LANDTAG STEIERMARK
XVIII. GESETZGEBUNGSPERIODE


EZ/OZ: 1856/1

Befragung eines Mitgliedes der Landesregierung (§ 69 GeoLT)

eingebracht am 09.12.2021, 20:46:11


Landtagsabgeordnete(r): LTAbg. Veronika Nitsche, MBA (Grüne)
Fraktion(en): Grüne
Zuständiger Ausschuss: -
Regierungsmitglied(er): Landesrätin Mag. Doris Kampus

Betreff:
Obdachlosenhilfe in den kalten Wintermonaten

Im vergangenen Winter brachten die Grünen einen Antrag zum Thema „Ausbau des Angebots für Wohnungslose in den steirischen Regionen“ (EZ/OZ: 1103/1) ein, um auf eine folgenreiche Unwucht in der steirischen Wohnungslosenunterstützung hinzuweisen. Schließlich geht aus der 2017 veröffentlichten und nach wie vor aktuellsten Studie zur Wohnungslosigkeit und Wohnungslosenhilfe in Graz hervor, „dass für die Bewältigung von Wohnungsnot und Wohnungslosigkeit nahezu ausschließlich die Stadt Graz zuständig ist. Hier sind fast alle Einrichtungen und professionellen Hilfeangebote für Menschen in Wohnungsnot / Wohnungslosigkeit angesiedelt“ (Quelle: bawo, Wohnungslosigkeit und Wohnungslosenhilfe in der Landeshauptstadt Graz, Endbericht, 25.03.2017). Demgegenüber besteht in den Regionen ein Mangel an entsprechenden Hilfsstrukturen, weshalb wohnungslos gewordene Menschen aus den Regionen „de facto veranlasst werden, sich in Richtung Graz aufzumachen, um hier an eine der nur dort vorhandenen Einrichtungen anzudocken, dort also um Hilfe nachzufragen“ (Seite 35).

Der Mangel an Hilfsstrukturen in den Regionen führt nunmehr einerseits dazu, dass Menschen, die (vorerst) aufgrund des bestehenden sozialen Netzes trotz Versorgungskrisen im ländlichen Raum bleiben, einen kontinuierlichen sozialen Abstieg mit unter anderem hohen gesundheitlichen Risiken in Kauf nehmen, um schließlich doch in die Stadt zu gehen. Andererseits verlassen Menschen ihr soziales Umfeld und die damit verbundenen privaten Hilfsmöglichkeiten, um Hilfe beim Wohnungslosenangebot in Graz zu finden, wobei „ihnen [dort] auch das vorhandene Netzwerk der formellen Hilfen fremd und Hilfe mithin nicht so ohne weiteres zugänglich ist“ (Seite 36). Dies führt dazu, dass diese Personen es hinsichtlich der Art ihrer Wohn-Notversorgung schwerer haben als Grazer*innen, was sich unter anderem im „erheblich niedrigeren Anteil an Personen, die eine Aufnahme in eine betreute Unterkunft realisieren konnte,“ zeigt (Seite 28).

Zwar hat die Landesregierung dem Ausschussbeschluss entsprechend Stellung zum Antrag der Grünen bezogen (EZ/OZ: 1103/3) und diese bestätigt auch, dass der überragende Teil der von der Landesregierung geförderten Projekte gegen Wohnungs- und Obdachlosigkeit bzw. zur Betreuung und Unterstützung Betroffener bei Wohnungs- und Obdachlosigkeit im Jahr 2020 in Graz angesiedelt war. Allerdings wurden Antrag und Stellungnahme der Landesregierung in weiterer Folge von den Regierungsfraktionen dem Unterausschuss Soziales zugewiesen, wo eine weitere Behandlung unterblieb und damit das Anliegen einer parlamentarischen Debatte im Landtag entzogen wird.

Nunmehr finden wir uns wieder mitten in der kalten Jahreszeit, in der wohnungslose Menschen besonders unter ihren äußerst prekären Lebensverhältnissen leiden müssen, und es stellt sich die Frage, ob die Landesregierung die Situation der Wohnungslosen in den steirischen Regionen im letzten Jahr verbessert hat.

Es wird folgende

Anfrage

gestellt:

Welche professionellen Hilfeangebote stellen Sie jenen bereits obdach- bzw. wohnungslos gewordenen Menschen in den steirischen Regionen vor Ort bereit?


Unterschrift(en):
LTAbg. Veronika Nitsche, MBA (Grüne)