LANDTAG STEIERMARK
XVIII. GESETZGEBUNGSPERIODE


EZ/OZ: 728/1

Selbstständiger Antrag von Abgeordneten (§ 21 GeoLT)

eingebracht am 03.09.2020, 18:15:19


Landtagsabgeordnete(r): LTAbg. Nikolaus Swatek, BSc (NEOS), LTAbg. Robert Reif (NEOS)
Fraktion(en): NEOS
Zuständiger Ausschuss: Wirtschaft und Wissenschaft
Regierungsmitglied(er): Landesrätin MMag. Barbara Eibinger-Miedl

Betreff:
Co-Working-Spaces in den ländlichen Regionen fördern

Während der Zeit der Coronakrise haben viele Steirer_innen ihre Arbeit im Homeoffice verrichtet und im Zuge dessen erst bemerkt, wie wichtig das Vorhandensein von Büroräumlichkeiten und vor allem auch die Arbeit außerhalb der eigenen vier Wände sind, um ihre Arbeit produktiv zu erledigen. Nicht nur die Ablenkung, die Zuhause an jeder Ecke lauert, macht es schwer, sich zu konzentrieren, auch der persönliche Austausch mit Kolleg_innen fehlt. 

Aber auch außerhalb von Krisenzeiten gibt es viele Arbeitende, die aufgrund nicht vorhandener Räumlichkeiten von Zuhause aus arbeiten. Viele Selbstständige, vor allem Kleinunternehmer_innen, Start-Up Gründer_innen oder nebenberuflich Selbständige verfügen oftmals nicht über die finanziellen Ressourcen, um sich eigene Arbeitsplätze inklusive der notwendigen Infrastruktur leisten zu können.

Eine in größeren Städten und mittlerweile auch in Graz immer beliebter werdende Möglichkeit für all jene Menschen, die gerne von einem Büro aus arbeiten, aber nicht über die dafür notwendigen Ressourcen verfügen, ist die der Co-Working-Spaces: Dabei können sich Interessierte für Tage oder auch über Monate hinweg die Büro-Infrastruktur teilen und von dort aus arbeiten. Dadurch werden nicht nur die Räumlichkeiten, sondern auch die benötigte Infrastruktur geteilt, angefangen vom Drucker bis über die Kaffeemaschine. Neben der Arbeitsatmosphäre, die zu einem produktiverem Arbeiten anregen kann, bieten Co-Working-Spaces auch andere Vorteile: So sollen bei diesen Büros vor allem Networking und der Austausch mit Personen aus verschiedenen Sparten im Vordergrund stehen. 

Das Arbeiten in geteilten Büros ist effizient und schont Ressourcen. Viele dieser Büros sind außerdem zentral gelegen, liegen an Verkehrsknotenpunkten und sind oft so ausgesucht, dass sie gut mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar sind. 

Während sich gemeinschaftlich genutzte Büroräumlichkeiten in Graz bereits wachsender Beliebtheit erfreuen, sind diese im Rest der Steiermark immer noch sehr selten. Das verdeutlicht eine Recherche der Wirtschaftskammer aus dem Jahr 2019: Demnach gab es im Jahr 2019 in der Steiermark 36 Coworking Spaces - von diesen befanden sich 31 in Graz, nur fünf hatten ihre Standorte in anderen Bezirken (https://news.wko.at/news/steiermark/coworking-spaces-in-der-steiermark.html). Auch wenn auf dieser Liste nicht alle Co-Working-Spaces der Steiermark enthalten sind, ist dennoch klar ersichtlich, dass der Trend zu geteilten Büroräumlichkeiten einer ist, der außerhalb von Graz noch nicht wirklich angekommen ist. Das liegt unter anderem an dem Fehlen einschlägiger Förderungen.

Der eklatante Unterschied zwischen Graz und dem Rest der Steiermark kann unter anderem darauf zurückgeführt werden, dass die Stadt Graz die Vorteile geteilter Arbeitsplätze bereits erkannt hat und seit Jahren eine “Coworking Arbeitsplatzförderung” anbietet. Um Förderungen zu erhalten, müssen die Förderungswerber dabei bestimmte Voraussetzungen erfüllen - dazu zählen etwa eine Mindestanzahl von 7 Arbeitsplätzen, eine vorhandene EDV-Infrastruktur, das Verrechnen einer Nutzungspauschale oder das Stattfinden gemeinsamer Veranstaltungen der Nutzer_innen. (http://www.wirtschaft.graz.at/cms/beitrag/10224099/8022073/

Ziel der Förderung ist es laut der Stadt Graz, “diese neue Form des Zusammenarbeitens speziell im mittelfristigen Bereich zu erleichtern, um das Innovations- und Kreativpotential der Stadt zu verstärken.” (https://www.graz.at/cms/beitrag/10320636/9231938/Richtlinie_Coworking_Arbeitsplatzfoerderung.html)

Auf Landesebene wird eine derartige Förderung noch nicht angeboten - obwohl Co-Working-Spaces auch in ländlichen Regionen die Entwicklung junger, innovativer Unternehmen beziehungsweise die tägliche Arbeit von Unternehmer_innen erleichtern würden. Um das Konzept der geteilten Büros auch abseits größerer Ballungszentren zu etablieren, brauchen wir in der ganzen Steiermark eine gezielte Landesförderung, durch die die Etablierung und Nutzung gemeinschaftlich genutzter Büroräume attraktiviert wird. 

In anderen Bundesländern, etwa in Niederösterreich, wird von der Gründeragentur des Landes außerdem eine Website angeboten, über die man nach naheliegenden Büroräumlichkeiten suchen beziehungsweise auch freie Büroplätze anbieten kann. Eine solche Plattform vereinfacht die Koordination und gibt Interessent_innen einen guten Überblick über die vorhandenen Arbeitsmöglichkeiten. 


Es wird daher der

Antrag

gestellt:

Der Landtag wolle beschließen:

Die Landesregierung wird aufgefordert, 

  1. ein Förderungsmodell für Co-Working-Spaces zu erarbeiten, das sich an den Förderungsbedingungen der Stadt Graz anlehnt und einerseits Betreiber_innen solcher Büroräumlichkeiten bei Eröffnung und Betrieb unterstützt und sich andererseits an selbständig Erwerbstätige richtet, die das Angebot von Co-Working-Spaces über einen längeren Zeitraum in Anspruch nehmen. Dieses Modell soll so ausgestaltet sein, dass es vor allem Förderungsnehmer_innen in den ländlichen Regionen ansprechen soll.
  2. eine Internetplattform zu erstellen, durch die sich Anbieter und Interessent_innen von Co-Working-Spaces vernetzen können und über die das Angebot gemeinschaftlicher Büros nach Regionen gegliedert abgerufen werden kann.

Unterschrift(en):
LTAbg. Nikolaus Swatek, BSc (NEOS), LTAbg. Robert Reif (NEOS)