LANDTAG STEIERMARK
XVII. GESETZGEBUNGSPERIODE


TOP 13

EZ/OZ 2217/5

Schriftlicher Bericht

Ausschuss: Infrastruktur

Betreff:
Ermäßigte SeniorInnen-Jahreskarte für den Verkehrsverbund Steiermark

 

zu:
EZ 2217/1, Ermäßigte SeniorInnen-Jahreskarte für den Verkehrsverbund Steiermark (Selbstständiger Antrag von Abgeordneten (§ 21 GeoLT))

 

Der Ausschuss "Infrastruktur" hat in seiner Sitzung am Dienstag, dem 29.05.2018 über den oben angeführten Gegenstand die Beratungen durchgeführt.

Mit Beschluss des Ausschusses für Infrastruktur vom 27.02.2018 wurde die Steiermärkische Landesregierung ersucht eine Stellungnahme zum Selbstständigen Antrag, Einl.Zahl 2217/1, abzugeben.

Aufgrund dieses Beschlusses erstattet die Steiermärkische Landesregierung folgende Stellungnahme:

SeniorInnen-Jahreskarten in anderen Verkehrsverbünden Österreichs

Im Folgenden werden die Angebote in anderen Bundesländern kurz beschrieben. Vorab ist festzuhalten, dass eine Vereinbarung aller Verkehrsverbünde in Österreich, dass für den Kauf von Jahreskarten ab dem derzeit 63. Lebensjahr keine ÖBB-Vorteilscard nötig ist, nicht bekannt ist.

Salzburg:

Das sogenannte "Edelweiß-Ticket für alle ab 63 Jahren um 299 Euro wurde am 10. Dezember 2017 eingeführt. Es gilt im ganzen Bundesland Salzburg. Für dieses Ticket ist keine ÖBB Vorteilcard Senior erforderlich.

Gleichzeitig wurde die SeniorInnen-Ermäßigung für Einzelfahrten und Tageskarten von rund 30 % auf 20 % abgesenkt. Hier ist weiterhin die ÖBB Vorteilscard Senior als Zugangsberechtigung erforderlich.

Tirol:

Das Jahresticket für SeniorInnen gibt es seit 1. Februar 2013. Für SeniorInnen ab 63 kostet es 250 Euro und für SeniorInnen ab 75 Jahren 125 Euro. Es gilt in ganz Tirol. Beim Kauf ist keine ÖBB Vorteilscard Senior erforderlich.

Daneben gibt es weiterhin Einzel- und Tagestickets zum ermäßigten Preis (ca. 28%). Mit Ausnahme von Innsbruck ist beim Kauf dieser Tickets die ÖBB Vorteilscard Senior weiterhin als Berechtigungsausweis erforderlich. In Innsbruck reicht ein Seniorenausweis der Stadt Innsbruck oder ein anderer Altersnachweis.

Das Land Tirol hat bei der Einführung des Jahrestickets für die ersten beiden Jahre eine Anschubfinanzierung geleistet (budgetiert bis zu 2,3 Mio. Euro, tatsächlich insgesamt etwas über 1,5 Mio. Euro). Neben dieser Anschubfinanzierung trägt das Land Tirol für die Jahrestickets ab 75 laufend den Preisunterschied zum Jahresticket ab 63 (Preisunterschied derzeit 125 Euro).

Die Verkaufszahlen haben sich gut entwickelt. Aufgrund des Preises sind die BesitzerInnen der IVB-Seniorenkarten auf das neue landesweite Jahresticket überwandert. Derzeit werden rund 28.000 bis 29.000 Jahrestickets für SeniorInnen verkauft. Rund die Hälfte davon machen die Jahrestickets ab 75 aus.

Vorarlberg:

Im Verkehrsverbund Vorarlberg wurde mit 1. Jänner 2014 eine Tarifreform durchgeführt. Dabei wurde auch eine Jahreskarte maximo (gültig im ganzen Bundesland Vorarlberg) zum Sparpreis von derzeit 260 Euro eingeführt. Diese ist ohne ÖBB Vorteilscard erhältlich.

Gleichzeitig wurde damals die SeniorInnenermäßigung auf Einzel-, Tages-, Wochen- und Monatskarten ersatzlos gestrichen. Zusätzlich wurde für im gleichen Haushalt lebende Partner eine nochmals vergünstigte Jahreskarte maximo Spar-Spezial um 195 Euro eingeführt.

SeniorInnen-Jahreskarte für die Steiermark

  • Die Einnahmeneffekte bei Einführung einer im gesamten Verkehrsverbund Steiermark geltenden SeniorInnen-Jahreskarte müssten – analog wie dies in den anderen Bundesländern geschehen ist – erst eingehend analysiert werden. Aus den bisherigen Fahrkartenverkäufen lassen sich nur bedingt Rückschlüsse ziehen, da die Verkäufe an ermäßigten Stunden- und 24-Stunden-Karten nicht nach SeniorInnen, Jugendlichen und Familien differenziert werden. Zudem sind SeniorInnen auch mit Vollpreiskarten unterwegs oder besitzen wie insbesondere in Graz Zeitkarten (z. B. die Jahreskarte Graz). Es wurde trotzdem in Rücksprache mit den Verkehrsunternehmen versucht, eine erste Kalkulationsbasis zu erstellen.

  • Die Verkehrsunternehmen wollen ein Abrechnungsmodell, das auf einem Referenzpreis beruht. Die Differenz zwischen diesem Referenzpreis und dem von den Gebietskörperschaften festgelegten Verkaufspreis der SeniorInnen-Jahreskarte ergibt multipliziert mit der Anzahl der verkauften SeniorInnen-Jahreskarten den Abgeltungsbetrag. Auf Basis der Verkaufszahlen kann dann die Abgeltung „spitz“ errechnet werden:

    Formel:

    Abgeltungsbetrag = Anzahl verkaufter SeniorInnen-Jahreskarten x Referenzpreis – Preis der SeniorInnen-Jahreskarte

    Zur Bildung des Referenzpreises wurde die durchschnittliche Reiseweite bei den primär von SeniorInnen gekauften, ermäßigten Stundenkarten und ermäßigten 24-Stunden-Karten berechnet. Bei den ermäßigten Stundenkarten beträgt sie 1,54 Zonen und bei den ermäßigten 24-Stunden-Karten 1,91 Zonen.

    Als Referenzpreis wird der Preis der Jahreskarte für zwei Zonen vorgeschlagen. Derzeit beträgt dieser 609 Euro inkl. USt. (ab 1. 7. 2018: 634 Euro inkl. USt.).

    Bei einem angenommenen Preis der SeniorInnen-Jahreskarte von 300 Euro inkl. USt. (ähnlich Edelweiß-Ticket in Salzburg) und einem Referenzpreis für die Jahreskarte für zwei Zonen von 634 € inkl. USt. ergeben sich in Abhängigkeit der verkauften SeniorInnen-Jahreskarten folgende Abgeltungsbeträge:  

Verkaufte Stück

10.000

15.000

20.000

30.000

40.000

Abgeltungsbetrag in EUR inkl. USt.

3.340.000,00

5.010.000,00

6.680.000,00

10.020.000,00

13.360.000,00

  • Eine Prognose der zu erwartenden Verkäufe in der Steiermark ist schwer zu erstellen und hängt letztlich auch vom festgelegten Verkaufspreis der SeniorInnen-Jahreskarte ab. In der untenstehenden Tabelle sind die bisherigen Verkäufe in Salzburg und in Tirol und die Anzahl der Personen ab 63 Jahren in diesen Bundesländern angeführt:

Bundesland

Anzahl verkaufter SeniorInnen-Jahreskarten

Anzahl der Personen 63+ lt. Statistik Austria

Salzburg

ca. 4.500

115.344

Tirol

ca. 28.000 bis 29.000

150.191

Steiermark

---

279.648

 

Zu beachten ist, dass in Salzburg das Edelweiß-Ticket erst Mitte Dezember 2017 eingeführt wurde. Eine Steigerung der Verkäufe ist zu erwarten.

In Tirol gibt es das Jahresticket für SeniorInnen seit Februar 2013. Die sehr hohen Verkaufszahlen resultieren auch daraus, dass Personen ab 75 Jahren das Jahresticket statt um 250 Euro (= Preis für Personen ab 63 Jahren) bereits um 125 Euro erhalten. Rund die Hälfte der Verkäufe entfällt auf diese Gruppe.

In der Steiermark ist zu erwarten, dass bei einem günstigen Verkaufspreis potentiell mehr als 10.000 Stück verkauft werden können.

Allein bei den von den Graz Linien verkauften Jahreskarten entfallen rund 7.000 Karten auf Personen, die 63 oder älter sind. Davon haben 6.500 Personen eine vergünstigte Jahreskarte Graz. Bei allen regionalen Jahreskarten wäre eine vollständige Überwanderung auf das SeniorInnen-Ticket zu erwarten. Wenn die Preisdifferenz gering ist, würde aber auch ein Großteil der bisherigen BesitzerInnen der Jahreskarte Graz auf das SeniorInnen-Ticket überwandern.

Das würde die Stadt Graz, die die Preisdifferenz zwischen Jahreskarte Graz und dem normalen Verbundfahrpreis der Jahreskarte finanziert, entlasten und die das SeniorInnen-Ticket bestellenden Gebietskörperschaften hingegen belasten.

Neben den bisherigen JahreskartenbesitzerInnen würden je nach Fahrtenhäufigkeit Personen in der Altersgruppe 63+ von ermäßigten Stundenkarten und 24-Stunden-Karten, von Vollpreis-Stundenkarten und 24-Stunden-Karten sowie von Wochen-, Monats- und Halbjahreskarten auf das neue Angebot überwechseln.

Ebenso ungewiss ist, wie viele Personen im Alter von 63+ als echte NeukundInnen gewonnen werden könnten. Bezogen auf die Nutzung des öffentlichen Verkehrs gehörten SeniorInnen in der Vergangenheit oft zu den Zwangsnachfragern („Captive Riders“), da sie über keinen Führerschein oder über kein eigenes Auto verfügten. Heute und zukünftig ändert sich diese Situation, weil viele SeniorInnen wesentlich autoaffiner (vorhandener Führerschein und Pkw) sind und ihr autoorientiertes Mobilitätsverhalten bis ins hohe Alter beibehalten wollen.

  • Zu beachten ist, dass derzeit die Altersgrenze für die SeniorInnenermäßigung bei 63 Jahren liegt. Österreichweit vorgesehen ist, dass diese Altersgrenze mit 1. 1. 2020 auf 64 Jahre und mit 1. 1. 2022 letztmalig auf 65 Jahre steigt. Laut der Bevölkerungsprognose der Statistik Austria ergibt sich folgende Anzahl von Anspruchsberechtigten:

Jahr

Anspruchs-berechtigte

Altersgruppe

2018

279.648

63+

2019

284.722

63+

2020

273.741

64+

2021

279.492

64+

2022

268.516

65+

2023

274.275

65+

2024

280.322

65+

2025

286.647

65+

2026

293.342

65+

2027

300.586

65+

2028

308.028

65+

2029

315.522

65+

2030

322.660

65+

 

Trotz Anhebung der Altersgrenze auf 65 Jahre ist längerfristig mit einer Zunahme der Anspruchsberechtigten zu rechnen.

  • Zu bedenken ist, dass die Einführung einer günstigen Jahresnetzkarte für eine Personengruppe dazu führt, dass auch andere Fahrgastgruppen dieses Angebot einfordern. Neben Studierenden (Forderung nach Top-Ticket) werden dies letztlich auch die PendlerInnen sein. Als Beispiel sei Tirol genannt, wo mit 1. Juni 2017 das Tirol-Ticket um 490 Euro pro Jahr eingeführt wurde, das für alle erhältlich ist.

  • Aus fachlicher Sicht sind durch Tarifstützungsmaßnahmen alleine keine nennenswerten Verlagerungen auf den Öffentlichen Verkehr zu erwarten. Deshalb stehen derzeit bei allen geplanten Maßnahmen im ÖV die Erweiterung des Angebotes und die Qualität im Vordergrund, weshalb die zur Verfügung stehenden Mittel vorrangig dem Ausbau und der Verbesserung des ÖV zugeführt werden.

 

Es wird daher der

Antrag

gestellt:

Der Landtag wolle beschließen:

Der Bericht des Ausschusses für Infrastruktur zum Antrag der Abgeordneten der KPÖ, EZ 2217/1, betreffend "Ermäßigte SeniorInnen-Jahreskarte für den Verkehrsverbund Steiermark" wird zur Kenntnis genommen.

 

 

Der Obfraustellvertreter:
LTAbg. Anton Gangl