LANDTAG STEIERMARK
XVIII. GESETZGEBUNGSPERIODE


EZ/OZ: 435/1

Selbstständiger Antrag von Abgeordneten (§ 21 GeoLT)

eingebracht am 17.04.2020, 09:12:14


Landtagsabgeordnete(r): LTAbg. Mag. Stefan Hermann, MBL (FPÖ), LTAbg. Patrick Derler (FPÖ), Dritter Landtagspräsident Dipl.-Ing. Gerald Deutschmann (FPÖ), LTAbg. Helga Kügerl (FPÖ), LTAbg. Mario Kunasek (FPÖ), LTAbg. Albert Royer (FPÖ), LTAbg. Ewald Schalk (FPÖ), LTAbg. Marco Triller, BA MSc (FPÖ)
Fraktion(en): FPÖ
Zuständiger Ausschuss: Bildung, Gesellschaft und Gesundheit
Regierungsmitglied(er): Landesrätin Dr. Juliane Bogner-Strauß

Betreff:
Wiederaufnahme des Unterrichts in Pflichtschulen in Form von Kleingruppen

Seit rund einem Monat herrscht an Österreichs Schulen Ausnahmezustand. Um eine weitere Ausbreitung des Coronavirus zu verhindern, wurde mit 16. bzw. 18. März der Regelbetrieb an sämtlichen Schulen in der Steiermark und ganz Österreich eingestellt. Die Schulen waren zwar teilweise zur allfälligen Betreuung der Kinder von Eltern in systemrelevanten Berufen geöffnet, der reguläre Unterricht wurde jedoch bis auf weiteres eingestellt. Nach Möglichkeit fand dieser von zuhause aus statt und diente in den meisten Fällen dem Verfestigen des bisher Gelernten; neuer Stoff konnte kaum durchgenommen werden. Dies auch aufgrund der Tatsache, dass rund 20 Prozent der Schüler für den Online-Unterricht daheim nicht erreicht werden konnten.

Die unzureichende Möglichkeit, neuen Lehrstoff zu vermitteln, bereitet allen davon betroffenen Parteien – Lehrern wie Schülern und deren Eltern – zunehmend Sorgen. Online-Unterricht stellt zwar ein geeignetes Mittel zum Zweck dar, mit dem insbesondere ältere Schüler gut zurechtkommen. Volksschüler hingegen brauchen jedoch ausreichend Unterstützung von ihren Eltern, um Arbeitsaufträge von zuhause aus erledigen zu können. Eltern, die häufig selbst im Home-Office arbeiten, dienen quasi als Ersatz für Lehrpersonen und sind angehalten, mit ihrem Nachwuchs zu lernen und Aufgaben zu erledigen. Aber nicht nur dieser Punkt stellt eine unzufriedenstellende Situation dar, auch leiden Kinder unter den fehlenden sozialen Kontakten. Dieser Aspekt darf keinesfalls ins Hintertreffen geraten, immerhin lernen Kinder sehr viel im Zuge der Interaktion mit ihren Klassenkammeraden. Zudem betrifft es meist die sozial schwächeren Familien, die mit der aktuellen Situation völlig überfordert sind.

Aus diesem Grund erachten es die Freiheitlichen als dringend erforderlich, den Schulbetrieb ehest baldig – wenn auch unter bestimmten Auflagen bzw. verschärften Sicherheitsmaßnahmen – wiederaufzunehmen. Die FPÖ strebt hier einen sogenannten Blockunterricht für Schüler unter 14 Jahren, also in Pflichtschulen, an. Dieser Unterricht könnte beispielsweise so ausgestaltet sein, dass jeden Tag ein Fünftel der Schüler in den Hauptgegenständen unterrichtet wird. Bei einer Klassengröße von 25 Schülern bedeute dies, dass fünf Schüler pro Tag in der Schule anwesend sind. Dieses Modell stelle auch sicher, dass die Sicherheitsabstände eingehalten werden können. So käme jeder Schüler zumindest einmal pro Woche in die Schule, wodurch ein zwar eingeschränktes, aber geordnetes Schulleben wieder gewährleistet werden könnte.

Die Schule besteht schließlich nicht nur aus Unterricht, sondern ermöglicht auch einen Austausch der Lehrer und Schüler untereinander und fördert den gemeinsamen Umgang miteinander. Pädagogen und Schüler profitieren davon gleichermaßen. Da nur ein Fünftel der Kinder in der Klasse wäre und sich das Schüler-Lehrer-Verhältnis bedeutend verbessern würde, könnte die Lehrkraft darüber hinaus gezielt auf die einzelnen Schüler eingehen. Der „Fünftel-Schulbetrieb“ ermögliche den Pädagogen eine Selektion der Gruppen nach organisatorischen und pädagogischen Kriterien wie beispielsweise eine Einteilung nach leistungsschwachen bzw. leistungsstarken Schülern sowie mit Rücksichtnahme auf die Anwesenheit der Schüler gemäß den Kinderbetreuungsmöglichkeiten der Eltern usw. Auch ein Zusammenwirken der Lehrer etwa mit der Administration respektive der Direktion kann wieder gewährleistet werden.

Für Schulkinder unter 14 Jahren ist es darüber hinaus von großer Wichtigkeit, dass sie in der Schule eine pädagogisch qualifizierte Betreuungsperson vor sich haben. Immerhin ist das Erledigen von Aufträgen im Unterricht etwas völlig anderes als von zuhause aus. Außerdem stellt das Erledigen von Aufgaben in haptischer Form – insbesondere in Schreibfächern wie Deutsch und Englisch – einen wesentlichen Unterschied zum Schreiben am PC (mit Rechtschreibprüfung) dar. Ebenso wichtig ist die haptische Korrektur durch den Lehrer. Auch das laute Vorlesen im Klassenrahmen hat einen deutlichen Mehrwert gegenüber dem Lesen zuhause vor dem Laptop. Nicht zuletzt profitieren Schüler von dem Kontakt mit Klassenkollegen, der durch den digitalen Fernunterricht verunmöglicht wurde.


Es wird daher der

Antrag

gestellt:

Der Landtag wolle beschließen:

Die Landesregierung wird aufgefordert, die notwendigen Schritte einzuleiten, damit der Unterricht in steirischen Pflichtschulen in Form von Blockunterricht bzw. in Kleingruppen wieder aufgenommen werden kann, um folglich einen schrittweisen Übergang in ein geordnetes Schulleben gewährleisten zu können.


Unterschrift(en):
LTAbg. Mag. Stefan Hermann, MBL (FPÖ), LTAbg. Patrick Derler (FPÖ), Dritter Landtagspräsident Dipl.-Ing. Gerald Deutschmann (FPÖ), LTAbg. Helga Kügerl (FPÖ), LTAbg. Mario Kunasek (FPÖ), LTAbg. Albert Royer (FPÖ), LTAbg. Ewald Schalk (FPÖ), LTAbg. Marco Triller, BA MSc (FPÖ)