LANDTAG STEIERMARK
XVIII. GESETZGEBUNGSPERIODE


EZ/OZ: 880/1

Selbstständiger Antrag von Abgeordneten (§ 21 GeoLT)

eingebracht am 29.10.2020, 10:24:39


Landtagsabgeordnete(r): LTAbg. Sandra Krautwaschl (Grüne), LTAbg. Lambert Schönleitner (Grüne), LTAbg. Dipl.-Ing.(FH) Lara Köck (Grüne), LTAbg. Georg Schwarzl (Grüne), LTAbg. Veronika Nitsche, MBA (Grüne), LTAbg. Mag. Alexander Pinter (Grüne)
Fraktion(en): Grüne
Zuständiger Ausschuss: Klimaschutz
Regierungsmitglied(er): Landesrätin Mag. Ursula Lackner, Landesrat Johann Seitinger

Betreff:
Mikroplastikuntersuchungen an der Grazer Kläranlage

Kläranlagen können wesentliche Eintragsquellen von Mikroplastikpartikeln (= Plastikteilchen im Größenspektrum von 1µm-5mm; Hidalgo-Ruz et al. 2012, Gigault et al. 2018) in Fließgewässersysteme sein (Mani et al. 2015). In Kläranlagen fließen unterschiedliche Abwässer zusammen, die erwiesenermaßen hohe Plastikfrachten mitführen (Gouin et al. 2011 Browne et al., 2011; Ballent et al. 2016; Horton et al. 2017). Aufgrund von individuellen Reinigungs- und Wasseraufbereitungsmethoden gibt es große Unterschiede in der Mikroplastikretention einzelner Kläranlagen, weshalb auch die schlussendlich in die Vorfluter eingebrachten Plastikmengen stark variieren (siehe Lechner, 2020). Auch Klärschlamm (= der fest-flüssige Abfall der Kläranlage), welcher oftmals als Dünger auf landwirtschaftlichen Flächen verteilt wird, kann hohe MP-Dichten aufweisen (Li et al. 2018).

Gemäß der im Internet abrufbaren Informationen, gelangen von der Grazer Kläranlage täglich 70.000 - 75.000 m³ (bei Niederschlag bis zu 140.000 m³) gereinigtes Abwasser in die Mur, wobei etwa 700 m³ Klärschlamm anfallen.

Eine schriftliche Anfragebeantwortung auf eine Anfrage der Grünen (EZ/OZ: 724/2) hat nun ergeben, dass keine qualitativen oder quantitativen Daten über die Mikroplastik-Reinigungseffizienz der Grazer Kläranlage vorliegen und daher gänzlich unbekannt ist, welche Mengen an kleinsten Plastikpartikeln in die Kläranlage gelangen bzw. diese wieder verlassen und die abführenden Oberflächengewässer kontaminieren. Diese insuffiziente Datenlage wird u.a. mit der Behauptung gerechtfertigt, dass es noch immer keine standardisierten Methoden zur Analyse- und Probennahme von Mikroplastik gibt, was vor dem Hintergrund des wissenschaftlichen Status Quo nicht nachvollzogen werden kann. Es kann hier u.a. auf das Kapitel 5 („Identifizieren von Mikroplastik“) im Report „MIKROPLASTIK IN DER UMWELT-Vorkommen, Nachweis und Handlungsbedarf“ des Umweltbundesamtes oder auf die unzähligen, einschlägigen Beiträge in Fachzeitschriften und Büchern verwiesen werden (zum Beispiel: Imhof et al., 2012; Song et al., 2015; Löder et al., 2017; Shim et al., 2017; Araujo et al., 2018).

Die empirische Ermittlung der Mikroplastik-Reinigungseffizienz, wie an diversen Kläranlagen weltweit bereits vorexerziert, ist eine Grundvoraussetzung für die Abschätzung der lokalen Gewässerkontaminierung und liefert wichtige Hinweise zur technischen Optimierung (z.B. Einbau eines speziellen Mikroplastik-Filters) der Anlage selbst.


Es wird daher der

Antrag

gestellt:

Der Landtag wolle beschließen:

Die Landesregierung wird aufgefordert, eine empirische Untersuchung der Mikroplastik-Reinigungseffizienz der Grazer Kläranlage zu veranlassen, wobei jedenfalls zu ermitteln ist,

1. welche durchschnittlichen Mengen an Mikroplastik pro Zeiteinheit (Tag/Jahr) in die Kläranlage transportiert werden,

2. welcher Anteil des Mikroplastiks in der Anlage (im Klärschlamm) zurückgehalten wird und

3. welche Mengen schlussendlich in den Vorfluter (und daher das Mur-Ökosystem) abgegeben werden.


Unterschrift(en):
LTAbg. Sandra Krautwaschl (Grüne), LTAbg. Lambert Schönleitner (Grüne), LTAbg. Dipl.-Ing.(FH) Lara Köck (Grüne), LTAbg. Georg Schwarzl (Grüne), LTAbg. Veronika Nitsche, MBA (Grüne), LTAbg. Mag. Alexander Pinter (Grüne)