LANDTAG STEIERMARK
XVIII. GESETZGEBUNGSPERIODE


EZ/OZ: 1745/1

Selbstständiger Antrag von Abgeordneten (§ 21 GeoLT)

eingebracht am 29.10.2021, 08:59:19


Landtagsabgeordnete(r): LTAbg. Mag. Alexander Pinter (Grüne), LTAbg. Sandra Krautwaschl (Grüne), LTAbg. Georg Schwarzl (Grüne), LTAbg. Lambert Schönleitner (Grüne), LTAbg. Dipl.-Ing.(FH) Lara Köck (Grüne), LTAbg. Veronika Nitsche, MBA (Grüne)
Fraktion(en): Grüne
Zuständiger Ausschuss: Klimaschutz
Regierungsmitglied(er): Landesrätin Mag. Ursula Lackner, Landesrat Johann Seitinger, Landesrätin Dr. Juliane Bogner-Strauß

Betreff:
Pestizide raus aus steirischen Schlafzimmern!

Eine brandaktuell von Global 2000 durchgeführte Studie zeigt auf, dass – insbesondere auch in Österreich – Pestizide bis hinein in Schlafräume vordringen. In insgesamt 21 EU-Mitgliedsstaaten wurden Hausstaub-Stichproben aus Schlafzimmern gezogen und auf das Vorhandensein von Pestiziden untersucht. Die Auswertung erfolgte in einem französischen Labor, wobei gezielt Rückstände von 30 in der EU verwendeten Pestiziden überprüft wurden, die als anerkannte Indikatoren für Luftschadstoffbelastungen in Innenräumen gelten. Die Ergebnisse zeigen: Pestizide gelangen bis hinein in die Wohnbereiche, in denen Menschen viele Stunden ihres Tages verbringen. Das österreichische Ergebnis sticht dabei bei der Anzahl der nachgewiesenen Pestizide negativ heraus: So wurden zwölf verschiedene Pestizide gefunden, im Durchschnitt waren es acht. Zwei der in Österreich nachgewiesenen Pestizide (Spiroxamin, Fluazinam) stehen unter Verdacht, die menschliche Fortpflanzung zu schädigen und Missbildungen bei ungeborenen Kindern hervorzurufen. Drei weitere (Fluazinam, Metolachlor und Pendimethalin) haben das Potenzial, unser Hormonsystem zu schädigen. Die Gesamtbelastung der österreichischen Probe betrug 683 ng/g (vgl. https://www.global2000.at/publikationen/pestizide-im-schlafzimmer).

Eine bereits Ende 2020 im Auftrag von Greenpeace durchgeführte Studie zeigte wiederum, dass Pestizide über die Luft stärker verbreitet werden als bis dahin angenommen. Auch daraus lässt sich ein potentiell erhebliches Gesundheitsrisiko für die anwohnende Bevölkerung, aber auch für die Produktionsflächen von Bio-Bäur*innen ableiten. Konkret wurden an verschiedenen europäischen Standorten bei biologisch bewirtschafteten Betrieben Mehrfach-Belastungen durch insgesamt 25 Pestizide festgestellt, die offenkundig durch Abdrift eingetragen wurden. Die Verbreitung der Pestizide erfolgt insbesondere durch die Anhaftung an Staubpartikeln, die mit dem Wind über beachtliche Strecken weitergetragen werden können (vgl. https://www.greenpeace.ch/de/medienmitteilung/60399/greenpeace-feldstudie-pestizide-verbreiten-sich-kilometerweit/).

Auch eine Studie aus Deutschland kommt zu solchen Ergebnissen. Der Abstand zur nächsten potentiellen Pestizid-Quelle hat demzufolge keine Aussagekraft über die Belastung durch Luftverfrachtung. Daher muss auch an Orten, an denen Pestizide nicht direkt ausgebracht werden, mit einem umfassenden Wirkstoff-Cocktail gerechnet werden. Die Wechselwirkungen dieser Stoffe aus der Luft auf den Menschen sind derzeit gänzlich unbekannt. Die Ergebnisse lassen erkennen, dass etwa Glyphosat besonders weit in der Luft verbreitet ist (vgl. Kruse-Plaß/Hofmann/Wosniok, Biomonitoring der Pestizid-Belastung der Luft [2020]).

Wie aus der Beantwortung zur schriftlichen Anfrage der Grünen „Abdrift von Pestiziden“ (EZ 856/2) hervorgeht, strebt die Landesregierung in puncto Sicherheit keine eigenen Erhebungen in der Praxis an, sondern verweist mehrfach auf die EU-weite Zulassung diverser Pestizide. Darüber hinaus wird auf den Nationalen Aktionsplan zur nachhaltigen Verwendung von Pflanzenschutzmitteln (NAP) des Landwirtschaftsministeriums hingewiesen. Jedoch stellen weder Zulassungsverfahren noch NAP noch Lebensmittel- und Trinkwasser-Monitorings auf den Eintrag von Pestiziden und deren Abbauprodukte in den Wohnraum ab. Da im Moment keine seriösen Daten für die Steiermark verfügbar sind, stellt deren Erhebung eine wesentliche Grundlage dar, um potentielle Gefahren zu erkennen und sie vermeiden zu können.


Es wird daher der

Antrag

gestellt:

Der Landtag wolle beschließen:

Die Landesregierung wird aufgefordert,

1. eine repräsentative Erhebung für den Eintrag von Pestiziden in Wohngebiete, dabei speziell auch in Wohnräume, sowie auf Flächen der Bio-Landwirtschaft durchzuführen,

2. ein landesweites Monitoring der Verwendung von Pestiziden einzurichten,

3. landesweit permanente Messstellen an repräsentativen Orten zur Überprüfung des Pestizidgehaltes in der Luft zu installieren und zu prüfen, ob auch bereits bestehende Stellen zur Feinstaubmessung dahingehend adaptiert werden könnten.


Unterschrift(en):
LTAbg. Mag. Alexander Pinter (Grüne), LTAbg. Sandra Krautwaschl (Grüne), LTAbg. Georg Schwarzl (Grüne), LTAbg. Lambert Schönleitner (Grüne), LTAbg. Dipl.-Ing.(FH) Lara Köck (Grüne), LTAbg. Veronika Nitsche, MBA (Grüne)