LANDTAG STEIERMARK
XVII. GESETZGEBUNGSPERIODE


EZ/OZ: 2679/1

Selbstständiger Antrag von Abgeordneten (§ 21 GeoLT)

eingebracht am 18.09.2018, 09:13:47


Landtagsabgeordnete(r): LTAbg. Lambert Schönleitner (Grüne), LTAbg. Dipl.-Ing.(FH) Lara Köck (Grüne), LTAbg. Sandra Krautwaschl (Grüne)
Fraktion(en): Grüne
Zuständiger Ausschuss: Infrastruktur
Regierungsmitglied(er): Landesrat Anton Lang

Betreff:
Nein zur Zerstörung der Bahntrasse zwischen Trofaiach und Vordernberg – Umsetzung eines zukunftsweisenden Tourismus-Bahnprojektes nach Schweizer Vorbild

Bereits vor Monaten hat der zuständige Landesrat Lang die zukunftsweisenden und von mehreren Verkehrsexperten geforderten Pläne verworfen, von Leoben bis Trofaiach eine S-Bahn-Anbindung zu schaffen. Noch vor wenigen Monaten hatte sein Vorgänger im Verkehrsressort die Schaffung einer solchen Anbindung öffentlich angekündigt. Zusätzlich zu dieser offensichtlichen Schwächung der steirischen Bahninfrastruktur folgt jetzt in einem zweiten Schritt, dass die bestehende elektrifizierte Gleisanlage zwischen Trofaiach und Vordernberg mit dem Vorwand einer Radwegerrichtung demoliert wird.

Die Landesregierung hat am 9. August 2018 beschlossen, die ÖBB Strecke Trofaiach - Vordernberg von km 8,991 bis km 14,676 (ca. 78.000 m2 Fläche) um 425.000 € anzukaufen. Die Genehmigung durch den Landtag Steiermark steht noch aus und könnte im Oktober 2018 erfolgen.

Der Eisenbahnbetrieb bis Vordernberg wurde im Jahr 2011 eingestellt, die Gleisanlage samt Elektrifizierung ist aber noch erhalten. Aus Sicht der Landesregierung sei ein Betrieb dieser Bahnlinie nicht im Interesse des Landes. Deshalb plant die Landesregierung, die Bahntrasse zu beseitigen und stattdessen einen Geh- und Radweg für eine regionale und touristische Nutzung anzulegen.

Der Bau eines Radweges ist zu begrüßen, die Beseitigung der Bahntrasse jedoch ein unwiederbringlicher Verlust. Damit ginge auch die Chance für eine umfassende touristische Nutzung der Bahnanlage von Leoben über Vorderberg nach Eisenerz und weiter durch den jüngsten Österreichischen „Nationalpark Gesäuse“ endgültig verloren.

Der Landtag Steiermark hat auf Antrag der Grünen bereits im September 2009 zu diesem Plan die Beauftragung einer Machbarkeitsstudie "Bahn und Tourismus" beschlossen: Die Landesregierung wurde aufgefordert, "eine Machbarkeitsstudie betreffend ein touristisches Bahnprojekt zu beauftragen, das sich von Vordernberg über Eisenerz durch das Gesäuse und bis Admont erstreckt und die Tagesrandverbindungen in die Ballungsräume einschließt."

In der damaligen Begründung des Antrages wurde ausgeführt: "Der schienengebundene Personenverkehr entlang touristischer Attraktionen wird immer wichtiger. Gerade in Ballungsräumen ist das Mobilitätsverhalten der Bevölkerung weniger vom motorisierten Individualverkehr geprägt, verfügen viele Menschen über keinen eigenen PKW oder ändern im Zuge zunehmender Stau- und Umweltprobleme ihr Mobilitätsverhalten. Diese Personen suchen vermehrt nach Urlaubsdestinationen, wo eine Anreise mit der Eisenbahn möglich ist. [...] es [bedarf] einer Stärkung des schienengebundenen Personenverkehrs entlang der touristischen Attraktionen Erzberg, Geäuse und Stift Admont. Daher soll in einer Machbarkeitsstudie ein touristisches Bahnprojekt geprüft werden, das sich von Vordernberg über Eisenerz durch das Gesäuse und bis Admont erstreckt und die Tagesrandverbindungen in die Ballungsräume einschließt."

Es ist eine rückwärtsgewandte Politik im Stile des vorigen Jahrhunderts, Bahntrassen zu zerstören, nur weil im Moment das Geld oder die Vision fehlt, die Entwicklung des Tales voranzutreiben. Die Schweiz macht mit Weitblick und Zukunftsorientierung das Gegenteil und reaktiviert solche Bahntrassen für den Tourismus und Nahverkehr.

Die Politik des "Entweder-Oder" (Bahntrasse oder Radweg) muss im Sinne einer bestmöglichen Entwicklungschance für die Region durch ein "Sowohl-als-Auch" ersetzt werden: eine duale Lösung, die sowohl die Bahntrasse erhält als auch einen Radweg errichtet.

Dafür spricht sich auch der Verein Erzbergbahn aus. Die Erzbergbahn führt von Vordernberg aus auf den Erzberg. Und der Verein arbeitet daran, die Strecke im nächsten Jahr wieder nach Eisenerz führen zu können. „Wir brauchen den Netzanschluss. Wenn die Geleise zwischen Trofaiach und Vordernberg weg sind, ist das Tal mit der Bahn nie mehr befahrbar“, so Vereinsobmann Reiter in der Kleinen Zeitung am 31. August 2018 und fügt hinzu: "Überall in Europa werden Bahnen revitalisiert, nirgends werden mehr Gleise weggerissen“. 

Der Verein Erzbergbahn - der die Bahntrasse mangels finanzieller Mittel von den ÖBB nicht erwerben konnte - bemüht sich darum, die Trasse vom Land Steiermark zu mieten und in der Folge durch die vielen aktiven Mitglieder, Unterstützer und Bahnfahrzeuge instandzuhalten. Nur die Erstreparatur zur Wiederbefahrung (in Summe ca. 100.000 €) müsste vom Land geleistet werden.

Die touristische Nutzung der Bahn durch den Verein Erzbergbahn könnte hervorragend mit einem parallel geführten Radweg ergänzt werden. Drei bis vier Meter neben den Geleisen würden für den Radweg genügen.


Es wird daher der

Antrag

gestellt:

Der Landtag wolle beschließen:

Die Landesregierung wird aufgefordert,

1. nach der Genehmigung des Ankaufs der Bahntrasse Trofaiach-Vordernberg durch den Landtag eine duale Lösung für die künftige Nutzung in Angriff zu nehmen, die einerseits die Erhaltung der Bahntrasse gewährleistet und andererseits einen parallel geführten Radweg umsetzt, und

2. dem Landtag eine Machbarkeitsstudie (wie bereits im September 2009 einstimmig beschlossen) vorzulegen und ein Tourismus-Bahnprojekt nach Schweizer Vorbild (von Leoben über Trofaiach, Vordernberg, Eisenerz, durch den jüngsten Österreichischen Nationalpark, bis Admont) voranzutreiben.


Unterschrift(en):
LTAbg. Lambert Schönleitner (Grüne), LTAbg. Dipl.-Ing.(FH) Lara Köck (Grüne), LTAbg. Sandra Krautwaschl (Grüne)