LANDTAG STEIERMARK
XVIII. GESETZGEBUNGSPERIODE


EZ/OZ: 1110/1

Dringliche Anfrage (§ 68 GeoLT)

eingebracht am 28.01.2021, 13:57:06


Landtagsabgeordnete(r): LTAbg. Nikolaus Swatek, BSc (NEOS), LTAbg. Robert Reif (NEOS)
Fraktion(en): NEOS
Regierungsmitglied(er): Landesrätin Dr. Juliane Bogner-Strauß

Betreff:
Psychische Gesundheit unserer Kinder in der Steiermark endlich sicherstellen

Lockdown, Distance-Learning, Ausgangsverbot: Kinder und Jugendliche in der Steiermark sind stark von den aktuellen politischen Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie betroffen. Laut einer aktuellen Studie der Donau-Universität Krems leiden aktuell 26 % der österreichischen Bevölkerung an depressiven Verstimmungen, 23 % an Angstsymptomen und 18 % an Schlafstörungen. Besonders besorgniserregend sind laut Studienautor_innen die Ergebnisse bei jungen Menschen zwischen 18 und 24 Jahren. Hier kam es zu einem sprunghaften Anstieg von rund 30 Prozent auf 50 Prozent (https://www.donau-uni.ac.at/de/aktuelles/news/2021/psychische-gesundheit-verschlechtert-sich-weiter0.html).  Expert_innen schlugen kürzlich auch medial Alarm: Essstörungen und psychische Probleme bei Kindern und Jugendlichen häufen sich seit dem Beginn der Corona-Krise (https://www.kleinezeitung.at/lebensart/gesundheit/5928755/CoronaFolgen-fuer-die-Psyche_Extremer-Anstieg-von-Essstoerungen). Auf der Kinder- und Jugendpsychiatrischen Station im Wiener AKH müssen Kinder und Jugendliche schon jetzt bis zu drei Monate lang warten, um behandelt werden zu können. Aufgenommen werden nur besonders akute Fälle - vielfach also nur Jugendliche, die suizidgefährdet sind. 

Dabei stand es schon vor der Krise schlecht um die Kinder- und Jugendpsychiatrie in der Steiermark. Laut Regionalem Strukturplan Gesundheit Steiermark 2025 sind für die Steiermark 25 ambulante und 59 vollstationäre Betten für die Kinder- und Jugendpsychiatrie eingerichtet. Damit ist nicht einmal der volle Bettenschlüssel laut Österreichischem Struktur Gesundheitsplan erreicht. Kurz: zu wenig für ein Flächenbundesland wie die Steiermark. Auch das Fehlen entsprechender Kassenarztstellen für die Jugend- und Kinderpsychiatrie in der Steiermark verschärft die Problematik eines niederschwelligen Hilfsangebotes in der Steiermark.  

Es braucht nun einen klaren Plan, um diese psychosoziale Krise abzuwenden. Das Land Steiermark muss aktiv werden, damit Kinder und Jugendliche bestmöglich in diesen schwierigen Zeiten unterstützt werden. Kindern und Jugendlichen muss eine Perspektive geboten werden - in Zeiten der Krise mehr denn je. Der Ausbau des psychosozialen Unterstützungsangebotes in der Steiermark ist daher das Gebot der Stunde. 


Es wird daher folgende

Dringliche Anfrage

gestellt:

  1. Welche Schritte haben Sie gesetzt, um die psychische und körperliche Gesundheit unserer Kinder und Jugendlichen in der Steiermark im Lockdown im Blick zu behalten?
  2. Wie viele kassenfachärztliche Stellen und Krankenhausbetten stehen heute für die Kinder- und Jugendpsychiatrie in der Steiermark zur Verfügung? An welchen Standorten? Wie viele wären laut Gesundheitsplan vorgesehen?
  3. Planen Sie aufgrund der zusätzlichen Mehrbelastung durch Corona diese Stellen und Plätze auszubauen?
  4. Wie viele niedergelassene Kinder- und Jugendpsychiater_innen mit Kassenvertrag gibt es in der Steiermark? An welchen Standorten?
  5. Welche Schritte setzen Sie, um einen Ausbau der niedergelassenen Kinder- und Jugendpsychiater_innen mit Kassenvertrag voranzutreiben?
  6. Wie wollen Sie sicherstellen, dass  Familien, die sich keine Behandlung bei Wahlärzt_innen leisten können, niederschwellig versorgt werden?
  7. Wie viele kinder- und jugendpsychiatrische Rehabilitationseinrichtungen gibt es in der Steiermark? An welchen Standorten?
  8. Ist ein Ausbau der kinder- und jugendpsychiatrischen Rehabilitationseinrichtungen aufgrund der derzeitigen Mehrbelastung geplant?
  9. Welche zusätzlichen Angebote werden in der Steiermark geschaffen, um die psychische Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in Zeiten der Krise zu stärken?
  10. Wie viele Schulpsycholog_innen sind an steirischen Pflicht- und Berufsschulen tätig?
  11. Steht jeder steirischen Pflicht- und Berufsschule ein_e Schulpsycholog_in zur Verfügung?
  12. Gibt es auch im Lockdown ein schulpsychologisches Angebot vor Ort?
  13. Planen Sie das schulpsychologische Angebot in der Steiermark auszubauen?
  14. Welche Maßnahmen planen Sie, um die derzeit häufiger auftretenden Fälle von Essstörungen bei Kindern und Jugendlichen frühzeitig zu erkennen und zu behandeln?
  15. Gibt es konkrete Präventionsmaßnahmen gegen Essstörungen, welche an steirischen Pflichtschulen eingesetzt werden? Wie werden diese im Lockdown umgesetzt?
  16. Wie hoch sind die derzeit budgetierten Mittel im Bereich der Suizidprävention? Werden Sie diese Mittel 2021 erhöhen?  
  17. Wie hoch sind die derzeit budgetierten Mittel im Bereich der Suizidprävention von Jugendlichen und Kindern? Werden Sie diese Mittel 2021 erhöhen?
  18. Gibt es konkrete Präventionsmaßnahmen gegen Suizid, welche an steirischen Pflichtschulen eingesetzt werden? Wie werden diese im Lockdown umgesetzt?
  19. Wie hoch sind die derzeit budgetierten Mittel im Bereich der Suchtprävention? Werden Sie diese Mittel 2021 erhöhen?  
  20. Wie hoch sind die derzeit budgetierten Mittel im Bereich der Suchtprävention von Jugendlichen und Kindern? Werden Sie diese Mittel 2021 erhöhen?
  21. Wie hoch sind die Zuschüsse zu kommunalen Suchtpräventionsprogrammen wie dem Grazer Vorhaben "Streetwork und Kontaktladen"? Werden Sie diese Mittel 2021 erhöhen?
  22. Welche Maßnahmen planen Sie, um die derzeit häufiger auftretenden Fälle von Suchtmittelmissbrauch bei Kindern und Jugendlichen frühzeitig zu erkennen und zu behandeln? 
  23. Gibt es konkrete Präventionsmaßnahmen gegen Suchtmittelmissbrauch, welche an steirischen Pflichtschulen eingesetzt werden? Wie werden diese im Lockdown umgesetzt?

Unterschrift(en):
LTAbg. Nikolaus Swatek, BSc (NEOS), LTAbg. Robert Reif (NEOS)