LANDTAG STEIERMARK
XVIII. GESETZGEBUNGSPERIODE


TOP 22

EZ/OZ 1187/5

Schriftlicher Bericht

Ausschuss: Wirtschaft und Wissenschaft

Betreff:
Forschung zu Fleischersatzprodukten in der Steiermark fördern

 

zu:
EZ 1187/1, Forschung zu Fleischersatzprodukten in der Steiermark fördern (Selbstständiger Antrag von Abgeordneten (§ 21 GeoLT))

 

Der Ausschuss "Wirtschaft und Wissenschaft" hat in seiner Sitzung am Dienstag, dem 29.06.2021 über den oben angeführten Gegenstand die Beratungen durchgeführt.

Mit Beschluss des Ausschusses für Wirtschaft und Wissenschaft vom 16.03.2021 wurde die Steiermärkische Landesregierung ersucht, eine Stellungnahme zum Antrag, Einl.Zahl 1187/1, betreffend "Forschung zu Fleischersatzprodukten in der Steiermark fördern" abzugeben.

Aufgrund dieses Beschlusses erstattet die Steiermärkische Landesregierung folgende Stellungnahme:

"Der Landtag Steiermark hat die Landesregierung mit Beschluss vom 16.03.2021, EZ 1187/1 „Forschung zu Fleischersatzprodukten in der Steiermark fördern“ zu einer Stellungnahme gem. § 30 Abs 1 GeoLT aufgefordert.

Zu dem diesem Beschluss zugrundeliegenden Selbständigen Antrag wird folgende Stellungnahme abgegeben.

In der Steiermark konzentrieren sich die wissenschaftlichen Aktivitäten im Bereich Lebensmittel auf die Fachhochschule JOANNEUM und die Technische Universität Graz.

An der landeseigenen Fachhochschule JOANNEUM widmet sich das Institut für „Angewandte Produktionswissenschaften“ den Schwerpunkten „Verarbeitung und Veredelung pflanzlicher und tierischer Lebensmittel unter Einsatz moderner Technologien“ sowie „Lebensmittellogistik und Lebensmittelkonsum“. Im Bereich Hochschullehre werden der Bachelorstudiengang „Nachhaltiges Lebensmittelmanagement“, der einen weiten Bogen von den naturwissenschaftlichen Grundlagen – wie Chemie, Tierhaltung und Pflanzenbau sowie Mikrobiologie – über die Technologien der Verarbeitung bis hin zum Management und Vertrieb von Lebensmitteln spannt, sowie der Masterstudiengang „Lebensmittel: Produkt- und Prozessentwicklung“, der sich nicht nur mit der Entwicklung von Lebensmittelprodukten, sondern auch mit der Gestaltung optimierter Prozesse und Anlagen beschäftigt, angeboten.

Für Forschungsprojekte stehen eine Reihe von Infrastruktureinrichtungen im Rahmen des „Food Processing Lab“, in dem einerseits den Studierenden Lehrinhalte praktisch vermittelt werden, andererseits praktische Arbeiten durchgeführt werden können zur Verfügung. Das „Food Processing Lab“ besteht aus fünf Laboren (Technikum Food, Analytik-Labor, Extraktions-Technikum, Labor für Chemie, Physik und Mikrobiologie sowie Labor für Produktentwicklung) und einem Brauschwerpunkt.

Aktuell werden folgende Forschungsprojekte durchgeführt:

  • SPI3-Sustainable Protein (Förderung FFG COIN)

Ergebnis: Aufbau einer Technikums- und Laborinfrastruktur ist abgeschlossen; Entwicklung von Produkten für die Mehlwurmlarve / -käfer vom Rohstoff bis zum Lebensmittelnebenprodukt inkl Grundlagenanalysen, Käferzucht ist erfolgt.

BONITO-Proteinriegel auf Basis von Käferbohnen (Finanzierung über FFG Innovationscheck für eine Firma, 2020) NICHT Öffentlich

Nachhaltige Proteinzukunft Steiermark (Finanzierung über Auftrag STERZ, 2020)

Ergebnis: Analyse in Form einer Studie zu den Ressourcen und der Situation in der Steiermark für Herkunft und Einsatz nachhaltiger Proteine.

  • Im Rahmen von SMARTFOODGRID Graz wurde das Thema Proteine mitbehandelt (Förderung Klima & Energiefonds FFG, 2019)

Ergebnis: Die regionale Versorgungssituation in einem urbanen Umfeld von bis zu 30 km am Beispiel Graz unter Fokus auf Lebensmittel unter Mitberücksichtigung der nachhaltigen Proteine wurde analysiert und in Form einer Studie inkl. Roadmap abgeschlossen.

  • ENTODRYA (Engineering Competition ProteInsect, Wettbewerbssieger im Rahmen eines EU Projektes, 2017)

Ergebnis: ein Studierender hat an einem Wettbewerb im Rahmen eines EU Projekts teilgenommen und hat dabei ein Verfahren (Theorie) zur Verarbeitung von Insekten entwickelt, das mit dem 1. Preis ausgezeichnet wurde.

An der Technischen Universität Graz gibt es im Studium der Chemie eine Spezialisierung auf Lebensmittel. Diese wird durch das „Institut für Analytische Chemie und Lebensmittelchemie“ betreut. Forschungsprojekte werden in den Forschungsgruppen „Chemischer Sensor und Biosensoren“, „Elementaranalyse“ und „Lebensmittelchemie“ durchgeführt. Darüber hinaus werden die berufsbegleitenden Hochschulkurse „Lebensmittelchemie und -technologie“, „Sensorische Bewertung von Lebensmitteln: Grundlagen“ und „Sensorische Bewertung von Lebensmitteln: Fortgeschritten“ angeboten.

Darüber hinaus unterstützt das Wissenschaftsressort des Landes Projekte des Steirischen Ernährungskompetenzzentrums „STERTZ“. Für das Jahr 2022 ist, neben zahlreichen Veranstaltungen zur Bewusstseinsbildung unter Beteiligung von Forschungseinrichtungen, auch die Vergabe eines Preises für Lebensmittelforschung geplant, die vom Wissenschaftsressort unterstützt werden soll.

Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass es in der Steiermark eine Reihe von Aktivitäten im Bereich der Erforschung von Lebensmitteln sowie entsprechende Angebote im Bereich der Hochschullehre und der Bewusstseinsbildung gibt, die vom Land Steiermark auch unterstützt und gefördert bzw. finanziert werden. Einen speziell ausgeprägten Schwerpunkt im Bereich der Fleischersatzprodukte gibt es derzeit jedoch weder an universitären noch außeruniversitären Forschungseinrichtungen, wodurch es in der Steiermark auch keine kritische Masse für eine Ausschreibung zum Thema Forschung zu Fleischersatzprodukten gibt, die es rechtfertigen würde, die ohnehin beschränkten Forschungsmittel für diesen eingegrenzten Bereich einzusetzen.

Dies schließt jedoch eine Förderung einzelner Forschungsprojekte bzw. eine Anschlussförderung von Bundes- oder EU-finanzierten Projekten keineswegs aus."

 

Es wird daher der

Antrag

gestellt:

Der Landtag wolle beschließen:

Der Bericht des Ausschusses für Wirtschaft und Wissenschaft zum Antrag, Einl.Zahl 1187/1, betreffend "Forschung zu Fleischersatzprodukten in der Steiermark fördern", der Abgeordneten der Grünen wird zur Kenntnis genommen.

 

 

Die Obfrau:
LTAbg. Mag. Alexandra Pichler-Jessenko