LANDTAG STEIERMARK
XVIII. GESETZGEBUNGSPERIODE


EZ/OZ: 786/1

Selbstständiger Antrag von Abgeordneten (§ 21 GeoLT)

eingebracht am 25.09.2020, 08:32:15


Landtagsabgeordnete(r): LTAbg. Georg Schwarzl (Grüne), LTAbg. Sandra Krautwaschl (Grüne), LTAbg. Lambert Schönleitner (Grüne), LTAbg. Dipl.-Ing.(FH) Lara Köck (Grüne), LTAbg. Mag. Alexander Pinter (Grüne), LTAbg. Veronika Nitsche, MBA (Grüne)
Fraktion(en): Grüne
Zuständiger Ausschuss: Bildung, Gesellschaft und Gesundheit
Regierungsmitglied(er): Landesrätin Dr. Juliane Bogner-Strauß, Landesrätin Mag. Ursula Lackner, Landeshauptmann Hermann Schützenhöfer, Landesrat Johann Seitinger, Landesrätin Mag. Doris Kampus

Betreff:
Vollwertige pflanzliche Ernährung in öffentlichen Einrichtungen

Gemäß einer aktuellen EUROSTAT-Studie (https://ec.europa.eu/eurostat/de/web/products-eurostat-news/-/DDN-20190204-1), verbringen ÖsterreicherInnen im Mittel 57 „gesunde Lebensjahre„ (= jene Jahre, die eine Person in guter gesundheitlicher Verfassung lebt). Das sind über 7 Jahre weniger als der europäische Durchschnitt!

Die Ernährung stellt einen der wesentlichsten (veränderbaren) Einflussfaktoren auf unsere Gesundheit dar. Während eine „schlechte“ Ernährung diverse schwere Krankheiten und einen frühzeitigen Tod bedingen kann (Jankovic et al., 2014; Schwingshackl et al., 2017), führt eine „gute“ Ernährung zu einem deutlichen Anstieg an gesunden Lebensjahren (Lagström et al., 2020). Bei dieser Kategorisierung der Ernährungsgewohnheiten spielt vor allem das Konsumverhältnis von tierischen zu pflanzlichen Produkten eine wichtige Rolle. Der regelmäßige Verzehr von rotem und industriell verarbeitetem Fleisch birgt nachweislich ein erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauf-Probleme (Micha et al., 2011), Diabetes (Pan et al., 2011), Schlaganfall (Larsson et al., 2011) und Krebs (Cross et al., 2007), wohingegen eine rein pflanzliche Ernährung in weitaus geringerem Ausmaß mit diesen Krankheiten assoziiert ist bzw. ihnen sogar entgegenwirkt (He et al., 2007; Carter et al., 2010; Gonzalez & Riboli, 2010). Die Folgekosten hohen Fleischkonsums für die Gesellschaft sind jedenfalls beachtlich.

Der jährliche (Brutto-)Fleischverbrauch in Österreich liegt mit 96 kg pro Person (entspricht 64 kg netto, d.h. ohne Knochen und Sehnen) deutlich über dem EU-Durchschnitt von rund 80 kg/Person und weit über der maximal empfohlenen Menge von 22 kg/Person (ÖGE 2017). Im Vergleich dazu lag der Konsum von Hülsenfrüchten lediglich bei 0,9 kg und im Fall von Kartoffeln bei 6,4 kg pro Person und Jahr (Lindenthal & Schlatzer, 2020). Es ist naheliegend, dass die besorgniserregenden Ergebnisse der EUROSTAT-Studie auch auf die nationalen Essgewohnheiten rückführbar sind. Die potentiellen Folgen einer (partiellen) Ernährungsumstellung wurden anschaulich in einer Studie von Friel et al. (2009) dargelegt, welche aufzeigt, dass eine 30%-Reduktion des Fleischkonsums in Großbritannien zu 18.000 weniger Toten in Folge von Herz-Kreislauf-Erkrankungen führen würde (weltweit könnten durch eine Umstellung auf eine gesündere Ernährung schätzungsweise 11 Millionen Tote/Jahr vermieden werden; UN 2019).

Neben den gesundheitlichen Aspekten hat eine vorwiegend pflanzliche Ernährung auch das Potential, signifikante Einsparungen der Treibhausgasemissionen zu bewirken. Pflanzliche Lebensmittel haben im Schnitt eine deutlich (8 - 30-mal!) bessere Klimabilanz als tierische Produkte (welche den Hauptteil der Treibhausgase im Ernährungssektor verursachen). Die weltweite Ernährung mit tierischen Produkten verursacht einen Ausstoß von etwa 7,9 Gt CO2-Äqivalenten pro Jahr. Das entspricht dem Doppelten der jährlichen EU-Gesamtemissionen von Treibhausgasen.

Eine Ernährungsumstellung kann einerseits durch individuelle Konsumentscheidungen erfolgen. Ca. 10 % der Bevölkerung ernährt sich vegan (ca. 1 %) oder vergetarisch (9 %). Weitere 26 % - immerhin mehr als 2,3 Mio. ÖsterreicherInnen - sind sogenannte "Flexitarier", also Personen die selten und dann nur ausgewähltes Fleisch essen (http://www.marktmeinungmensch.at/studien/vegetarier-und-veganer-als-zielgruppe-fuer-handel-/).

Aufgrund der großen Auswirkungen der Ernährung auf Gesundheit und Klima erscheinen aber auch strukturelle (Regulierungs-)Maßnahmen im öffentlichen Bereich erforderlich und angebracht zu sein. Erstaunlicherweise werden der hohe Fleischkonsum und seine gravierenden Implikationen für Umwelt & Klima in den entsprechenden Strategien nicht explizit thematisiert.

Das Land Steiermark hat somit über das Essensangebot in den Landeseinrichtungen (Schulen, Kindergärten, Krankenhäuser etc.) nicht nur direkten Einfluss auf die Gesundheit und die Anzahl unserer gesunden Lebensjahre, sondern auch einen wirksamen Hebel zur Erreichung der Klimaziele.


Es wird daher der

Antrag

gestellt:

Der Landtag wolle beschließen:

Die Landesregierung wird aufgefordert,

1. das Essensangebot in sämtlichen Landeseinrichtungen vermehrt am aktuellen Wissensstand zur gesunden und klimafreundlichen Ernährung auszurichten,

2. zu diesem Zwecke einen Wochentag mit rein pflanzlichen (d.h. veganen) Gerichten zu etablieren,

3. die optionale Bereitstellung von rein pflanzlichen Speisen an allen Wochentagen zu forcieren,

4. die Bevölkerung im Zuge bewusstseinsbildender Kampagnen über die nachweislich positiven Effekte einer pflanzlichen Ernährung auf Gesundheit, Umwelt und Klima zu informieren, und

5. die multiplen Folgen eines hohen Fleischkonsums auf Klima und Umwelt in den relevanten Landesstrategien (KESS 2030, Naturschutzstrategie) zu thematisieren.


Unterschrift(en):
LTAbg. Georg Schwarzl (Grüne), LTAbg. Sandra Krautwaschl (Grüne), LTAbg. Lambert Schönleitner (Grüne), LTAbg. Dipl.-Ing.(FH) Lara Köck (Grüne), LTAbg. Mag. Alexander Pinter (Grüne), LTAbg. Veronika Nitsche, MBA (Grüne)