LANDTAG STEIERMARK
XVIII. GESETZGEBUNGSPERIODE


EZ/OZ: 1100/1

Selbstständiger Antrag von Abgeordneten (§ 21 GeoLT)

eingebracht am 27.01.2021, 16:04:43


Landtagsabgeordnete(r): LTAbg. Robert Reif (NEOS), LTAbg. Nikolaus Swatek, BSc (NEOS)
Fraktion(en): NEOS
Zuständiger Ausschuss: Landwirtschaft
Regierungsmitglied(er): Landesrätin Mag. Ursula Lackner

Betreff:
Regulierung des Fischotterbestandes

Die steirischen Fließgewässer bieten Lebensraum für 51 verschiedene Fisch- und Rundmäulerarten und sind somit reich an Artenvielfalt, welche es zu erhalten gilt. Ein natürlicher Feind der Fische ist der Eurasische Fischotter (Lutra lutra). So wurde erst kürzlich wieder über die Verletzungen, welche die Fische in der Mur durch die Fischotter erleiden berichtet. In keinem anderem Fließgewässer österreichweit sind die Fische so vom Otter gefährdet wie in der Mur. Derzeit sind es 9 von 10, die durch Otter verletzt werden (https://www.kleinezeitung.at/steiermark/5921694/Debatte-um-Jagd_Attacken-durch-Otter-in-der-Mur_Die-Fische-leiden).

Der Fischotter ist ein Nahrungsopportunist und bevorzugt daher leichte Beute. Deshalb jagt er präferiert dort, wo die Beute am einfachsten, in kürzester Zeit und mit geringem Energieaufwand gefangen werden kann. Die Fließgewässer mit ihren reichhaltigen Fischvorkommen sowie die geringe Wassertiefe sind dabei zentrale Faktoren. Der Fischjäger selbst steht aber auch unter Schutz: Nach Anhang II und IV der FFH-Richtlinie sowie auch laut Berner Konvention gilt er als streng zu schützende Tierart.

Will man gegen dieses Problem vorgehen, so braucht es ein geeignetes Fischotter-Monitoring, um genaue Aussagen über die Populationsgröße treffen zu können. Einerseits braucht es ein Monitoring der Verbreitung der fischfressenden Tiere, um eine aussagekräftige Übersichtskarte von Fischottervorkommen an steirischen Teichanlagen und Fließgewässern zu erstellen. Weil die Fischotter nur schwer beobachtbar sind und sich von einander nicht unterscheiden lassen, braucht es zudem ein genetisches Monitoring. Als DNA-Proben können hier z.B. die Losungen dienen. So kann nicht nur das Vorkommen und die Populationsgröße der semi-aquatischen Säugetiere festgestellt werden, sondern auch das Geschlecht und die Verwandtschaftsverhältnisse der identifizierten Tiere. In der Steiermark wissen wir, dass der Fischotter sich flächendeckend angesiedelt hat. Bei der letzten Kartierung im Winter 2017/18 wurden an 591 von 656 Probepunkten Losungen gefunden. Die Anzahl der positiven Punkte erhöht sich damit auf 92,2%, was bislang den höchsten Wert bei steiermarkweiten Fischotterkartierungen darstellt (Holzinger et al, Verbreitung und Bestand des Fischotters in der Steiermark (Mammalia) 2020).

In Kärnten zeigte das Fischotter-Monitoring, dass eine Bestandsabnahme der Population nach zweijähriger legaler Fischotterentnahme nicht erfolgte und immer noch fischleere Gewässerabschnitten vorzufinden sind. Die Verordnung, welche die Bejagung erlaubt, wurde deshalb um zwei Jahre verlängert und sogar ausgeweitet. Die Jäger_innen brauchen dazu eine spezielle Schulung und alle aufgestellten Fallen sowie entnommene Fischotter müssen der Landesregierung gemeldet werden.

Auch in der Steiermark muss sich wieder ein Gleichgewicht zwischen den Fischen und dem Fischotter einstellen. In Teichanlagen können die Fischbestände durch eine gezielte Lenkung des Otterbestandes besser geschützt werden als in Fließgewässern. Derzeit werden nur Fischotterabwehrmaßnahmen an künstlichen Stillgewässern mit Fischbesatz vom Land Steiermark gefördert, aber auch die wildlebende Fische in den Flüssen der Steiermark verdienen einen angemessenen Schutz.


Es wird daher der

Antrag

gestellt:

Der Landtag wolle beschließen:

Die Landesregierung wird aufgefordert, 

  1. eine Erhebung durchzuführen, um zu überprüfen, ob die derzeit bestehenden Schutzmaßnahmen, wie Fischgitterkäfige und Elektrozäune, an Fließ- und Teichgewässern ausreichend sind,
  2. zu prüfen, ob die rechtliche Grundlage geschaffen werden kann, in besonderen Fällen, bei denen keine Präventions- und Abwehrmaßnahmen umgesetzt werden können oder wirksam sind, Fischotter zu entnehmen sowie
  3. ein Verbreitungs- und Bestands-Monitoring des Fischotters einzuführen, welches alle zwei Jahre eine steiermarkweite, genetische Erfassung vorsieht.

Unterschrift(en):
LTAbg. Robert Reif (NEOS), LTAbg. Nikolaus Swatek, BSc (NEOS)