LANDTAG STEIERMARK
XVIII. GESETZGEBUNGSPERIODE


EZ/OZ: 617/1

Selbstständiger Antrag von Abgeordneten (§ 21 GeoLT)

eingebracht am 19.06.2020, 09:03:39


Landtagsabgeordnete(r): LTAbg. Georg Schwarzl (Grüne), LTAbg. Mag. Alexander Pinter (Grüne), LTAbg. Sandra Krautwaschl (Grüne), LTAbg. Lambert Schönleitner (Grüne), LTAbg. Dipl.-Ing.(FH) Lara Köck (Grüne), LTAbg. Veronika Nitsche, MBA (Grüne)
Fraktion(en): Grüne
Zuständiger Ausschuss: Landwirtschaft
Regierungsmitglied(er): Landeshauptmann-Stv. Anton Lang, Landesrat Johann Seitinger

Betreff:
Massenhaftes Schreddern und Ersticken von männlichen Küken stoppen!

Jedes Jahr werden in Österreich Millionen „Eintagsküken“ direkt nach dem Schlüpfen auf grausame Weise durch Gaszufuhr (CO2) oder maschinelles Schreddern getötet. Im Jahr 2018 waren es schätzungsweise 9,6 Mio. Küken (siehe: https://vgt.at/projekte/legehennen/fakten.php#kuekenschreddern). Es handelt sich dabei um männliche Küken von Hybrid-Legerassen, die aufgrund ihrer genetischen Eigenschaften nicht gewinnbringend in der Fleischproduktion verwendet werden können.

Gemäß § 6 Abs 1 Tierschutzgesetz (TSchG) ist es verboten, Tiere ohne vernünftigen Grund zu töten. Wirtschaftliche Interessen dürfen keinen „vernünftigen“ Grund darstellen, um das massenhafte Töten männlicher Küken zu erlauben. Der Tierschutz bzw. das Wohlergehen der Tiere muss in dieser Hinsicht überwiegen. Das massenweise Töten junger Küken ist darüber hinaus unvereinbar mit dem Staatsziel Tierschutz, aus dem eine Verantwortung des Menschen für die in seiner Obhut befindlichen Lebewesen abzuleiten ist.

Seit mehreren Jahren wird intensiv an Früherkennungsmethoden geforscht, durch welche eine Geschlechterbestimmung bereits im Ei erfolgen und das Schlüpfen männlicher Küken verhindert werden soll. Inzwischen stehen zwei Verfahren an der Schwelle zur Serienreife:

  1. Spektroskopisches Verfahren: Am vierten Tag wird mit einem Laser ein Loch ins Ei gefräst, durch das ein Lichtstrahl auf eine Blutader am Dotter gerichtet wird. Anhand der Streuung des Lichts lässt sich das Geschlecht des Embryos spektroskopisch bestimmen. Die weiblichen Eier werden mit einer Klebetechnik wieder verschlossen und die Küken ausgebrütet, die männlichen Eier industriell verwertet.
  2. Endokrinologisches Verfahren: Das Geschlecht wird über spezifische Hormone ermittelt. Dafür wird mit einer Nadel die Schale durchstochen und ein Tropfen Harn aus dem Ei entnommen. Dieser Test ist frühestens acht Tage nach dem Legen des Eis möglich. Die männlichen Bruteier können zu Futter verarbeitet werden.

Zwei andere, nicht-technische Ansätze haben sich teilweise, v.a. in Bio-Betrieben, bereits etabliert:

  1. Einsatz von Zweinutzungsrassen: Hier werden die weiblichen Tiere als Legehennen aufgezogen und männliche Küken für eine spätere Fleischnutzung gemästet. Ökonomische Nachteile ergeben sich dadurch, dass die heutigen Zweinutzungsrassen weniger Eier legen als die Hochleistungslegerassen und auch weniger Fleisch ansetzen als typische Mastrassen.
  2. Bruderhahnaufzucht: Die männlichen Küken der Legerassen werden ebenfalls aufgezogen und zur Fleischproduktion genutzt. Ökonomische Nachteile ergeben sich dadurch, dass die Aufzucht etwa dreimal so lange wie bei Fleischhühnerrassen dauert und ein Vielfaches an Futtermitteln benötigt.

Die massenhafte Tötung der männlichen Küken ist nicht nur unethisch und bereits vermeidbar, sondern, ab der Marktreife von Früherkennungsmethoden, auch mit keinen ökonomischen Nachteilen mehr verbunden.


Es wird daher der

Antrag

gestellt:

Der Landtag wolle beschließen:

Die Landesregierung wird aufgefordert,

1. die Entwicklung von Früherkennungsmethoden zur Geschlechterbestimmung von Küken im Ei bis zur Marktreife finanziell zu fördern und

2. an die Bundesregierung mit dem Ersuchen heranzutreten,

a) eine Gesetzesvorlage zu erarbeiten, welche klarstellt, dass die Vermeidung von wirtschaftlichen Nachteilen keinen vernünftigen Grund im Sinne des § 6 Abs 1 des Tierschutzgesetzes (TSchG) darstellt,

b) die ökonomischen Nachteile für Betriebe, welche auf Bruderaufzucht und Zweinutzungsrassen setzen, durch entsprechende Förderungen auszugleichen, und

c) bei Serienreife von Früherkennungsmethoden zur Geschlechterbestimmung der Küken im Ei den Einsatz solcher Methoden gesetzlich zu implementieren.


Unterschrift(en):
LTAbg. Georg Schwarzl (Grüne), LTAbg. Mag. Alexander Pinter (Grüne), LTAbg. Sandra Krautwaschl (Grüne), LTAbg. Lambert Schönleitner (Grüne), LTAbg. Dipl.-Ing.(FH) Lara Köck (Grüne), LTAbg. Veronika Nitsche, MBA (Grüne)