LANDTAG STEIERMARK
XVIII. GESETZGEBUNGSPERIODE


EZ/OZ: 974/1

Selbstständiger Antrag von Abgeordneten (§ 21 GeoLT)

eingebracht am 20.11.2020, 09:27:24


Landtagsabgeordnete(r): LTAbg. Mag. Stefan Hermann, MBL (FPÖ), LTAbg. Patrick Derler (FPÖ), Dritter Landtagspräsident Dipl.-Ing. Gerald Deutschmann (FPÖ), LTAbg. Helga Kügerl (FPÖ), LTAbg. Mario Kunasek (FPÖ), LTAbg. Albert Royer (FPÖ), LTAbg. Ewald Schalk (FPÖ), LTAbg. Marco Triller, BA MSc (FPÖ)
Fraktion(en): FPÖ
Zuständiger Ausschuss: Bildung, Gesellschaft und Gesundheit
Regierungsmitglied(er): Landesrätin Dr. Juliane Bogner-Strauß

Betreff:
Begabungs- und Begabtenförderung in der Steiermark

Individualisierung ist eines der zentralen pädagogischen Paradigmen, die einen zeitgemäßen und auf die Fähigkeiten der Schüler ausgerichteten Unterricht auszeichnen. Begabungs- und Begabtenförderung stellen einen wichtigen Teil dieser auf den Einzelfall zugeschnittenen Maßnahmen dar. Leider kommt diese Thematik in der bildungspolitischen Diskussion kaum vor.

Begabungsförderung gilt ganz allgemein als Begleitung und Unterstützung aller Schüler bei der Entwicklung ihrer Leistungspotenziale. Begabtenförderung bezieht sich auf die spezielle Förderung von Schülern mit besonders hohen Potenzialen und überdurchschnittlicher Leistungsfähigkeit. Diese Potenziale müssen allerdings erst entwickelt und durch entsprechende Unterstützung herausgebildet werden. Jeder Mensch wird mit speziellen Eigenschaften und individuellen Talenten geboren, die sich nur unter den richtigen Voraussetzungen entfalten können. Begabungsförderung spricht die Förderung genau dieser Fähigkeiten bzw. Interessen von Kindern und Jugendlichen an.

(Hoch-)Begabung wird nach dem „Grundsatzerlass zur Begabungs- und Begabtenförderung“ aus dem Jahr 2016 verstanden als „das Potenzial eines Individuums zu Leistungen in verschiedensten Domänen und gesellschaftlichen Gebieten […]. Darin eingeschlossen sind kognitiv-intellektuelle, emotional-soziale, musisch-kreative und künstlerische, sportliche und weitere, für die Person und die Gesellschaft relevante Potenziale und daraus resultierende Fähigkeiten.“ Um ebenjene Potenziale in Schule, Alltag und Beruf auch in Leistungen umsetzen zu können, sind darüber hinaus weitere Persönlichkeitsmerkmale wie Motivation, Zielorientiertheit, Konzentrationsfähigkeit, vernetztes Denken und Kreativität erforderlich. Die Entfaltung des individuellen Leistungspotenzials geschieht in einem aktiven Lern- und Entwicklungsprozess, welcher stark vom sozialen Umfeld geprägt wird. Elternhaus und Schule spielen hierbei eine wesentliche Rolle. (Quelle: https://www.bmbwf.gv.at/Themen/schule/schulrecht/rs/1997-2017/2017_25.html)

Der Grundsatzerlass zur Begabtenförderung bestimmt: „Im Sinne der Chancengerechtigkeit hat die Schule die grundsätzliche Aufgabe, alle Lernenden in ihrer Potenzialentwicklung zu unterstützen […]. Ihrer Vielfalt soll mit adäquaten pädagogischen, didaktischen und organisatorischen Maßnahmen Rechnung getragen werden.“ Gemäß § 2 Schulorganisationsgesetz (SchOG) hat die Schule die Aufgabe „an der Entwicklung der Anlagen der Jugend […] durch einen ihrer Entwicklungsstufe und ihrem Bildungsweg entsprechenden Unterricht mitzuwirken“. Alle Kinder – unabhängig ihrer Begabungs- bzw. Leistungsstufe – haben demnach dasselbe Recht auf Förderung. Jedes Kind und jeder Jugendliche hat den Anspruch, im individuell erforderlichen Ausmaß optimal gefördert und zu ausgezeichneten Leistungen angespornt zu werden.

Eine schriftliche Anfragebeantwortung (EZ/OZ: 1844/2, XVII. GP) zu ebendiesem Thema vom 26. September 2017 durch die ehemalige Bildungslandesrätin Ursula Lackner beinhaltete lediglich den Verweis auf die Zuständigkeit des Bundes für die Begabungs- und Begabtenförderung. Zudem erhalte man keine Mittel des Bundes zur Durchführung von Maßnahmen zur Begabungs- und Begabtenförderung.

Angesichts der enormen Bedeutung individueller Förderungen greifen diese Antworten natürlich viel zu kurz. Die ehemalige türkis-blaue Bundesregierung bekannte sich klar dazu, Talente besser zu fördern und zu begleiten. Konkret sollten eine Begabtenförderungsstrategie erarbeitet und bestehende Lehrplanmodelle für hochbegabte Schüler weiterentwickelt werden. Ebenso auf der Agenda stand die Einrichtung von Schulen für besonders begabte Schüler nach dem Vorbild der Wiener „Sir-Karl-Popper-Schule“ in allen Bundesländern. Das aktuelle Regierungsprogramm der türkis-grünen Koalition beinhaltet bedauerlicherweise kein Bekenntnis zur Begabungs- und Begabtenförderung.

Nachdem Bildung bekanntlich keine Corona-Pause macht, darf auch Begabtenförderung nicht zu kurz kommen. Immerhin braucht das Land die Talente für Naturwissenschaften, Technik, Mathematik, Sprachen, Kunst und – gerade in Zeiten wie diesen – für Medizin. Die Talente von heute sind die Mitarbeiter und Experten von morgen – aus diesem Grund ist es so wichtig, begabte Schüler adäquat zu fördern und sie in ihrer Potenzialentwicklung zu unterstützen.


Es wird daher der

Antrag

gestellt:

Der Landtag wolle beschließen:

Die Landesregierung wird aufgefordert,

  1. eine konkrete Begabtenförderungsstrategie für die Steiermark zu erarbeiten, um besonders begabte Schüler bestmöglich zu fördern und die dafür notwendigen finanziellen Mittel zur Verfügung zu stellen,

  2. sich am Vorbild der „Sir-Karl-Popper-Schule“ in Wien für die Einrichtung einer Schule für besonders begabte Schüler in der Steiermark auszusprechen und

  3. an die Bundesregierung mit dem Ersuchen heranzutreten, ein Konzept zur Etablierung von Hochbegabtenschulen auszuarbeiten und folglich den Bildungs- und Forschungsstandort Steiermark für die Einrichtung einer Schule für besonders begabte Schüler anzubieten.


Unterschrift(en):
LTAbg. Mag. Stefan Hermann, MBL (FPÖ), LTAbg. Patrick Derler (FPÖ), Dritter Landtagspräsident Dipl.-Ing. Gerald Deutschmann (FPÖ), LTAbg. Helga Kügerl (FPÖ), LTAbg. Mario Kunasek (FPÖ), LTAbg. Albert Royer (FPÖ), LTAbg. Ewald Schalk (FPÖ), LTAbg. Marco Triller, BA MSc (FPÖ)