LANDTAG STEIERMARK
XVIII. GESETZGEBUNGSPERIODE


EZ/OZ: 853/1

Selbstständiger Antrag von Abgeordneten (§ 21 GeoLT)

eingebracht am 20.10.2020, 20:26:53


Landtagsabgeordnete(r): LTAbg. Georg Schwarzl (Grüne), LTAbg. Sandra Krautwaschl (Grüne), LTAbg. Lambert Schönleitner (Grüne), LTAbg. Dipl.-Ing.(FH) Lara Köck (Grüne), LTAbg. Veronika Nitsche, MBA (Grüne), LTAbg. Mag. Alexander Pinter (Grüne)
Fraktion(en): Grüne
Zuständiger Ausschuss: Bildung, Gesellschaft und Gesundheit
Regierungsmitglied(er): Landesrätin Dr. Juliane Bogner-Strauß

Betreff:
Stärkung der psychosozialen Gesundheit in Zeiten von Corona: Rechtzeitig psychischen Krisen entgegenwirken

Die Auswirkungen der Corona-Krise auf die psychosoziale Gesundheit sind nachweislich auch bereits in der Steiermark zu bemerken. So haben seit dem coronabedingten Lockdown die Beratungs-Anfragen beim Männernotruf Steiermark stark zugenommen. Seit Jahresbeginn gab es bereits 78 Anrufe, weil Menschen Suizidgedanken hatten oder Suizid begehen wollten (Quelle: ORF Steiermark, Suizid: Anrufe bei Männernotruf nehmen zu, 10.09.2020, einzusehen unter: https://steiermark.orf.at/stories/3066133/). Laut dem Institut für Suizidprävention Graz (ifsg) liegt die Steiermark im Bundesländervergleich bei den Suiziden an der traurigen ersten Stelle (Quelle: ifsg, Statistiken, einzusehen unter: https://ifsg.at/suizidalitaet/statistiken/). Sowohl Jung als auch Alt leidet unter den Folgen der Corona-Krise, wobei ältere Menschen besonders die Einsamkeit quält (Quelle: Kronen Zeitung, Steiermark: Die Krise macht viele depressiv, 18.10.2020).

Eine am 24.09.2020 veröffentlichte und österreichweit durchgeführte repräsentative Befragung durch das Gallup-Institut ergab, dass ein Fünftel der 1.000 befragten Personen angab, durch die Corona-Krise belastet zu sein. Alleinstehende, Familien mit unter 18-jährigen Kindern, Menschen in Städten mit mehr als 50.000 EinwohnerInnen und Personen mit Einkommen unter 1.500 Euro monatlich lagen dabei über diesem Wert. 40 % der Befragten äußersten Zukunftsängste, 27 % berichteten sogar von generalisierter Ängstlichkeit, einem typischen Anzeichen für eine Angststörung. Jede und jeder Zweite gab an, durch die Krise von nahestehenden Personen getrennt worden zu sein. 58 % der Befragten meinten, dass ihre Selbstbestimmung in der Krise deutlich abgenommen habe – eine Folge der getroffenen Maßnahmen und ihrer Konsequenzen wie etwa Homeschooling.

Laut Michael Musalek, dem ärztlichen Leiter des Anton-Proksch-Instituts für Suchterkrankungen und Vorstand des Instituts für Sozialästhetik und psychische Gesundheit der Sigmund-Freud-Universität in Wien und Berlin berichteten 39 % über gesteigerte Reizbarkeit im Alltag. 23 % schilderten, dass sie bereits Kleinigkeiten aus der Ruhe bringen, 14 %, dass sie den ganzen Tag schlechte Laune haben und im Kontakt mit Mitmenschen beleidigend sind. Dabei sei zu beachten, dass die Psyche meist verspätet auf Krisen reagiere, weshalb wirtschaftliche Probleme erfahrungsgemäß erst nach einem halben oder gar einem ganzen Jahr psychische Folgen zeitigen würden. Die an der Studie beteiligten ExpertInnen fordern für den Herbst daher die Sicherstellung der psychosozialen Versorgung, etwa in Gestalt einer psychosozialen Hotline, den Ausbau der Notfall- und Krisenintervention sowie Hilfen für Angehörige sogenannter Risikogruppen (Quelle: Der Standard, Warum die psychische Corona-Krise jetzt erst beginnt, 25.09.2020, einzusehen unter: https://www.derstandard.at/story/2000120245682/warum-die-psychische-coronakrise-jetzt-erst-beginnt).

In den Medien sind die psychischen Folgen der Corona-Krise mittlerweile ein breit diskutiertes Thema geworden. Beispielhaft sei auf weitere Artikel verwiesen: 

Schwerpunkte sind neben der sozialen Isolation und dadurch verstärktem Auftreten vor allem auch die Verschlimmerung von bereits (leichten) psychischen Erkrankungen aufgrund der herausfordernden Situation, aber auch der schlechtere Zugang zu Therapiemöglichkeiten.

Da sohin feststeht, dass die kommenden Monate in der Steiermark auch im Hinblick auf die psychosoziale Gesundheit der steirischen Bevölkerung besonders herausfordernd werden, ist es unabdingbar, bereits jetzt konkrete Schritte zu setzen, um diese Herausforderungen gut vorbereitet annehmen zu können.


Es wird daher der

Antrag

gestellt:

Der Landtag wolle beschließen:

Die Landesregierung wird aufgefordert,

  1. zusätzliche finanzielle Mittel für die Bewältigung der psychischen Krise zur Verfügung zu stellen und im Budgetvollzug zu berücksichtigen,
  2. einen Aktionsplan zu erarbeiten und dem Landtag vorzulegen, um den verstärkten Bedarf an psychologischen und psychiatrischen Unterstützungsangeboten sicherzustellen,
  3. in diesem Aktionsplan ein besonderes Augenmerk auf Kinder und Jugendliche zu legen,
  4. die Aufklärungsarbeit zu verstärken, um gerade vor dem Hintergrund zunehmender psychischer Krisen um den Jahreswechsel betroffenen Menschen in der Steiermark bestehende Angebote näher zu bringen,
  5. bei der Aufklärungsarbeit darauf zu achten, Angebote in verschiedenen Sprachen sowie in leicht verständlicher Sprache bereitzustellen, um möglichst viele Betroffene anzusprechen,
  6. finanzielle Mittel für niederschwellige Angebote (wie zum Beispiel telefonischen Helplines) aufzustocken und
  7. an die Versicherungsträger heranzutreten und gemeinsam mit diesen an zusätzlichen Übernahmen von psychologischen und psychotherapeutischen Behandlungen auf Krankenschein zu arbeiten​.

Unterschrift(en):
LTAbg. Georg Schwarzl (Grüne), LTAbg. Sandra Krautwaschl (Grüne), LTAbg. Lambert Schönleitner (Grüne), LTAbg. Dipl.-Ing.(FH) Lara Köck (Grüne), LTAbg. Veronika Nitsche, MBA (Grüne), LTAbg. Mag. Alexander Pinter (Grüne)