LANDTAG STEIERMARK
XVII. GESETZGEBUNGSPERIODE


EZ/OZ: 1285/1

Selbstständiger Antrag von Abgeordneten (§ 21 GeoLT)

eingebracht am 25.11.2016, 08:51:43


Landtagsabgeordnete(r): LTAbg. Sandra Krautwaschl (Grüne), LTAbg. Lambert Schönleitner (Grüne), LTAbg. Ing. Sabine Jungwirth (Grüne)
Fraktion(en): Grüne
Zuständiger Ausschuss: Gesundheit
Regierungsmitglied(er): Landesrat Mag. Christopher Drexler

Betreff:
Erhaltung des Hauses Albrecher-Leskoschek für die Nachwelt

Das Haus Albrecher-Leskoschek in der Hilmteichstraße 24 in Graz ist ein noch gut erhaltenes und sehr gut dokumentiertes Werk des international bedeutenden Architekten Herbert Eichholzer aus den Jahren 1937/38. Es gehört mittlerweile der KAGes und soll dem Bau der Radiologie weichen. Der Bau des Hauses war vom Mäzen Albert Kastner für Herma Albrecher bei Eichholzer in Auftrag gegeben worden. Vom Künstler Axel Leskoschek, der die Hausherrin im November 1937 kurz nach seiner Entlassung aus dem Anhaltelager Wöllersdorf geheiratet hatte, stammt ein großes, metaphorisches Wandgemälde zur politischen Situation der Zeit. Es existieren sehr detaillierte Außen- und Innenaufnahmen aus den 1930er und 1940er Jahren aus dem Nachlass des Fotografen Max von Wikullil, einem Freund Herma Albrechers (jetzt im Besitz des Vereins Clio). Damit können die ursprüngliche Bauform und Innenarchitektur, sowie auch das ca. 6 x 1,5 Meter große Wandgemälde Allegorie der Freude von Axel Leskoschek im Salon der Villa rekonstruiert werden. Das Gemälde überdauerte den Ständestaat und die NS-Zeit (Leskoschek selbst flüchtete 1938 ins Exil und kehrte 1948 wieder nach Österreich zurück), wurde jedoch später übermalt und mit Tapeten überklebt. Die ursprüngliche Arbeit ist darunter noch vorhanden, eine Restaurierung wäre aufwendig und kostenintensiv.

Das Haus ist nicht nur ein bedeutendes architektonisches Manifest der Moderne in Graz, sondern auch ein zeitgeschichtlich bedeutsames Denkmal. Albrecher, Eichholzer und Leskoschek waren Mitglieder des Prenninger Kreises rund um die Familie Feuerlöscher in Prenning/Deutschfeistritz - einer künstlerisch-intellektuellen Gruppe, die Mitte der 1920er Jahre entstanden war und später von den Nationalsozialisten verfolgt wurde. Das Haus Albrecher-Leskoschek spielte im Widerstand eine wesentliche Rolle und war ein wichtiger Treffpunkt. Im Haus Albrecher-Leskoschek wurde ein illegaler "Briefkasten" für Schreiben zwischen verschiedenen WiderstandskämpferInnen eingerichtet, und Eichholzer, der aus der sicheren Türkei zurückkehrte, um den kommunistischen Widerstand zu unterstützen, traf sich hier mit NS-GegnerInnen und KünstlerInnen. 1941 wurde Eichholzer verhaftet und 1943 hingerichtet. Die Geschichte des Hauses und des Prenninger Kreises sind umfassend dokumentiert in Halbrainer Heimo/Klein Eva/Senarclens de Grancy Antje: Hilmteichstraße 24, Graz; Verlag CLIO 2016.

Dieses herausragende architektonische und zeitgeschichtliche Juwel steht nun vor der unwiederbringlichen Zerstörung durch einen Erweiterungsbau der KAGes. Eines der wenigen verbliebenen Gebäude von Herbert Eichholzer ginge für immer verloren (und das nicht zum erstenmal, denn bereits im Jahr 2013 wurde öffentlich kaum beachtet das von Herbert Eichholzer und Rudolf Nowotny entworfene Haus Ferner am Ulrichsweg in Graz-Andritz abgerissen) – und das auf Basis eines unter ArchitektInnen und HistorikerInnen höchst umstrittenen Befundes des Bundesdenkmalamtes, wonach das Haus Albrecher-Leskoschek nicht schutzwürdig sei. Die Kriterien des Denkmalschutzgesetzes wären nicht ausreichend erfüllt, da nicht nur das Äußere des Hauses wesentlich verändert wurde, sondern auch die innere Struktur des Obergeschosses. Im Bereich der erhaltenen Raumstruktur im Inneren des Erdgeschosses fehle als zentrales Element das Wandgemälde von Axel Leskoschek, das später mit einer aggressiven Farbe überstrichen wurde und nach dem Ergebnis durchgeführter restauratorischer Untersuchungen nicht mehr zufriedenstellend freilegbar erscheine. Eine allfällige Rückführung der Architektur in den ursprünglichen Zustand lasse sich nach dem Denkmalschutzgesetz nicht durchsetzen, denn die Feststellung des öffentlichen Interesses an der Erhaltung eines Denkmals erfolge stets in jenem Zustand, in dem es sich im Zeitpunkt des Rechtswirksamwerdens der Unterschutzstellung befinde. Darüber hinaus kenne das Denkmalschutzgesetz keinen „aktiven“ Denkmalschutz.

Auch wenn die KAGes aufgrund der negativen Haltung des Bundesdenkmalamtes rechtlich freie Hand hat, das Haus abzureißen, sollen Möglichkeiten entwickelt werden, das Haus zu restaurieren und in den Originalzustand rückzuführen, sowie einer sinnvollen Nutzung für die Nachwelt zuzuführen. Innerhalb des Spitalskomplexes könnte ein international bedeutendes architektonisches und historisches Denkmal eine große Bereicherung für die Öffentlichkeit darstellen. Als Nutzungsoptionen wurden z.B. eine PatientInnen-Bibliothek, ein Gästehaus für MedUni oder Spitalsgesellschaft oder eine Nächtigungsmöglichkeit für Angehörige von PatientInnen in die Debatte eingebracht.

Schon einmal konnte ein Werk von Herbert Eichholzer gerettet werden, das Haus Lind in der Grazer Rosenberggasse aus den Jahren 1936/37. Das bereits sehr vernachlässigte und von nachträglichen Einbauten beeinträchtigte Haus stand im Jahr 2000 vor dem Abbruch. Eine breit getragene Initiative vermochte jedoch ein Bewusstsein zu schaffen, das letztlich nicht nur zur Rettung des Hauses, sondern auch zur Revitalisierung führte.

Mittlerweile haben auch intensive Bemühungen zur Rettung des Hauses Albrecher-Leskoschek u.a. von ArchitektInnen und KunsthistorikerInnen wie Anselm Wagner, Jördis Tornqvist und Antje Senarclens de Grancy zu einem gewissen Entgegenkommen geführt, dessen Ergebnisse aber noch vage geblieben sind. So könnten unter Umständen Teile der Innenarchitektur erhalten und in einen geplanten Neubau der KAGES integriert werden, wobei eine diesbezügliche Machbarkeit offen ist. Eine solche Lösung - mit dem Erhalt eines oder einiger Zimmer – könnte das Baudenkmal jedoch wohl nicht mehr erkennbar widerspiegeln, auch wenn zumindest der wesentlichste Raum des Hauses (der Innenraum ist fast originaltreu erhalten) in einen Neubau integriert werden würde. Auch könnte die KAGes bereit sein, Teile zu rekonstruieren, wobei nicht geklärt ist, ob diese Teile am Ort bleiben würden.

Es wäre jedenfalls sehr wichtig, in die laufende Ausschreibung für den Architektur-Wettbewerb das Haus Albrecher-Leskoschek im Rahmen des geplanten Neubaus zu berücksichtigen, wobei das Ziel sein muss, soviel wie möglich vor Ort zu erhalten. Ein Beirat zur Erhaltung des historischen Bestandes könnte den Prozess der Ausschreibung, die Beratung der Jury und die örtliche Bauaufsicht begleiten. Zudem braucht es Bemühungen zu klären, wie eine Restaurierung und ein Rückbau der in den 60er Jahren vorgenommenen Veränderungen finanziert werden könnten.


Es wird daher der

Antrag

gestellt:

Der Landtag wolle beschließen:

Die Landesregierung wird aufgefordert, auf die KAGes dahingehend einzuwirken, dass unter Einbindung von einschlägigen Fachleuten aus den Bereichen Architektur, Kunstgeschichte und Zeitgeschichte ein Weg gefunden wird, das Haus Albrecher-Leskoschek als herausragendes architektonisches und zeitgeschichtliches Baudenkmal der Grazer Moderne zu restaurieren und für die Nachwelt zu erhalten.


Unterschrift(en):
LTAbg. Sandra Krautwaschl (Grüne), LTAbg. Lambert Schönleitner (Grüne), LTAbg. Ing. Sabine Jungwirth (Grüne)