LANDTAG STEIERMARK
XVIII. GESETZGEBUNGSPERIODE


EZ/OZ: 708/1

Schriftliche Anfrage an die Landesregierung oder eines ihrer Mitglieder (§ 66 GeoLT)

eingebracht am 27.08.2020, 11:26:13


Landtagsabgeordnete(r): LTAbg. Marco Triller, BA MSc (FPÖ), LTAbg. Patrick Derler (FPÖ), LTAbg. Helga Kügerl (FPÖ), LTAbg. Albert Royer (FPÖ), LTAbg. Ewald Schalk (FPÖ)
Fraktion(en): FPÖ
Regierungsmitglied(er): Landesrätin Dr. Juliane Bogner-Strauß
Frist: 27.10.2020

Betreff:
Klärungsbedarf nach Tuberkulose-Fall in Grazer Spital

Mitte August dieses Jahres sorgte ein Bericht der „Steirerkrone“ für Aufregung. So war ein im LKH Graz II Standort Süd behandelter Patient erst mehrere Wochen nach seinem stationären Aufenthalt darüber in Kenntnis gesetzt worden, dass er Kontakt mit einem an Lungentuberkulose Erkrankten hatte, worüber er seitens der Bezirkshauptmannschaft Weiz am 6. August über Postweg informiert wurde. In dem Schreiben wurde der Patient zudem aufgefordert, einen aktuellen Befund eines Lungenfacharztes vorzulegen.

Laut Berichterstattung zeigte sich der Patient über die lange Dauer der Informationskette äußerst irritiert, zumal seine Lebensgefährtin schwer herzkrank sei und Tuberkulose bekanntlich zu den gefährlichsten und ansteckendsten Infektionskrankheiten der Welt zähle, weswegen laut Gesundheitsministerium eine frühzeitige Krankheitserkennung das Wichtigste in der Behandlung sei.

Bei der BH Weiz bestätigt man gegenüber der „Steirerkrone“ den Sachverhalt. Der Weizer Bezirkshauptmann Rüdiger Taus verwies jedoch darauf, dass man selbst erst am 22. Juli vom Magistrat Graz informiert worden war. Warum es weitere sechs Tage dauerte, bis das Schreiben an den potentiell Erkrankten aufgesetzt wurde (nämlich bis zum 28. Juli) und dieses erst am 6. August seinen Weg zum vermeintlich Erkrankten fand, konnte jedoch auch der Bezirkshauptmann nicht erklären.

Im LKH Graz II vermochte man die doch auffällige Zeitverzögerung durchaus plausibel erklären: „Nach Abklärung des klinischen Zustandsbildes erfolgte am 13. Juli die Meldung an die Behörde. Am 21. Juli wurden dann der Behörde alle Personen genannt, die in diesem Zeitraum einen möglichen Kontakt mit dem betroffenen Patienten gehabt haben könnten“, teilte die ärztliche Direktion der Krankenanstalt auf Anfrage der „Steirerkrone“ mit. Man verwies seitens Pressestelle des Krankenhausbetreibers KAGes zudem darauf, dass das Kontaktmanagement die Behörde übernehme und das LKH lediglich aufgefordert sei, die Kontaktpersonen dieser bekannt zu geben.

Laut Berichterstattung hat sich der eventuell mit Tuberkulose infizierte Patient mittlerweile einer Untersuchung unterzogen. Nachdem ein erster Test aber ein unklares Ergebnis gebracht hatte, wartete er zum Zeitpunkt der Artikelveröffentlichung nach einem Bluttest im Krankenhaus wieder bereits seit einer Woche auf seinen Befund. (Quelle: https://www.krone.at/2211204)

Angesichts des geschilderten Falles stellen sich zweifelsohne einige Fragen rund um das Kontaktmanagement der steirischen Krankenanstalten und Behörden, die im Rahmen der gegenständlichen Anfrage eine Klärung erfahren sollen.


Es wird daher folgende

Schriftliche Anfrage

gestellt:

  1. Wie stellen sich die internen bzw. externen Vorgaben für die steirischen Krankenanstalten hinsichtlich des Kontaktmanagements bei potentiell hoch ansteckenden bzw. gefährlichen Krankheiten, wie etwa Tuberkulose, konkret dar, wobei etwa folgende Fragestellungen einer Klärung bedürfen:

    • Welche Krankheiten sind vom Kontaktmanagement erfasst?

    • Welche konkreten Informationen werden in derartigen Fällen an welche Behörden bzw. Personen weitergeleitet?

    • Wie viel Zeit darf maximal zwischen der (abgeklärten) Diagnose und der Meldung an die Behörden vergehen?

    • Wie stellt sich die interne Meldungskette innerhalb der Krankenhausbelegschaft dar und durch wen erfolgt schließlich die Meldung an die Behörden?

  2. Sind diese Vorgaben für alle steirischen Krankenanstalten einheitlich?

  3. Falls nein, inwiefern bestehen intern bzw. extern unterschiedliche Regelungen an den jeweiligen Krankenhausstandorten und wie stellen sich diese jeweils konkret dar?

  4. Falls nein, warum gibt es keine einheitlichen Vorgaben für alle steirischen Krankenanstalten und inwiefern werden Sie sich für eine Vereinheitlichung der Vorgaben einsetzen?

  5. Wie viele derartige Meldungen von steirischen Krankenanstalten an Behörden aufgrund potentieller Kontakte von Patienten mit Personen, bei denen eine hoch ansteckende bzw. gefährliche Krankheit diagnostiziert wurde, gab es in den Jahren 2016, 2017, 2018 und 2019 (aufgegliedert nach Jahren und Krankenanstalten)?

  6. Wie viele Personen wurden im Rahmen dieser Kontaktaufnahmen informiert (aufgegliedert nach Jahren und Krankenanstalten)?

  7. Wie lange dauerte es dabei durchschnittlich von der (abgeklärten) Diagnose bis zur Meldung der potentiellen Kontaktpersonen an die Behörden?

  8. Innerhalb welcher Zeitspanne müssen die Behörden die von den Krankenanstalten übermittelten Informationen an die potentiellen Kontaktpersonen bzw. andere Behörden weiterleiten?

  9. Falls es dazu keine einheitlichen, konkreten Vorgaben gibt, werden Sie sich in Ihrer Funktion als Gesundheitslandesrätin dafür einsetzen, dass potentielle Kontaktpersonen von den Behörden innerhalb eines bestimmten Zeitraums kontaktiert werden müssen?

  10. Falls ja, wie stellen sich Ihre diesbezüglichen Pläne dar?

  11. Falls nein, warum sehen Sie dafür keine Notwendigkeit?

  12. Gibt es derzeit seitens Ihres Ressorts weitere Überlegungen, wie man generell das Kontaktmanagement bei hoch ansteckenden bzw. gefährlichen Krankheiten verbessern könnte?

  13. Falls ja, wie stellen sich diese Überlegungen konkret dar?

  14. Falls nein, warum sehen Sie keine Notwendigkeit für Verbesserungen, bspw. schnelleren Informationsfluss an Personen, die etwa wie im gegenständlichen Fall mit an Tuberkulose Erkrankten Kontakt hatten?

  15. Wann wurde im gegenständlichen Fall die Tuberkulose-Erkrankung diagnostiziert (bitte um Bekanntgabe des Datums und der Uhrzeit)?

  16. Befand sich der an Tuberkulose Erkrankte stets in einem Einzelzimmer und falls nein, wann wurde der Patient isoliert?

  17. Wie viele potentielle Kontaktpersonen gab es im gegenständlichen Fall und wie kam es zu diesen Kontakten (bspw. durch Unterbringung im selben Krankenhauszimmer, durch gleichzeitigen Aufenthalt im Fahrstuhl, in der Kantine bzw. auf den Gängen etc.)?

  18. Wie stellte sich der potentielle Kontakt im Falle des möglicherweise Angesteckten dar?

  19. Wann wurden von der Krankenanstalt welche Behörden bzw. Personen über die Tuberkulose-Erkrankung informiert?

  20. Warum dauerte es im gegenständlichen Fall gemäß Berichterstattung mehrere Tage bis der Behörde sämtliche Kontaktpersonen genannt wurden (am 13. Juli erfolgte offenbar die Meldung an die Behörde, dieser wurden allerdings erst am 21. Juli alle Personen genannt, die in diesem Zeitraum einen möglichen Kontakt mit dem betroffenen Patienten gehabt haben könnten)?

  21. Sollte es im konkreten Fall gemäß den internen bzw. externen Vorgaben zu lange von der (abgeklärten) Diagnose bis zur Meldung an die Behörden gedauert haben, wird dies interne Konsequenzen haben und falls ja, wie stellen sich diese konkret dar?

  22. Welche Informationen wurden im konkreten Fall an die Behörden weitergeleitet, bspw. potentielle Kontaktpersonen, Zeitpunkt des Spitalsaufenthalts des an Tuberkulose Erkrankten etc.?

  23. Falls in diesem Fall nur das Magistrat Graz informiert worden war, warum erfolgte keine direkte Meldung an all jene Bezirksverwaltungsbehörden, in welchen die möglichen Kontaktpersonen laut Patientenunterlagen beheimatet sind?

  24. Falls es Vorgaben gibt, dass in derartigen Fällen nur jene Bezirksverwaltungsbehörde informiert wird, in deren Zuständigkeitsbereich sich die Krankenanstalt, wo sich der Vorfall zugetragen hat, befindet, warum ist dies derart geregelt und wäre es nicht zielführender, sämtliche Behörden in derartigen Fällen direkt zu informieren?

  25. Warum musste der möglicherweise Angesteckte zum Zeitpunkt der Berichterstattung (15. August 2020) bereits eine Woche auf das Ergebnis seines Bluttests warten?

  26. Liegen mittlerweile Befunde vor, ob sich der möglicherweise Angesteckte bzw. seine Lebensgefährtin mit Tuberkulose infiziert haben?

  27. Falls ja, waren diese Befunde positiv?


Unterschrift(en):
LTAbg. Marco Triller, BA MSc (FPÖ), LTAbg. Patrick Derler (FPÖ), LTAbg. Helga Kügerl (FPÖ), LTAbg. Albert Royer (FPÖ), LTAbg. Ewald Schalk (FPÖ)