LANDTAG STEIERMARK
XVIII. GESETZGEBUNGSPERIODE


EZ/OZ: 556/2

Schriftliche Anfragebeantwortung (§ 66 GeoLT)

eingebracht am 13.07.2020, 13:36:42


Zu:
556/1 Klimawandel und Wasserversorgung
(Schriftliche Anfrage an die Landesregierung oder eines ihrer Mitglieder (§ 66 GeoLT))

Landtagsabgeordnete(r): LTAbg. Lambert Schönleitner (Grüne), LTAbg. Sandra Krautwaschl (Grüne), LTAbg. Dipl.-Ing.(FH) Lara Köck (Grüne), LTAbg. Georg Schwarzl (Grüne), LTAbg. Veronika Nitsche, MBA (Grüne), LTAbg. Mag. Alexander Pinter (Grüne)
Regierungsmitglied(er): Landesrat Johann Seitinger
Beilagen: Klimawandel und Wasserversorgung.pdf

Betreff:
Klimawandel und Wasserversorgung

Die Anfrage vom 31.05.2020, Einl.Zahl 556/1 der Abgeordneten LTAbg. Sandra Krautwaschl, LTAbg. Lambert Schönleitner, LTAbg. Dipl.-Ing.(FH) Lara Köck, LTAbg. Georg Schwarzl, LTAbg. Veronika Nitsche, MBA und LTAbg. Mag. Alexander Pinter betreffend "Klimawandel und Wasserversorgung" beantworte ich wie folgt:

Ad 1)

Betrachtet man die relative Abweichung (in %) der Jahresniederschlagssummen der letzten 10 Jahre im Vergleich zu den langjährigen Mittelwerten (1981-2010), so zeigen sich weder zeitlich noch räumlich Trends für eine Zu- bzw. Abnahme der Niederschlagssummen. Die regionalen Abweichungen zu den Mittelwerten liegen in einem Bereich von max. ± 10%.

Regional betrachtet gibt es jedoch immer wieder niederschlagsarme Perioden (Trockenheiten) sowie niederschlagsintensive Ereignisse (Starkregen).

Ad 2)

Die einzelnen steirischen Regionen sind auf Grund ihrer klimatischen und geographischen Gegebenheiten durch ein unterschiedliches Dargebot an Wasserressourcen geprägt. Entsprechend dieser unterschiedlichen topographischen Erscheinungsformen des Landes Steiermark bestehen regional größere Unterschiede hinsichtlich des Wasserdargebotes aber auch hinsichtlich des Wasserbedarfs.

Klimatische Auswirkungen auf den Wasserhaushalt und Wasserverbrauch sind durch weniger Schneetage, mehr Regenmengen mit intensiveren Niederschlagsereignissen sowie eine Zunahme an Sommertrockentagen zu erwarten. Hierzu stellt sich die Entwicklung jedenfalls für die Obersteiermark bzw. die südliche und die östliche Steiermark unterschiedlich dar.

Ein weiterer Aspekt der Trinkwasserversorgungssicherheit sind die unterschiedlichen demographischen und wirtschaftlichen Entwicklungen in den Regionen.

Die Herausforderung einer gesicherten landesweiten Trinkwasserversorgung wird daher in Zukunft verstärkt darin bestehen, die regionalen Ressourcen nachhaltig zu bewirtschaften und einen darüber hinaus gehenden Bedarf durch Zuleitungen aus trinkwasserreicheren Gebieten sicherzustellen. Damit verbunden ist die Weiterführung des Wassernetzwerkes Steiermark mit einem innersteirischem Wasserausgleich.

Im Wasserversorgungsplan Steiermark 2015 – der auch online auf der Homepage der Abteilung 14 zur Verfügung steht (https://www.wasserwirtschaft.steiermark.at/cms/beitrag/10188852/4660005) – wurde der zukünftige kommunale Wasserbedarf bis 2050 dargestellt. Des Weiteren ist im Wasserversorgungsplan die Wasserbedarfsentwicklung für die Bereiche Tourismus, Gewerbe und Industrie sowie für die Landwirtschaft dargestellt.

Kommunale Wasserbedarfsentwicklung

Die Abschätzung des kommunalen Wasserbedarfs bis 2050 wurde auf Basis des verbrauchsstärksten Szenarios und einer Vollversorgung ermittelt. Um aber die Bandbreite der erstellten Prognose besser interpretieren zu können, wird für den kommunalen Wasserbedarf ein weiteres Szenario mit gleichbleibendem spezifischen Wasserbedarf - also rein auf der sich verändernden Bevölkerungsentwicklung basierend - gegenübergestellt. Damit ergibt sich eine Bandbreite der Bedarfsprognose für das Jahr 2050 von ca. 80 – 100 Mio. m³/a.

 

 

Für den maximalen kommunalen Wasserbedarf wurde die Entwicklung der Regionen in 5-Jahresschritten beginnend mit 2020 bis 2050 bei verbrauchsstärkstem Szenario und Vollversorgung ermittelt und nachfolgend in der Tabelle und in der Abbildung zusammengefasst bzw. dargestellt.

 

Grundwasserneubildung

In der Steiermark sind in den Regionen mit ungünstigen hydrogeologischen Gegebenheiten auch noch die geringsten Jahresniederschläge und somit entsprechend geringe Neubildungsraten zu verzeichnen. Insbesondere die Grundwasservorkommen entlang der Mur im Raum Graz bis Radkersburg unterliegen bereits jetzt schon einer intensiven Grundwassernutzung und wird diese zukünftig noch weiter zunehmen.

Um eine Übernutzung der Grundwasservorkommen zu verhindern bzw. die Trinkwasserversorgung zu sichern, sind weitreichende Maßnahmen beginnend beim Ressourcenschutz über Monitoring bis hin zu technischen Maßnahmen erforderlich. Diese Maßnahmen sind in den Strategien des Landes erfasst, beispielhaft darf dazu das Wassernetzwerk Steiermark angesprochen werden.

Ad 3)

Die Auswertung von 4 ausgewählten Messstellen (Judenburg, Graz/Andritz, Stainz und St. Peter/Ottersbach) zeigt, dass es bzgl. der Anzahl der Trockenperioden in der Steiermark in den letzten 10 Jahren im Vergleich zur Periode 1981-2010 zu keinen wesentlichen Änderungen gekommen ist. Einzig bei den Trockenperioden mit einer Dauer von 6-9 Tagen war an den Stationen Stainz und St. Peter/Ottersbach eine leichte Zunahme zu verzeichnen (Tabelle).

 

Tabelle: Vergleich der Trockenperioden im Kalenderjahr bzw. in der Vegetationsperiode für den Zeitraum 2010-2019 mit dem Zeitraum 1981-2010 für 6 verschiedene Periodendauern (in Tagen) anhand von 4 ausgewählten Messstellen

Kleinräumig führt die geänderte Niederschlagsverteilung immer wieder zu Problemen mit Trockenheit und zu Schäden in der Landwirtschaft. Bezüglich Folgeschäden für die Landwirtschaft liegen keine Daten in der Abteilung 14 auf.

Ad 4)

Es gibt Berechnungen für die Grundwasserkörper Leibnitzer Feld und Unteres Murtal von 1993 bis 2017 die zeigen, dass kein signifikanter Trend erkennbar ist.

Ad 5)

Klimatische Auswirkungen auf den Wasserhaushalt sind durch weniger Schneetage, mehr Regenmengen mit intensiveren Niederschlagsereignissen sowie eine Zunahme an Sommertrockentagen zu erwarten, die regional auch die Grundwasserneubildung betreffen kann.

Ad 6)

Für eine Verbesserung in der Effizienz der Trinkwassernutzung und der Vermeidung von Wasserverlusten werden eine Vielzahl von technischen bis zu bewusstseinsbildenden Maßnahmen gesetzt.

Technische Maßnahmen im Zuge des Wassernetzwerkes Steiermark mit Unterstützung durch öffentliche Förderungsmittel

  • Wasserversorgungsplan 2002 – große überregionale Vernetzungen aufgrund von Wasserknappheit

  • Wasserversorgungsplan 2015 – ergänzende Vernetzungen und langfristige Vernetzungsansätze

 

Funktions- und Werterhaltung der Infrastruktur für die öffentliche Wasserversorgung

  • Unterstützung von Sanierungsmaßnahmen mit öffentlichen Förderungsmittel

  • Unterstützung der Erstellung von digitalen Wasserleitungskatastern mit Wasserverlustanalysen mit öffentlichen Förderungsmittel

  • Beratungen von Gemeinden im Zuge der Landesinitiative Vorsorgen

  • Unterstützung für kleinere Wasserversorger für einen effektiveren und effizienteren Betrieb

 

Störfallmanagementpläne/Störfallplanungen für die öffentliche Trinkwasserversorgung

  • Leitlinie für die Störfallplanung wurde den Betreibern zur Verfügung gestellt

  • Unterstützung der Erstellung von Störfallplanungen mit öffentlichen Förderungsmittel

Projekte mit Universitäten und Forschungseinrichtungen

Ad 7)

Die Nutzung von Regenwasser außerhalb der Hausinstallation stellt eine sinnvolle Ergänzung für Bewässerungen etc. dar, kann aber eine erforderliche Erschließung von neuen Trinkwasserressourcen nicht in jedem Fall ersetzen.

Ad 8)

Im Allgemeinen ist die Schadstoffkonzentration im Grundwasser bei abnehmender Grundwassermenge geringer, da die Schadstoffe gar nicht in das Grundwasser gelangen, sondern im Boden verbleiben. Darüber hinaus wird bei niederen Grundwasserständen das Grundwasser in der Regel mehr von Vorflutern gespeist, was ebenfalls zu einer Abminderung führt. Dies zeigen Berechnungen für die Grundwasserkörper Leibnitzer Feld und Unteres Murtal von 1993 bis 2017.

Eine Auswaschung von im Boden gebundenen Schadstoffen in das Grundwasser kann bei längeren Regenperioden zu einer erhöhten Belastung führen.

Ad 9)

Der Abteilung 14 sind keine Trinkwasserversorgungsanlagen bekannt, die eine eigene Aufbereitung aufgrund zu hoher Nitratwerte durchführen. Die Mischung von Wasser aus unterschiedlichen Wasserspendern ist bei größeren Wasserversorgern in der Regel zur Bedarfsabdeckung erforderlich und üblich. In diesem Zuge können auch einzelne höhere Nitratbelastungen reduziert werden, wobei auf Nachfrage bei zwei Wasserversorgern diesbezüglich keine wesentlichen Mehrkosten anfallen.

Ad 10)

Die Beprobung und qualitative Messung des Grundwassers wird von der Abteilung 15, Gewässeraufsicht durchgeführt.

Ad 11)

Die Beprobung und qualitative Messung des Grundwassers wird von der Abteilung 15, Gewässeraufsicht durchgeführt.

In der Abteilung 14 liegen keine Informationen vor, die auf einen Trend des Anstiegs von Nitrat im Grundwasser aufgrund klimabedingter Veränderungen rückschließen lassen.

Ad 12)

Siehe Beantwortung Frage 10.

Ad 13)

Siehe Beantwortung Frage 10.