LANDTAG STEIERMARK
XVIII. GESETZGEBUNGSPERIODE


EZ/OZ: 1202/1

Selbstständiger Antrag von Abgeordneten (§ 21 GeoLT)

eingebracht am 04.03.2021, 21:51:03


Landtagsabgeordnete(r): LTAbg. Lambert Schönleitner (Grüne), LTAbg. Sandra Krautwaschl (Grüne), LTAbg. Dipl.-Ing.(FH) Lara Köck (Grüne), LTAbg. Mag. Alexander Pinter (Grüne), LTAbg. Georg Schwarzl (Grüne), LTAbg. Veronika Nitsche, MBA (Grüne)
Fraktion(en): Grüne
Zuständiger Ausschuss: Klimaschutz
Regierungsmitglied(er): Landesrätin Mag. Ursula Lackner

Betreff:
Artenvielfalt braucht vernetzte Naturräume

Im Mai 2019 wies der Welt-Biodiversitätsrat der Vereinten Nationen darauf hin, dass der Verlust der Artenvielfalt besorgniserregende Ausmaße angenommen hat. Für diese weltweite Bestandsaufnahme der Artenvielfalt haben ExpertInnen und ForscherInnen aus mehr als 50 Ländern über drei Jahre lang zahlreiche wissenschaftliche Arbeiten zur Entwicklung der Biodiversität in den vergangenen fünf Jahrzehnten ausgewertet. Der Welt-Biodiversitätsrat der Vereinten Nationen rief daher in seinem Bericht zum Zustand der Natur von Mai 2019 die Weltgemeinschaft auf, das Artensterben als globale Bedrohung analog zur Klimakrise endlich ernst zu nehmen (vgl. IPBES, 2019 via https://ipbes.net/global-assessment).

Dem Umweltbericht 2818/2019 ist zu entnehmen, dass die „Roten Listen“ Steiermark überarbeitet werden. „Rote Listen sind eines der wichtigsten Instrumente des Naturschutzes: Sie dienen unter anderem als Referenz für die naturschutzfachliche Bewertung von Flächen, für die Entscheidungsfindung von Verfahren und bei der Maßnahmenplanung in Projekten mit Naturschutzbezug“ (Umweltschutzbericht, S. 156). Der Bericht wird alarmierend ausfallen: ein Drittel bis zur Hälfte der heimischen Arten in der Steiermark ist bedroht (Quelle: Kronen Zeitung, 16.1.2021).

Die Maßnahmen, die bisher steiermarkweit gesetzt wurden, reichen nicht aus, um das Maß der Naturzerstörung bzw. den massiven Verlust der Arten und Lebensräume auch nur abzubremsen. Bei der Ausweisung von Europaschutzgebieten (gemäß der Fauna-Flora–Habitatrichtlinie 92/43/EWG und der EU-Richtlinie 79/409/EWG über die Erhaltung der wildlebenden Vogelarten) handelt es sich um ein System, das sich nur auf die Basisbiotope bezieht, deren (notwendige) Vernetzung allerdings unberücksichtigt lässt. Die Europäische Union fordert daher auch ein kohärentes ökologisches Netz an Schutzgebieten, welche nach Artikel 10 der FFH-Richtlinie durch entsprechende Landschaftselemente verbunden werden sollen:

„Hierbei handelt es sich um Landschaftselemente, die aufgrund ihrer linearen, fortlaufenden Struktur (z. B. Flüsse mit ihren Ufern oder herkömmlichen Feldrainen) oder ihrer Vernetzungsfunktion (z. B. Teiche oder Gehölze) für die Wanderung, die geographische Verbreitung und den genetischen Austausch wildlebender Arten wesentlich sind."

Ein solches Biotopnetzwerk ist essentiell, damit wichtige Migrationen und Verbreitungsprozesse im Lebenszyklus diverser Tier- und Pflanzenarten erfolgreich stattfinden können und der genetische Austausch zwischen Populationen erhalten bleibt. Daher sollten der Erhalt und die Etablierung von Strukturen, welche zu einer besseren Vernetzung der steirischen Offenlandbiotope beitragen (Hecken, Blühstreifen, Gehölzinseln, geschlossene Ufergehölzgürtel) unterstützt und gefördert werden.
 


Es wird daher der

Antrag

gestellt:

Der Landtag wolle beschließen:

Die Landesregierung wird aufgefordert,

  1. die Vernetzung der steirischen Offenlandbiotope wissenschaftlich zu evaluieren, um bestehende Defizite, Barrieren und Konfliktbereiche offenzulegen und zu prüfen, welche Landesflächen zur Verbesserung der Biotopvernetzung beitragen könnten,
  2. ein adaptiertes Biotopverbundkonzept für die Steiermark vorzulegen, welches aufbauend auf bestehenden Projekte zu einer bestmöglichen Vernetzung der heimischen Wildtierlebensräume führt,
  3. die ausgewiesenen Biotopverbundkorridore in den berührten Rechtsmaterien (Naturschutz, Raumordnung) zu verankern und
  4. Förderschienen in den Vertragsnaturschutzmodellen zu adaptieren bzw. neu zu etablieren, damit Grundbesitzer/innen bei der Schaffung und Pflege von Landschaftsstrukturen, welche zur Biotopvernetzung beitragen, bestmöglich unterstützt werden.

Unterschrift(en):
LTAbg. Lambert Schönleitner (Grüne), LTAbg. Sandra Krautwaschl (Grüne), LTAbg. Dipl.-Ing.(FH) Lara Köck (Grüne), LTAbg. Mag. Alexander Pinter (Grüne), LTAbg. Georg Schwarzl (Grüne), LTAbg. Veronika Nitsche, MBA (Grüne)