitsbilds derzeit besonders heraus. So definiert das britische National Institute for Health and Care Excellence (NICE) unter Long-Covid eine Vielzahl von Symptomen, die mehr als zwölf Wochen nach Beginn der Infektion bestehen bleiben. Die häufigsten Symptome sind laut der Kardiologin Mariann Gyöngyösi vom AKH Wien Müdigkeit, Schwäche, Gedächtnisstörungen, Luftnot, Brustschmerzen, aber auch Kreislaufschwäche und Schlafstörungen. Auch handelt es sich bei Long-Covid keineswegs um ein Randproblem: auch wenn es eine konkrete Erfassung der Long Covid-Patient*innen noch nicht gibt, ist auf Grundlage internationaler Schätzungen in Österreich derzeit von rund 50.000 Betroffenen auszugehen (Quelle: derstandard.at, Long Covid: Die Krankheit nach der Krankheit, 12.04.2021).

In Wien wurde nunmehr auf den starken Anstieg der Long-Covid-Fälle reagiert und am AKH eine eigene Long-Covid-Ambulanz eröffnet, in der Ärzt*innen in einem ersten Schritt versuchen, mögliche Organschäden, die durch eine Covid-19-Erkrankung verursacht wurden, abzuklären. Alle Patient*innen bekommen ein EKG, Blutdruckmessung, Temperaturmessung, eine ärztliche Untersuchung und Blutabnahme. Dadurch können akute Erkrankungen und eine eventuelle chronische Entzündungserkrankung ausgeschlossen werden und sodann – entsprechend der Symptomatik und der ärztlichen Befunde – weitere Untersuchungen, wie zum Beispiel Langzeit-EKG, Echokardiografie, psychologische Betreuung veranlasst werden. Ebenfalls möglich ist eine Überweisung der Patient*innen an andere Ambulanzen bzw. an Rehab-Zentren (Quelle: Kronen Zeitung, Neue Ambulanz am AKH, 14.03.2021, einzusehen unter: https://www.krone.at/2365393). Der Neurologe Michael Stingl weist ebenfalls darauf hin, dass Long-Covid nur zum Teil durch Organschäden erklärt werden kann, weshalb es wichtig sei, zwischen unterschiedlichen klinischen Repräsentationen zu unterscheiden. Bekannt seien die Symptome bereits vom sogenannten chronischen Fatigue-Syndrom (CFS), dem Long-Covid auch insofern gleich, als klassische Reha-Programme oft nicht zu einer ausreichenden Verbesserung des Gesundheitszustandes führen, sondern diesen vielmehr oft sogar verschlechtern, weshalb es maßgeschneiderte Rehabilitationsprogramme braucht (Quelle: derstandard.at, Long Covid: Die Krankheit nach der Krankheit, 12.04.2021). Demensprechend wird am AKH Wien auch der Aufbau eines Long-Covid-Betreuungsnetzwerks mit den Fächern Kardiologie, Pulmologie, Radiologie, Psychologie, Psychiatrie, Arbeitsmedizin, Rehabilitation und Gesundheitsstatistik geplant.

Auf den Wartelisten der Long-Covid-Ambulanz in Wien befinden sich gemäß Medienberichten bereits hunderte Long-Covid-Patient*innen und es kommen laut Mariann Gyöngyösi, Leiterin der Ambulanz, täglich 100 weitere Patient*innen dazu. Dennoch ist die Spezialambulanz in Wien österreichweit bisher die einzige Einrichtung, die die Komplexität von Long-Covid erforscht, die Patient*innen diagnostiziert und auch behandelt (Quelle: Kronen Zeitung, Neue Ambulanz am AKH, 14.03.2021).

Aus Sicht der Grünen ist es zentral, dass die Steiermark hier nicht abfällt, sondern im intramuralen Bereich ebenfalls ehestmöglich Strukturen bereitstellt, um die steirische Bevölkerung bestmöglich zu versorgen.


Es wird daher der

Antrag

gestellt:

Der Landtag wolle beschließen:

Die Landesregierung wird aufgefordert, die ehestmögliche Errichtung einer Long-Covid-Ambulanz im intramuralen Bereich in der Steiermark sicherzustellen.


Unterschrift(en):
LTAbg. Georg Schwarzl (Grüne), LTAbg. Sandra Krautwaschl (Grüne), LTAbg. Lambert Schönleitner (Grüne), LTAbg. Dipl.-Ing.(FH) Lara Köck (Grüne), LTAbg. Veronika Nitsche, MBA (Grüne), LTAbg. Mag. Alexander Pinter (Grüne)