LANDTAG STEIERMARK
XVII. GESETZGEBUNGSPERIODE


EZ/OZ: 1013/2

Schriftliche Anfragebeantwortung (§ 66 GeoLT)

eingebracht am 12.09.2016, 08:15:46


Zu:
1013/1 Gesundheitsversorgung in Mariazell und Eisenerz
(Schriftliche Anfrage an die Landesregierung oder eines ihrer Mitglieder (§ 66 GeoLT))

Landtagsabgeordnete(r): LTAbg. Marco Triller, BA MSc (FPÖ), LTAbg. Hannes Amesbauer, BA (FPÖ), LTAbg. Christian Cramer (FPÖ), LTAbg. Erich Hafner (FPÖ), LTAbg. Herbert Kober (FPÖ), LTAbg. Dipl.-Ing. Gerald Deutschmann (FPÖ), LTAbg. Helga Kügerl (FPÖ), LTAbg. Anton Kogler (FPÖ), LTAbg. Mario Kunasek (FPÖ), Dritter Landtagspräsident Dr. Gerhard Kurzmann (FPÖ), LTAbg. Andrea Michaela Schartel (FPÖ), LTAbg. Liane Moitzi (FPÖ), LTAbg. Albert Royer (FPÖ), LTAbg. Dipl.-Ing. Hedwig Staller (FPÖ)
Regierungsmitglied(er): Landesrat Mag. Christopher Drexler
Beilagen: Anfragebeantwortung

Betreff:
Gesundheitsversorgung in Mariazell und Eisenerz

 

Frage 1 und 2

Wird in den Landeskrankenhäusern Mariazell und Eisenerz im Jahr 2016 Personal abgebaut?

Falls ja, wieviel und um welche Stellen handelt es sich dabei konkret?

An den beiden Standorten LKH Hochsteiermark, Eisenerz, und LKH Mürzzuschlag-Mariazell, Mariazell, erfolgt 2016 kein gezielter Personalabbau. Vielmehr wird seit Jahren versucht, freiwerdende Stellen (z.B. durch allfällige Pensionierungen) nachzubesetzen.

Frage 3

Wie viele Mediziner werden sich als „Telefonärzte“ zur Verfügung stellen?

Im Rahmen des Pilotprojektes wird die Telefonärztin bzw. der Telefonarzt über den Ärztenotdienst in Graz besetzt.

Frage 4

Wurde das Modell von „Telefonärzten“ bereits in anderen Bundesländern eingeführt und welche Erfahrungen sind diesbezüglich bekannt?

Das Modell der Telefonärztin bzw. des Telefonarztes hat sich bereits seit mehreren Jahren in Niederösterreich bewährt. Seit Jänner 2015 wird dieses Modell auch in Kärnten flächendeckend umgesetzt. Die Erfahrungen aus Niederösterreich zeigen, dass die Triage über die Telefonärztin bzw. den Telefonarzt sehr gut funktioniert – etwa 60 % der Fälle können durch die Telefonärztin bzw. den Telefonarzt erledigt werden.

Fragen 5 bis 7

Wie stellt sich das Anreizsystem für die sogenannten Poolärzte genau dar?

Gibt es bereits Zusagen von Medizinern, die sich für diese Aufgabe zur Verfügung stellen?

Wenn ja, wie viele?

Das System der „Poolärzte“ kommt in den beiden Pilotregionen vorerst nicht zum Einsatz. Im Moment sind jene niedergelassenen Allgemeinmedizinerinnen und -mediziner, die bereits jetzt in den Regionen tätig sind, weiterhin für die Abdeckung der freiwilligen Wochentagsnachtbereitschaftsdienste zuständig.

Frage 8

Welche Kosten entstehen dem Land Steiermark durch die Modellprojekte in Eisenerz und Mariazell?

Keine, da die Finanzierung des Pilotprojektes über den Gesundheitsfonds Steiermark erfolgt.

Frage 9

Wie gestaltet sich die genaue Kostenverteilung?

Alle Projektkosten, die über die bereits bisher übliche Finanzierung des freiwilligen Wochentagsnachtbereitschaftsdienstes hinausgehen, werden vom Gesundheitsfonds Steiermark übernommen.

Fragen 10 bis 13

Wird es in diesen Regionen zur Errichtung von Primärversorgungszentren kommen?

Falls ja, wo werden sich diese befinden?

Falls ja, welches Leistungsangebot ist vorgesehen?

Welche Maßnahmen wurden durch Ihr Ressort gesetzt, um eine bessere Vernetzung der niedergelassenen Ärzte sicherzustellen?

Die entsprechende Maßnahme aus dem Landes-Zielsteuerungsvertrag – Umsetzung des Primärversorgungskonzeptes in zumindest einer Pilotregion – soll in den beiden genannten Regionen als Pilotprojekt umgesetzt werden. Die genaue Ausgestaltung des auf Bundesebene beschlossenen Konzeptes „Das Team rund um den Hausarzt“, welches Grundlage für eine Umsetzung von Primärversorgungseinrichtungen ist, ist Gegenstand laufender Verhandlungen und befindet sich in Vorbereitung. In diesem Konzept sind sowohl zentrale Einrichtungen („unter einem Dach“) als auch dezentrale Netzwerkvarianten vorgesehen. Welche Variante an den einzelnen Standorten zum Tragen kommt, ist derzeit noch Gegenstand der Verhandlungen. Das Leistungsangebot orientiert sich ebenfalls an den bundesweiten Konzepten.

In den bereits weitgehend abgestimmten Vorarbeiten reicht das Leistungsangebot von der ambulanten Grundversorgung und Verlaufskontrolle bei Akutfällen allgemein bzw. für ältere Menschen und Kinder sowie Jugendliche über Langzeitversorgung chronisch Kranker und multimorbider Patientinnen bzw Patienten bis zur Primärprävention und Gesundheitsförderung.

Fragen 14 und 15

Wie viele Ärztedienststellen können in den Krankenhäusern Mariazell und Eisenerz derzeit nicht besetzt werden?

Wie viel Ärztedienststellen in Krankenhäusern können derzeit landesweit nicht besetzt werden?

(Bitte um Aufschlüsselung der entsprechenden Spitalsstandorte)

Der Standort LKH Hochsteiermark, Eisenerz, wird von der Chirurgischen Abteilung und der Lungenabteilung des LKH Hochsteiermark, Standort Leoben, mitversorgt. Derzeit sind an den genannten Abteilungen 2,25 Ärzte-Dienstposten nicht besetzt (Chirurgie 1 DP, Lungenabteilung 1,25 DP).

Der Standort LKH Mürzzuschlag-Mariazell, Mariazell, wird vom LKH Mürzzuschlag-Mariazell, Standort Mürzzuschlag, mitversorgt. Derzeit sind 4,6 Ärzte-Dienstposten nicht besetzt. Anzumerken ist, dass die 24 Stunden-Ambulanz am Standort Mariazell in den letzten beiden Jahren nur aufrecht zu erhalten war, weil drei pensionierte Primarärzte bereit waren, nach dem 65. Lebensjahr via Werkvertrag (befristet bis 31.08.2016) tätig zu werden. Zwei weitere angestellte Ärzte haben ebenfalls das gesetzliche Pensionsalter bereits überschritten.

Mit Stichtag 30.06.2016 sind in den LKH insgesamt 94,89 Ärzte-Dienstposten nicht besetzt

Fragen 16 und 17

Wie viele niedergelassene Ärzte waren bisher in den Sprengeln Mariazell und Eisenerz tätig?

Wie viele niedergelassene Ärzte sind in den neugestalteten und größeren Sprengeln tätig?

In den geplanten Pilotregionen sind derzeit 18 Allgemeinmedizinerinnen bzw. -mediziner mit einem § 2-Vertrag tätig. Diese Zahl bleibt unverändert.

Fragen 18 und 19

Streben Sie eine Schließung der Krankenhausstandorte Mariazell und Eisenerz an?

Wenn ja, wann?

Vor dem Hintergrund der geltenden Vereinbarungen zur Reform des Gesundheitswesens und der Zielvereinbarungen auf Bundes- und Länderebene, welche unter anderem die Neuordnung der Spitalslandschaft in enger Abstimmung mit dem niedergelassenen Bereich beinhalten, ergeben sich kontinuierlich notwendige Überlegungen zur Veränderung in der Struktur der Versorgungslandschaft. Der sich ständig ändernde Bedarf der Gesellschaft, die Entwicklung der medizinischen und medizin-technischen Möglichkeiten bei der Versorgung von Patientinnen und Patienten, die finanziellen Gegebenheiten, das neue Krankenanstalten-Arbeitszeitgesetz (KA-AZG), die Verfügbarkeit von Ärztinnen und Ärzten bzw. auch des Pflegepersonals, das neue Gesundheits- und Krankenpflegegesetz und zahlreiche weitere Aspekte erfordern eine dauerhafte Reflexion der Rahmenbedingungen und eine adäquate Reaktion darauf.

Bei der Planung der Zukunft des Gesundheitswesens sind in ein Versorgungskonzept innerhalb einer Region alle Träger mit ihrem Leistungs- bzw. Fächerangebot einzubeziehen sowie regionen- aber auch bundesländerübergreifende Aspekte zu berücksichtigen.

Alle diesbezüglichen Überlegungen werden in die von mir bereits öfters erwähnten und im Koalitionsübereinkommen für die XVII. Legislaturperiode festgehaltenen Neustrukturierung der Gesundheitsversorgung in der Steiermark („Steirischer Gesundheitsplan 2035“) einfließen.