LANDTAG STEIERMARK
XVII. GESETZGEBUNGSPERIODE


EZ/OZ: 1281/1

Selbstständiger Antrag von Abgeordneten (§ 21 GeoLT)

eingebracht am 25.11.2016, 08:13:15


Landtagsabgeordnete(r): LTAbg. Liane Moitzi (FPÖ), LTAbg. Christian Cramer (FPÖ), LTAbg. Erich Hafner (FPÖ), LTAbg. Herbert Kober (FPÖ), LTAbg. Anton Kogler (FPÖ), LTAbg. Helga Kügerl (FPÖ), Dritter Landtagspräsident Dr. Gerhard Kurzmann (FPÖ), LTAbg. Albert Royer (FPÖ), LTAbg. Andrea Michaela Schartel (FPÖ), LTAbg. Dipl.-Ing. Hedwig Staller (FPÖ), LTAbg. Marco Triller, BA (FPÖ)
Fraktion(en): FPÖ
Zuständiger Ausschuss: Bildung
Regierungsmitglied(er): Landesrätin Mag. Ursula Lackner

Betreff:
Berufsorientierung für Jugendliche an Schulen in quantitativer und qualitativer Hinsicht heben

Im Jänner 2015 übernahm Bundesrätin Sonja Zwazl von der ÖVP turnusmäßig den Vorsitz in der Länderkammer. Sie kündigte an, sich verstärkt der Berufsorientierung widmen zu wollen. „Im Rahmen ihrer Präsidentschaft will Zwazl insbesondere für eine flächendeckende Berufsorientierung an den Schulen sowie hochqualitative Begabungsanalysen für Österreichs Jugendliche aktiv werden.“ (Quelle: http://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20141229_OTS0028/oevp-bundesraetin-sonja-zwazl-uebernimmt-fuer-niederoesterreich-vorsitz-in-der-laenderkammer)

Vonseiten der FPÖ begrüßte Jugendsprecherin Petra Steger den Vorschlag, ein verstärktes Augenmerk auf die Berufsorientierung zu legen. Je früher man Jugendlichen die Möglichkeit bietet, sich einen Einblick in die Berufswelt zu verschaffen, desto mehr Vorteile ergeben sich daraus. So kann schon vorzeitig festgestellt werden, ob die Vorstellungen junger Menschen auch mit der Realität übereinstimmen. Neben der Minimierung von beruflichen Fehlentscheidungen kann eine frühzeitige Berufsorientierung zudem dazu beitragen, dass Jugendlichen weitere Berufs- und Ausbildungsfelder eröffnet werden, an die sie aufgrund ihres privaten Umfeldes überhaupt nicht gedacht haben. Dass bereits damals dringend Handlungsbedarf bestand, bestätigte eine Umfrage des Instituts für Jugendkulturforschung. Mehr als die Hälfte der befragten Jugendlichen gaben an, dass sie sich „mehr Unterstützung bei der Bildungs- und Berufswahl“ wünschen würden. (Quelle: http://www.wirtschaftsbund.at/Content.Node/niederoesterreich/aktuelles/news/Studienpraesentation_Jugend_070515.pdf)

Was damals für Niederösterreich und Gesamtösterreich galt, gilt heute umso mehr für die Steiermark, wie eine aktuelle Studie des Instituts für Strategieanalysen (ISA) unter der Leitung von Peter Filzmaier für die Wirtschaftskammer Steiermark feststellen konnte. Anhand der vorliegenden Ergebnisse muss bedauerlicherweise konstatiert werden, dass die Vorhaben der ÖVP-Bundesratspräsidentin Zwazl eindeutig gescheitert sind, was ein Aktivwerden der Landesregierung dringend erforderlich macht. ISA fasste die Ergebnisse folgendermaßen zusammen: „Die Berufsvorbereitung durch die Schule wird von der österreichischen Bevölkerung kritisch gesehen: Rund 50 Prozent sind der Meinung, dass junge Menschen nur bedingt gut auf das weitere berufliche Leben vorbereitet werden. Das zeigt eine neue Studie, die das Institut für Strategieanalysen (ISA) im Auftrag der Wirtschaftskammer Steiermark durchgeführt hat. Sie setzt sich unter anderem mit den Motiven zur Bildungswahl und mit dem Image unterschiedlicher Ausbildungswege auseinander. Für die Studie wurden rund 1.000 Österreicher sowie zusätzlich rund 400 16-24-Jährige zum Thema Berufsausbildung befragt.“ (Quelle: http://www.strategieanalysen.at/index.php?id=bg/bg_bildung_stmk; http://www.strategieanalysen.at/bg/Berufsausbildung%202016.pdf)

Das Onlineportal des ORF berichtete über die Ergebnisse der Studie am 15. November 2016 wie folgt: „Mit der Berufsorientierung in der Schule ist nur rund ein Drittel der 16- bis 24-Jährigen zufrieden. Diese und weitere Ergebnisse einer Umfrage unter 1.000 Österreichern präsentierte am Dienstag die Wirtschaftskammer Steiermark. […] Ein Fokus wurde auf die entscheidenden Kriterien sowie die Wertigkeit einzelner Bildungsabschlüsse gelegt. Mit den schulischen Angeboten zur Berufsorientierung zeigte sich nur eine Minderheit von 15 Prozent zufrieden. In allen Bildungsgruppen habe eine klare Mehrheit angegeben, dass das Thema zumindest nicht ausreichend in der Schule behandelt wurde. Von den Schulen wünschen sich die Befragten mehr Angebote, schilderte Filzmaier. Berufsorientierung direkt im Unterricht wurde als mögliches Angebot am stärksten befürwortet. 60 Prozent der Befragten gaben an, die Ausbildungsentscheidung alleine zu treffen bzw. getroffen zu haben. Neben Familie (27 Prozent), Freunden (19 Prozent) und Lehrern (17 Prozent) spielten das Internet und Beratungsstellen sowie Messen (17 Prozent) als Informationsquellen eine Rolle. […] 51 Prozent aller Befragten meinten, dass das österreichische Bildungssystem junge Menschen eher schlecht oder schlecht aufs Berufsleben vorbereitet. Wobei die einzelnen Bildungsabschlüsse unterschiedlich bewertet wurden: Demnach bietet ein Lehrabschluss die beste Berufsvorbereitung (85 Prozent). ‚Die Lehre liegt sogar knapp besser als die FH‘, betonte Filzmaier: Fachhochschul-Abschlüsse wurden von 78 Prozent und Uniabschlüsse von 57 Prozent als gute Vorbereitung auf das Berufsleben eingestuft. Lediglich 25 Prozent sprachen AHS-Absolventen ausreichende Berufsvorbereitung zu, wie Filzmaier ausführte. Mehr als jeder vierte Befragte gab an, dass er persönlich schlecht auf die jeweilige Berufstätigkeit vorbereitet wurde. Die Werte seien in allen Bildungsgruppen konstant, am schlechtesten vorbereitet fühlen sich laut der Befragung AHS-Absolventen. Als größte Defizite wurden von allen Befragten fehlender Praxisbezug und mangelnde Vorbereitung auf das Alltagsleben genannt.“ (Quelle: http://steiermark.orf.at/news/stories/2809042/)

Es ist unbestritten, dass es in Österreich ein überaus großes Potential für Facharbeiter gibt. Gerade deswegen ist es wichtig, dass man junge Menschen nicht zwanghaft in Richtung Matura und Studium drängt, sondern aufzeigt, welche tollen Karrieremöglichkeiten es auch ohne Reifeprüfung gibt. In diesem Zusammenhang muss an die alte freiheitliche Forderung nach einer Aufwertung der Lehre erinnert werden. Unabhängig davon zeigt die Unzufriedenheit von mehr als der Hälfte der Jugendlichen mit der angebotenen Berufsorientierung die unbedingte Notwendigkeit, hier Maßnahmen zu setzen. Eine zerstrittene SPÖ-ÖVP-Koalition auf Bundesebene bestätigt einmal mehr, dass sie – wie auch bei der Umsetzung der „täglichen Turnstunde“ – nicht einmal ansatzweise in der Lage ist, Lösungen anzubieten. Deshalb gilt es, auf Landesebene aktiv zu werden, bevor in diesem für die Zukunft der steirischen Jugendlichen so wichtigen Bereich noch weiter wertvolle Zeit verspielt wird.


Es wird daher der

Antrag

gestellt:

Der Landtag wolle beschließen:

Die Steiermärkische Landesregierung wird aufgefordert,

  1. unter Einbeziehung des Landesschulrates ein Maßnahmenpaket für die quantitative und qualitative Hebung der Berufsorientierung an steirischen Schulen zu erarbeiten und die erforderlichen Mittel dafür bereitzustellen sowie
  2. an die Bundesregierung mit der Forderung heranzutreten, umgehend die berufliche Orientierung auf schulischer Ebene in ausreichender Qualität sicherzustellen bzw. den Schulen finanzielle Mittel zur Verfügung zu stellen, damit diese gegebenenfalls diese Tätigkeiten an private Anbieter auslagern können, sofern die eigenen, personellen Ressourcen des Bundes dafür nicht ausreichen.

Unterschrift(en):
LTAbg. Liane Moitzi (FPÖ), LTAbg. Christian Cramer (FPÖ), LTAbg. Erich Hafner (FPÖ), LTAbg. Herbert Kober (FPÖ), LTAbg. Anton Kogler (FPÖ), LTAbg. Helga Kügerl (FPÖ), Dritter Landtagspräsident Dr. Gerhard Kurzmann (FPÖ), LTAbg. Albert Royer (FPÖ), LTAbg. Andrea Michaela Schartel (FPÖ), LTAbg. Dipl.-Ing. Hedwig Staller (FPÖ), LTAbg. Marco Triller, BA (FPÖ)