LANDTAG STEIERMARK
XVII. GESETZGEBUNGSPERIODE


TOP 10

EZ/OZ 1427/5

Schriftlicher Bericht

Ausschuss: Umwelt

Betreff:
Geeignete Maßnahmen gegen Neophyten ergreifen

 

zu:
EZ 1427/1, Geeignete Maßnahmen gegen Neophyten ergreifen (Selbstständiger Antrag von Abgeordneten (§ 21 GeoLT))

 

Der Ausschuss "Umwelt" hat in seiner Sitzung am Dienstag, dem 09.05.2017 über den oben angeführten Gegenstand die Beratungen durchgeführt.

 

Mit Beschluss des Ausschusses für Umwelt vom 07.02.2017 wurde die Steiermärkische Landesregierung ersucht eine Stellungnahme zum Antrag, Einl.Zahl 1427/1, abzugeben.

Aufgrund dieses Beschlusses erstattet die Steiermärkische Landesregierung folgende Stellungnahme:

Im selbstständigen Antrag der Abgeordneten der FPÖ machen diese auf die Problematik von invasiven Neophyten (nicht heimische Pflanzenarten), dabei vor allem auf den Riesenbärenklau, aufmerksam und haben den Antrag gestellt, die Landesregierung solle aufgefordert werden

  1. mit den steirischen Gemeinden gemeinsam ein flächendeckendes wirksames sowie effizientes Konzept zur Bekämpfung von Neophyten auszuarbeiten

  2. die Möglichkeit der Umsetzung eines „Steiermark-Katasters“ hinsichtlich Vorkommens von Neophyten auf der Homepage des Landes Steiermark zu prüfen und

  3. einen Leitfaden für den richtigen Umgang mit Neophyten zu erstellen und diesen auf der Homepage des Landes Steiermark zu veröffentlichen.

Nicht nur der Naturschutzbehörde des Landes ist die Problematik der invasiven Neophyten bewusst. Die Europäische Kommission hat festgestellt, dass ein Hauptfaktor des Fortschreitens des Artensterbens die Zunahme von invasiven Neobiota (Tiere und Pflanzen) ist. Deshalb wurde die Verordnung (EU) Nr. 1143/2014 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 22. Oktober 2014 über die Prävention und das Management der Einbringung und Ausbreitung invasiver gebietsfremder Arten erlassen.

Das zu erlassende Durchführungsgesetz zur Verordnung ist in Bearbeitung.

Seit 2008 veranstalten die Abteilung 13 (vormals FA 13C) mit der Steiermärkischen Berg- und Naturwacht einen jährlichen Aktionstag (Anfang Juli) zur Bekämpfung invasiver gebietsfremder Pflanzenarten. Dabei werden per E-Mail bis spätestens Ende Mai alle steirischen Bürgermeister über diese Veranstaltung informiert. Auch Folder und Plakate werden digital übermittelt. Gleichzeitig wird ersucht die Aktion, durchgeführt von den Mitgliedern der steirischen Berg- und Naturwacht, durch aktive Mitarbeit der Bevölkerung zu unterstützen und den Hinweis auf das Vorhaben in der Gemeindezeitung zu publizieren. Waren es zu Beginn nur einige wenige, so konnten in den letzten Jahren bereits zahlreiche Gemeinden zum Mitmachen motiviert werden.

Für einzelne Neophyten, wie etwa den Riesenbärenklau, wird es möglich und sinnvoll sein ein flächendeckendes Konzept zu erarbeiten. Bei vielen invasiven Neophytenarten, wie z.B. Drüsiges Springkraut, Goldruten oder Staudenknöteriche, kann eine flächendeckende Bekämpfung jedoch nicht mehr in einem finanziell vertretbaren Ausmaß durchgeführt werden, weil sie sich bereits zu stark ausgebreitet haben. Hier kann man nur mehr Maßnahmen setzen, die eine Weiterverbreitung verhindern.

Ein zusätzliches Problem ist die rechtskonforme, fachgerechte Entsorgung des anfallenden biogenen Materials, da das Verbrennen außerhalb von Anlagen nach dem Bundesluftreinhaltegesetz verboten und die Kapazitäten der Kompostieranlagen vor allem in den kleineren Gemeinden nicht vorhanden sind.

Auch die Erstellung eines „Steiermark-Katasters“ ist für den Riesenbärenklau und eventuell einige potenziell invasive Arten wie z.B. den Blauglockenbaum, den Bambus oder den Kirschlorbeer, deren Gesamtverbreitung in der Steiermark noch überschaubar ist, denkbar. Für sämtliche invasiven Neophyten ist das aus oben genannten Gründen jedoch nicht sinnvoll und auch finanziell und personell nicht durchführbar.

Es gibt jedoch bereits seit 2015 eine Handy-App im Schulatlas Steiermark (http://neobiota.schulatlas.at), die im Rahmen der Ausstellung „Weltenbummler – Neue Tiere und Pflanzen unter uns“ entwickelt wurde und mit deren Hilfe Fundmeldungen ausgewählter Neobiota erfasst werden. Diese Entwicklung wird weiterverfolgt und gegebenenfalls weiter ausgebaut.

Im Jahr 2015 wurde von der Steiermärkischen Berg- und Naturwacht in Zusammenarbeit mit der Abteilung 13 ein Folder sowie ein Plakat über die sieben häufigsten in der Steiermark verbreiteten invasiven Pflanzenarten erstellt. Neben einem kurzen Steckbrief beinhalten diese auch Blütezeit, Gefährdung und vor allem die fachgerechte Bekämpfung, und somit den Umgang mit der jeweiligen Art. Diese Folder und Plakate wurden in Gemeinden, Bezirkshauptmannschaften, Naturparken und Tourismusbüros verteilt, sind jedoch auch auf der Homepage der Abteilung 13 sowie der Steiermärkischen Berg- und Naturwacht abrufbar. Die Auflage betrug 20.000 Stück und wurde, auf Grund der großen Nachfrage, Ende 2016 mit 30.000 Stück neu aufgelegt.

Jede/r Einzelne kann zur Vermeidung der Probleme durch invasive Pflanzenarten beitragen, sofern das Problembewusstsein vorhanden ist. Bewusstseinsbildung ist daher ein wesentliches Schlüsselelement im Umgang mit invasiven Arten. Der zuständige Naturschutzlandesrat Anton Lang und das Naturschutzreferat des Landes Steiermark setzen daher auch in diesem Jahr stark auf Bewusstseinsbildungsarbeit.

Anfang März dieses Jahres wurde ein neu aufgelegter Folder, der den Unterschied zwischen Wiesenbärenklau und Riesenbärenklau sowie Informationen zum Umgang damit darstellt, an alle steirischen Gemeinden sowie öffentliche Stellen wie Bezirkshauptmannschaften mit dem Ersuchen, diesen Folder den Bürgerinnen und Bürgern zugänglich zu machen, versandt. Darüber hinaus werden gemeinsam mit der Berg- und Naturwacht Informationsveranstaltungen durchgeführt. Ein Meilenstein in der Sensibilisierungsarbeit ist auch die geplante Ausweitung des bisherigen jährlichen Aktionstags auf eine Aktionswoche 2017 und 2018 zur Bekämpfung invasiver Neophyten mit steirischen SchülerInnen.

Es wird daher der

Antrag

gestellt:

Der Landtag wolle beschließen:

Der Bericht des Ausschusses für Umwelt zum Antrag der FPÖ, EZ 1427/1 betreffend „Geeignete Maßnahmen gegen Neophyten ergreifen“ wird zur Kenntnis genommen.

 

Die Obfrau:
LTAbg. Gabriele Kolar