LANDTAG STEIERMARK
XVII. GESETZGEBUNGSPERIODE


TOP 19

EZ/OZ 629/5

Schriftlicher Bericht

Ausschuss: Gesundheit

Betreff:
Förderung der geschlechterspezifischen Gesundheitsversorgung

 

zu:
EZ 629/1, Förderung der geschlechterspezifischen Gesundheitsversorgung (Selbstständiger Antrag von Abgeordneten (§ 21 GeoLT))

 

Der Ausschuss "Gesundheit" hat in seiner Sitzung am Dienstag, dem 24.05.2016 über den oben angeführten Gegenstand die Beratungen durchgeführt.

Mit Beschluss des Ausschusses für Gesundheit vom 08.03.2016 wurde die Steiermärkische Landesregierung ersucht eine Stellungnahme zum Antrag Einl.Zahl 629/1, abzugeben.

Aufgrund dieses Beschlusses erstattet die Steiermärkische Landesregierung folgende Stellungnahme:

„Grundsätzlich verstehen sich die rechtlichen und strategischen Vorgaben für die akutstationäre Versorgung bedarfs- und patientenorientiert und sollten zu einer sozial gerechten und gleichen medizinischen Versorgung der Bevölkerung führen. Die Versorgungsforschung bezüglich vermeintlicher oder tatsächlicher geschlechterspezifischer Disparitäten ist lückenhaft.

Vorausschickend ist zu sagen, dass die in der Anfrage verwendeten Begriffe „Geschlechterspezifische Gesundheitsversorgung - Gendermedizin“ und „Frauengesundheit“ nicht gleichzusetzen sind. Folgende Darstellung bezieht sich auf beide Bereiche. Auf Grund des Umfangs und der Komplexität des Themas können nur einige, wenige Beispiele angeführt werden:

Die „Gendermedizin“ ist ein relativ junges Forschungsgebiet. Die Medizinische Universität Graz trägt diesem wichtigen Thema insofern Rechnung, als dass sie eine Plattform für „geschlechtersensible Medizin“ eingerichtet hat, die sich in erster Linie mit geschlechtsspezifischer Forschung befasst, wie auf der gegenständlichen Internetseite dargestellt wird http://www.medunigraz.at/genderunit/geschlechtersensible-medizin/.

Zusätzlich hat die Medizinische Universität Graz ein „Gendercurriculum“ entwickelt, mit dessen Hilfe die geschlechterspezifische Gesundheitsversorgung im Rahmen der Ausbildung und in weiterer Folge auch in der Krankenversorgung zunehmend Beachtung finden soll.

Die Erkenntnisse der spezifischen Forschungsprojekte finden zwar grundsätzlich Eingang in die Krankenversorgung, dies geschieht zur Zeit jedoch noch nicht auf systematischer Basis, sondern eher anlassbezogen und punktuell. Beispielsweise wurden im Projekt „Demenz/Delirversorgung“ geschlechterspezifische Literatur in die Recherche miteinbezogen.

Es wird angedacht, geschlechtsspezifische Aspekte in weiterer Folge zumindest in den darauf folgenden Pilotprojekten stärker zu fokussieren. Ähnliches gilt für das vom Bundesministerium für Gesundheit unterstütze EU-weite Projekt „Joint Action Frailty Prevention“ (Start Juli 2016), dessen Leitung in der Person von Prof. Roller-Wirnsberger an der Medizinischen Universität Graz angesiedelt ist. Auf Grund der stärkeren Betroffenheit des weiblichen Geschlechtes in den höheren Altersgruppen wird auch hier der Focus insbesondere auf geschlechtsspezifische Unterschiede in der Versorgung gelegt werden.

Im Bereich der Krankenversorgung gibt es naturgemäß Versorgungsangebote, die sich auf Grund der höheren Betroffenheit des weiblichen Geschlechts primär an Frauen richten, als Beispiele seien hier die Brustgesundheitszentren des LKH-Univ. Klinikum Graz und des LKH Hochsteiermark, sowie die Beckenbodenambulanz der Universitätsfrauenklinik und die Einrichtungen für Essstörungen (Univ. Klinik für Psychiatrie, Universitätsklinik für Kinder- und Jugendheilkunde) erwähnt. Das LKH Graz Süd-West, Standort Süd hat zusätzlich an der Abteilung für Allgemeinpsychiatrie 2 eine Subakutstation mit Schwerpunkt frauenspezifischer psychiatrischer Störungen und Mutter- Kind- Einheit.

http://www.lkh-graz-sw.at/cms/beitrag/10009052/2171326).

In den von der KAGes veranstalteten Fortbildungen wird zwar nicht spezifisch auf Aspekte der geschlechtssensiblen Gesundheitsversorgung eingegangen, es gibt aber Kurse, die die Gesundheitsförderung von weiblichen Mitarbeiterinnen in den Vordergrund stellen wie zum Beispiel: „50 plus/minus – Älter werden und gesund bleiben“.

Es ist der KAGes bewusst, dass in der Gesundheitsversorgung allgemein und in der Krankenversorgung im Besonderen noch einiger Handlungsbedarf in Richtung geschlechtsspezifischer Gesundheitsversorgung besteht. Die KAGes sieht ihre Aufgabe in erster Linie darin, aktuelle Forschungsergebnisse so weit möglich in die Krankenversorgung einfließen zu lassen bzw. im Rahmen von zukunftsorientierten Pilotprojekten zu berücksichtigen. In diesem Sinne werden auch alle bestehenden Initiativen der Medizinischen Universität Graz vollinhaltlich unterstützt.

Seitens des Gesundheitsfonds Steiermark wird berichtet, dass sich bereits im November 2006 der „Fachbeirat für Frauengesundheit“ der Gesundheitsplattform Steiermark konstituiert hat, welcher seit 2012 im Steiermärkischen Gesundheitsfondsgesetz verankert ist. Der Fachbeirat für Frauengesundheit ist ein interdisziplinär arbeitendes Fachgremium zum Thema Frauengesundheit, das die Gesundheitsplattform Steiermark dabei unterstützt, ihre Aufgaben frauengerecht wahrzunehmen. Österreichweit ist der Fachbeirat für Frauengesundheit das einzige Gremium mit dieser Funktion.

Ziele des Fachbeirates für Frauengesundheit ist es, Expertisen für Fragen der Frauengesundheit in die Gesundheitsplattform einzubringen. Der Fachbeirat für Frauengesundheit hat die Aufgabe der frauengesundheitsspezifischen Beratung, Begutachtung und Mitarbeit in Projekten und Maßnahmen der Gesundheitsplattform zu übernehmen.

Die Beratung gewährleistet, dass der Gesundheitsplattform themenorientiert Wissen zur Verfügung steht, um die Auswirkungen der Lebens- und Arbeitsbedingungen von Frauen auf ihre Gesundheit in ihre Entscheidungen mit einzubeziehen und alle Maßnahmen hinsichtlich der Auswirkungen auf die Gesundheit von Frauen überprüfen zu können. Eingebunden ist dieses Bemühen in die PatientInnenorientierung und Qualitätssicherung, beides explizite Ziele der Gesundheitsplattform (Beispiel: geschlechtergerechte Schlaganfallversorgung).

Des Weiteren werden vom Fachbeirat für Frauengesundheit Stellungnahmen zu diversen gesundheitspolitischen Themenbereichen verfasst (Auszug):

  • Dokumentation von gesundheitlichen Folgen von Gewalt
  • Qualität des PAP - Abstrichs zur Früherkennung von Gebärmutterhalskrebs in der Steiermark
  • Positionspapier „Verminderungen der Finanzmittel im Gesundheitsbereich: Auswirkungen auf die Gesundheit von Frauen“
  • Umsetzung des Nationalen Mammografie Screenings
  • Gesundheitliche Versorgung gewaltbetroffener Frauen im stationären Bereich
  • Geschlechtsspezifische Aufgliederung aller Daten, die in Reformpoolprojekten erhoben und ausgewertet werden
  • Nutzung von Frauengesundheitsstrukturmaßnahmen (z.B. Qualifizierungsprogramme in Frauengesundheitskompetenz)
  • PatientInnenorientierte Informationen aus existierenden EBM-basierten Portalen (wie IQWIG http://www.gesundheitsinformation.de/index.de.html) einzubeziehen beim Aufbau von Web-Informationen“

Es wird daher der

Antrag

gestellt.

Der Landtag wolle beschließen:

Der Bericht des Ausschusses für Gesundheit zum Antrag, EZ 629/1, „Förderung der geschlechterspezifischen Gesundheitsversorgung“, der Abgeordneten der FPÖ wird zur Kenntnis genommen.

 

 

Die Obfrau:
LTAbg. Sandra Krautwaschl