LANDTAG STEIERMARK
XVIII. GESETZGEBUNGSPERIODE


EZ/OZ: 1413/1

Selbstständiger Antrag von Abgeordneten (§ 21 GeoLT)

eingebracht am 27.05.2021, 15:47:09


Landtagsabgeordnete(r): LTAbg. Nikolaus Swatek, BSc (NEOS), LTAbg. Robert Reif (NEOS)
Fraktion(en): NEOS
Zuständiger Ausschuss: Bildung, Gesellschaft und Gesundheit
Regierungsmitglied(er): Landesrätin Dr. Juliane Bogner-Strauß

Betreff:
Finanzielle Handlungsfähigkeit der steirischen Jugendlichen stärken

Immer öfter führt der Lebensweg junger Erwachsener zuerst in wirtschaftliche Schwierigkeiten und dann zur Schuldnerberatung. Alleine 2020 zählte die steirische Schuldnerberatung über 5.000 Klient_innen (ORF.at 10.05.2021). Gleichzeitig machte die Gruppe der Unter-30-Jährigen österreichweit ein Viertel der Ratsuchenden aus (ASB Schuldnerberatungen GmbH 2021)Dieser Trend wird sich durch die anhaltende Wirtschaftskrise trotz des langsamen Abklingens der Corona-Pandemie weiter verstärken. Schließlich ist nach unerwarteter Arbeitslosigkeit der häufigste Grund für Überschuldung ein inadäquater Umgang mit Geld

Neben der Schaffung der richtigen Umgebung für wirtschaftliches Wachstum und mehr Arbeitsplätzen fordert ein wirksames Entgegensteuern auch bessere Finanzbildung. Nur wer in der Schule die entsprechenden Fähigkeiten erlernt und sich relevantes Wissen aneignet, kann auch im späteren Leben die richtigen finanziellen Entscheidungen treffen. Leider ist Österreich, wenn es um die sogenannte financial literacy geht, als reicher, hochentwickelter Industriestaat erschreckend schlecht aufgestellt. 

So zeigen Studiendaten, dass die Gruppe der 15- bis 30-Jährigen in Österreich gegenüber anderen Alterskohorten ein geringeres Finanzbildungsniveau besitzt (Fessler et al. 2020). Sie fühlt sich bei ihren eigenen Finanzen vergleichsweise weniger gut organisiert und neigt eher zu risikoreichen finanziellen Verhaltensweisen. Den jungen Österreicher_innen ist dieses Defizit allerdings durchaus bewusst. In einer Umfrage schätzen lediglich 13 % der befragten Schüler_innen ihr Finanzwissen als "genügend" ein und in einer weiteren Befragung gaben 83 % der jungen Erwachsenen an, sich in Geldfragen "nicht sattelfest" zu fühlen (marketmind 08.05.2019ORF.at 27.08.2019). 

Obwohl die Problemstellung seit längerem bekannt ist, haben die österreichischen Regierenden bis jetzt zögerlich gehandelt. Erste Maßnahmen wurden zwar bereits unter der letzten rot-schwarzen Bundesregierung angekündigt, aber selbst die bereits beschlossene Verankerung der Finanzbildung im schulischen Lehrplan tritt laut der derzeitigen türkis-grünen Bundesregierung nicht vor Herbst 2023 in Kraft. Zudem muss eine eigene nationale Finanzbildungsstrategie erst ausgearbeitet werden (ORF.at 08.07.2020BMF 01.03.2021). Manche Bundesländer haben daher selbst die Initiative ergriffen. Nach deutschem Vorbild bietet Vorarlberg seit 2006 Schüler_innen die Absolvierung eines "Finanzführerscheins" an (IfS 2007). 2007 folgte die damalige schwarz-grüne Landesregierung in Oberösterreich unter einem SPÖ-Soziallandesrat mit einem ähnlichen Angebot (Land OÖ 27.06.2017). Seit 2013 gibt es einen derartigen Führerschein auch in Salzburg, während in Niederösterreich 2015 die "NÖ FinanzCard" eingeführt wurde (Schuldenberatung SalzburgASB Schuldnerberatungen GmbH 11.03.2016). Im Burgenland gibt es stattdessen seit 2017 einen eigenen "Finanzpass", in Wien seit 2020 wiederum ebenfalls einen sogenannten Finanzführerschein (Land Burgenland 09.02.2017Schuldnerberatung Wien). 

Angesichts des Zögerns der türkis-grünen Bundesregierung hat die steirische Landesregierung nun selbst die Zügel in die Hand zu nehmen. Denn auch im Bundesländervergleich gibt es einiges an Nachholbedarf. Die Steiermark hat sich daher das Ziel zu setzten, innerhalb der Pflichtschullaufbahn für alle Lernenden die Vermittlung einer angemessenen Finanzbildung sicherzustellen. Damit sollen den steirischen Erwachsenen von morgen schon heute die notwendigen Kompetenzen und Fähigkeiten für eine eigenständige Lebensführung bestmöglich weitergegeben werden. Von der Pflichtschule weg, über die BAfEP hinaus, bis zu den Berufsschulen – Finanzbildung muss zu einem grundlegenden Bestandteil des Schulunterrichts in der Steiermark werden. Je größer die Finanzkompetenz junger Steirer_innen ist, desto größer ist auch ihr wirtschaftlicher Handlungsspielraum. Aus diesem ergeben sich mehr Eigenständigkeit, vielfältigere Entscheidungsmöglichkeiten und eine größere Nutznießung der persönlichen Freiheit. Sollte die schwarz-rote Landesregierung also endlich eine umfangreiche Finanzbildung unserer Jugend garantieren, würde sie damit nicht nur einen wesentlicher Beitrag zur Schulden- und Armutsprävention in der Steiermark leisten, sondern auch die langfristige Gesundheit der heimischen Wirtschaft und den Erhalt des hart erarbeiteten Wohlstands sichern. 


Es wird daher der

Antrag

gestellt:

Der Landtag wolle beschließen:

Die Landesregierung wird aufgefordert, den Bedarf an finanziellen und personellen Ressourcen einer umfassenden flächendeckenden Finanzbildung an steirischen Schulen zu erheben und basierend auf diesen Ergebnissen die Steiermark als eine Modellregion der Finanzbildung zu etablieren, in der allen steirischen Schüler_innen wirtschaftliche und finanzielle Grundlagen vermittelt werden. Dieses Projekt soll in weiterer Folge so ausgebaut werden, dass alle Schüler_innen in der Steiermark vor Abschluss der Pflichtschule die wichtigsten Grundlagen der Finanzbildung durch Expert_innen vermittelt bekommen. 


Unterschrift(en):
LTAbg. Nikolaus Swatek, BSc (NEOS), LTAbg. Robert Reif (NEOS)