LANDTAG STEIERMARK
XVIII. GESETZGEBUNGSPERIODE


EZ/OZ: 511/2

Schriftliche Anfragebeantwortung (§ 66 GeoLT)

eingebracht am 14.07.2020, 15:56:28


Zu:
511/1 Schutz der Rehkitze vor Mähmaschinen
(Schriftliche Anfrage an die Landesregierung oder eines ihrer Mitglieder (§ 66 GeoLT))

Landtagsabgeordnete(r): LTAbg. Georg Schwarzl (Grüne), LTAbg. Sandra Krautwaschl (Grüne), LTAbg. Mag. Alexander Pinter (Grüne), LTAbg. Dipl.-Ing.(FH) Lara Köck (Grüne), LTAbg. Lambert Schönleitner (Grüne), LTAbg. Veronika Nitsche, MBA (Grüne)
Regierungsmitglied(er): Landesrat Johann Seitinger
Beilagen: 511_Schutz der Rehkitze vor Mähmaschinen.pdf, mähtod.rehkitze.2016-2020.20200618.xlsx, mähtod.rehkitze.2016-2020.EIGENJAGD.20200619.xlsx, mähtod.rehkitze.2016-2020.GEMEINDEJAGD.20200619.xlsx

Betreff:
Schutz der Rehkitze vor Mähmaschinen

Die Anfrage vom 14.05.2020, Einl.Zahl 511/1 der Abgeordneten LTAbg. Mag. Alexander Pinter, LTAbg. Georg Schwarzl, LTAbg. Sandra Krautwaschl, LTAbg. Lambert Schönleitner, LTAbg. Dipl.-Ing.(FH) Lara Köck und LTAbg. Veronika Nitsche, MBA betreffend "Schutz der Rehkitze vor Mähmaschinen" beantworte ich wie folgt:

ad1)

Gemäß § 75 (2) JG sind von der Bezirksjägermeisterin/vom Bezirksjägermeister (BJM) alljährlich jagdstatistische Daten zusammenzustellen, deren Lieferung den Jagdausübungsberechtigten obliegt. Beim (abschussplanpflichtigen) Schalenwild, wie dem Rehwild, ist jeder Abschuss und jedes aufgefundene Stück Fallwild binnen drei Tagen elektronisch oder mittels Abschussmeldekarte der/dem BJM anzuzeigen und in eine Abschussliste einzutragen. Spätestens nach Ende des Jagdjahres sind die jagdstatistischen Daten gesammelt der Landesregierung zu übermitteln und werden diese in den digitalen Jagdkataster übernommen.

Im gegenständlichen Fall wurden die Rehkitz-Fallwildzahlen rückwirkend bis 2016, getrennt nach Monaten und Bezirken durch das Landesjagdamt ausgewertet. In der Abschussstatistik werden vermähte Kitze zwar dem sonstigen Fallwild zugezählt, üblicherweise wird diesbezüglichen Fallwildmeldungen allerdings der Vermerk Mähtod angefügt.

Besonders von Rehkitz-Mähverlusten betroffen sind Gemeindejagdgebiete mit hohem Grünlandanteil in den Bezirken Hartberg-Fürstenfeld, Weiz und Graz-Umgebung. Die Fallzahlen der letzten vier Jahre und aus dem heurigen Jahr sind den Tabellen im Anhang zu entnehmen.

 

Abb. 1: Alter und Todesursache markierte Rehe (608 Rehe = 100 %) Quelle: Hespeler in Wagner (2012)

Gemessen am Rehwild-Gesamtabgang in der Steiermark von rund 69.000 Stück jährlich sind den Kitz-Mähverlusten ein Anteil von 3,6 % zuzurechnen. Zum Vergleich fallen jährlich rund 2.300 Rehkitze, das sind 10,7 % des Rehkitz-Gesamtabgangs, dem Straßenverkehr zum Opfer, wobei Verkehrsfallwild an führenden Geißen in den ersten Lebensmonaten der Kitze im Allgemeinen auch deren Verlust zur Folge hat. Zu den Rehkitz-Mähverlusten während der Sommermonate kommen über die Herbst- und Wintermonate zusätzliche sonstige Fallwildzahlen, beispielsweise ernährungsbedingte Ausfälle, in der Höhe von rund 2.200 Stück jährlich, das entspricht einem Anteil von 10,4 % des Rehkitz-Gesamtabgangs.

ad 2)

Wie in anderen Bundesländern finden auch in der Steiermark folgende Techniken zum Schutz der Rehkitze vor dem Mähtod Anwendung:

  • Vergrämung

  • Begehung ohne und mit Hunden

  • Kombination aus Vergrämung/Begehung/Hund

  • Drohnen

Die unterschiedlichen Methoden wurden von Sachon (2018) im Rahmen seiner Jagdwirt-Abschlussarbeit „Einsatz neuer Technologien in der Jagd am Beispiel Kitzrettung mittels Drohne mit Wärmebildkamera – bringt der Einsatz dieser Technik einen Mehrwert für die Jagd?“ auf ihre Wirksamkeit hin untersucht. Demnach stellt die Kitzrettung mittels Drohne derzeit die effizienteste Art der Rettung von Rehkitzen vor dem Mähtod dar. An zweiter Stelle liegt die kombinierte Methode mittels Vergrämung plus Begehung mit Hund, gefolgt vom bloßen Absuchen der Wiesen mit und ohne Hund, um die gefundenen Rehkitze zu bergen und an eine andere Stelle zu tragen bzw. bis nach der Mahd zu verwahren. Hierfür gehen eine größere Anzahl an Menschen die Wiese mit Stöcken ab, um Kitze in ihren Betten zu finden, Hunde, die eine gesonderte Ausbildung/Anlage zum Aufstöbern von Rehkitzen haben, leisten dabei Unterstützung (Sachon, 2018). Des Weiteren zählt die Strategie des Scheuchens, Vergrämens oder Verwittern zu den häufig praktizierten Methoden. Man versucht durch optische, akustische oder olfaktorische Einflüsse das Wild derart zu beunruhigen, dass dieses die Wiese verlässt. Dazu zählt auch das kleinflächige Anmähen von Wiesen am Vortag der eigentlichen Mahd, stationäre optische und/oder akustische sowie am Mäher montierte mobile Geräte (Blaulichter, Sirenen u. dgl.). Allerdings funktioniert das nur mit Rehkitzen, die bereits einen Fluchtinstinkt entwickelt haben. Rehkitze mit einem Alter von unter drei Wochen drücken sich bei Gefahr ins Gras anstatt zu fliehen. Damit sich auch bei noch jungen Rehkitzen ein Rettungserfolg einstellt, muss das Muttertier den Nachwuchs aus der Wiese führen (Sachon, 2018).

Abb. 2: Anteil der trotz durchgeführter Suche oder Vergrämung

getöteten Kitze in Relation zu den geretteten Kitzen in %

Quelle: Sachon (2018)

ad 3)

Als indirekte Maßnahme zur Vermeidung von Mähverlusten sind im weitesten Sinne Wiesenflächen, die im Rahmen des Vertragsnaturschutzes einen späteren Mähzeitpunkt als Auflage haben, zu nennen. Die Jägerschaft bietet in vielen Regionen diverse Unterstützungsmaßnahmen zur Vermeidung von Kitztod durch Mäharbeiten an – diese können und sollen von den LandwirtInnen genutzt werden. Darüber hinaus ist der Schutz von Rehkitzen bei Mährarbeiten als fixer Bestandteil in den Lehrplänen der Land- und Forstwirtschaftlichen Schulen verankert.

ad 4)

In der Steiermark sind bereits Drohnen mit Wärmebildkameras zum Aufsuchen von Rehkitzen im Einsatz. Die Steirische Landesjägerschaft widmet sich bereits seit vielen Jahren dem Schutz von Rehkitzen vor Mähverlusten. Hervorzuheben sind vor allem die diesbezüglichen Initiativen von BJM Johann Krinner, Jagdbezirk Deutschlandsberg. Neben akustischen Geräten, die direkt am Mähwerk oder im Frühjahr beim Abstreifen der Wiesen auch auf Striegel montiert werden und mit einem schrillen Ton sowohl Feder- als auch Haarwild aufscheuchen und zur Flucht bewegen, werden auch stationäre optisch/akustische Geräte am Vorabend der eigentlichen Mahd ausgebracht, um das Wild von den Wiesen zu vertreiben bzw. abzuhalten.

BJM Krinner und seine Mitjäger können mittlerweile auch auf zwei Saisonen Erfahrung in der Verwendung von Drohen zum Aufsuchen von Rehkitzen zurückblicken. Mehrere Dutzend Rehkitze wurden vor dem Mähtod bewahrt. Die guten Erfolge bei der Kitzrettung mittels Drohne sind Anlass für eine landesweite Initiative der Steirischen Landesjägerschaft, die die Ausbildung von Drohnenpiloten und eine möglichst flächendeckende Ausstattung mit Drohnen zum Ziel hat, zumal die Rettung der Rehkitze selbst, als wesentliche Kernkompetenz, in der Zuständigkeit der Jagd liegt.

Unbestritten ist, dass Landwirtschaft, Naturschutz und Jagd gleichermaßen von der Verwendung von Drohnen zum Schutz von Wildtieren vor Mähverlusten profitieren.

ad 5)

Die rechtlichen Rahmenbedingungen für einen Einsatz von Drohnen in Österreich sind im Luftfahrtgesetz, BGBL. Nr. 253/1957, zuletzt geändert durch BGBL. I Nr. 92/2017, geregelt. Nach der aktuellen Rechtslage ist bei der Verwendung von Drohnen zur „Kitzrettung“ jedenfalls eine Betriebsbewilligung durch die Austro Control erforderlich, zumal die Drohnen, ungeachtet dessen, ob dabei Infrarotkameras oder „normale“ Kameras verwendet werden, bei einem derartigen Einsatz nicht ausschließlich zum Zwecke des Fluges betrieben werden (Straub, 2019).

Laut Straub (2019) wird ein EU-Regulativ erwartet, wonach in Zukunft für den Drohneneinsatz zur Kitzrettung keine Betriebsbewilligung mehr erforderlich sein wird, sondern nur mehr eine Registrierungspflicht.

Zu berücksichtigen ist, dass für den Einsatz von Drohnen gebietsweise Einschränkungen gelten.

Abb. 3: Drohnen-Flugverbotszonen und Flugbeschränkungsgebiete

Quelle: ÖAMTC

ad 6)

Großen Anteil an der Vermeidung von Rehkitz-Mähverlusten kommt entsprechenden Präventionsmaßnahmen zu.

Die Setzplätze der Geißen liegen vorwiegend in der Waldrandzone mit dichtem Krautbewuchs. In Gebieten mit stark ausgeprägter Wald-Feld-Gliederung setzt ein großer Teil der Geißen in Wiesen und dichten Futterschlägen. Wo sich die Geißen im Frühjahr um geeignete Setzplätze streiten müssen, liegen die Kitze in höherer Zahl in Mähwiesen (Hespeler in Wagner, 2012). Wie die nach einzelnen Jahren ausgewerteten Fallwildzahlen erkennen lassen, besteht zwischen dem Rehkitz-Fallwildaufkommen durch Mähtod in den einzelnen Regionen der Steiermark ein deutlicher Zusammenhang mit dem jeweiligen Witterungsverlauf im Frühjahr bzw. dem Mähzeitpunkt. In milderen Frühjahren verlagern sich die Fallwildzahlen in höheren Lagen stärker in den Mai, während in tieferen Lagen, aufgrund der frühen Futterreife, die erste Mahd (klimawandelbedingt) noch vor dem Setzen der Kitze stattfindet (siehe Anhang).