LANDTAG STEIERMARK
XVII. GESETZGEBUNGSPERIODE


TOP 6

EZ/OZ 364/6

Schriftlicher Bericht

Ausschuss: Soziales

Betreff:
Vereinbarkeit von Sport, Beruf und Wirtschaft!

 

zu:
EZ 364/1, Vereinbarkeit von Sport, Beruf und Wirtschaft! (Selbständiger Antrag von Abgeordneten (§ 21 GeoLT))

 

Der Ausschuss "Soziales" hat in seiner Sitzung am Dienstag, dem 08.03.2016 über den oben angeführten Gegenstand die Beratungen durchgeführt.

Mit Beschluss des Ausschusses für Soziales vom 01.12.2015 wurde die Steiermärkische Landesregierung ersucht eine Stellungnahme zum Antrag, Einl.Zahl 364/1, abzugeben.

Aufgrund dieses Beschlusses erstattet die Steiermärkische Landesregierung folgende Stellungnahme:

In der Ausschuss-Sitzung am 01.12.2015 wurde der Beschluss gefasst, die Steiermärkische Landesregierung um Stellungnahme zum Selbstständigen Antrag, Einl.Zahl 364/1, „Vereinbarkeit von Sport, Beruf und Wirtschaft!“ zu ersuchen. Der Selbstständige Antrag führt aus, dass viele SportlerInnen von Langzeitarbeitslosigkeit betroffen seien, wenn ihre Karriere im Leistungssport beendet ist. Daneben sei es für die SportlerInnen und TrainerInnen sehr schwierig, Beruf und Sport miteinander zu vereinen und für den jeweiligen Betrieb sei die Anstellung von SportlerInnen oftmals mit Nachteilen und Kompromissen verbunden, da die Betriebe, bedingt durch Trainingseinheiten und Wettkämpfe der SportlerInnen, mit einhergehenden Abwesenheiten konfrontiert sind und daher von ihnen große Flexibilität verlangt wird. Weiters wird darauf verwiesen, dass gerade SpitzensportlerInnen sehr fokussiert, leistungsorientiert und zielstrebig sind, womit der Wirtschaft durch die oftmalige Unvereinbarkeit von Sport und Beruf großes Potenzial verloren gehen würde. Es sollten daher Betriebe gezielt finanziell gefördert werden, wenn sie SportlerInnen ausbilden (z.B. Lehre) oder diesen eine Arbeitsstelle zur Verfügung stellen.

Mit der federführenden weiteren Bearbeitung wurde die Abteilung 12 Wirtschaft, Tourismus, Sport unter Einbindung der Ressorts von Landesrat Mag. Jörg Leichtfried (Referat Sport der Abteilung 12) und Landesrätin Mag. Doris Kampus (Abteilung 11 Soziales) beauftragt. Die Stellungnahmen liegen vor und sind integrierender Bestandteil der Beantwortung.

 

Abteilung 12, Referat Wirtschaft und Innovation

Unbestritten ist, dass (Spitzen-)SportlerInnen wichtige Image- und WerbeträgerInnen für unser Land darstellen. Sie sind Vorbilder für unsere Jugend, vermitteln Werte und soziale Kompetenzen. Aber die immer knapper werdenden Budgetmittel auf Landesebene erfordern einen selektiven und fokussierten Einsatz. Seitens der Steirischen Wirtschaftsförderungsgesellschaft werden die Mittel nach der Wirtschaftsstrategie Steiermark 2020 – Wachstum durch Innovation anhand von fünf Kernstrategien eingesetzt. Diese Konzentration auf Kernbereiche ist wirtschafts- und standortpolitisch erforderlich und ermöglicht einen effektiven und effizienten Einsatz der Wirtschaftsförderungsmittel. Innerhalb bestimmter Förderungsaktionen sind spezielle Boni vorgesehen wie beispielsweise der Regionalbonus (bei Start!Klar), Gründungs- und EPU-Bonus (Weiter!Bilden). Insbesondere in der Förderungsaktion Groß!Tat orientiert sich die Förderungshöhe zusätzlich nach bestimmten Bewertungskriterien wie Maßnahmen zum Klimaschutz oder im Zusammenhang mit einem sozial gerechteren Umfeld (z.B. besondere Gleichbehandlungsmaßnahmen oder wenn das Unternehmen Kinderbetreuungsplätze anbietet oder die Beschäftigung älterer Mitarbeiter etc.).

Die Aufgabe der steirischen Wirtschaftspolitik liegt darin, den steirischen Unternehmen in einem immer schwieriger werdenden Standortwettbewerb bestmögliche Rahmenbedingungen für Wachstum, Beschäftigung, Investitionen in F&E sowie Innovationen zu bieten.

Eine Förderung könnte allenfalls durch eine einheitliche bundesweite Regelung des BM für Wissenschaft, Forschung und Wirtschaft und des Sportministeriums mit Bundesmitteln durch eine einheitliche Bundesförderungsstelle erfolgen.

 

Abteilung 12, Referat Sport

Grundsätzlich muss zwischen den Aspekten der Ausbildung und der sozialen Absicherung unterschieden werden. Im Rahmen der Bildungsabdeckung kann man in der Steiermark auf folgende Institutionen hinweisen, in denen der Aus- und Bildungsaspekt von Jugendlichen und jungen Erwachsenen in Kombination mit Leistungs- und Spitzensport bereits besonders kombiniert wird: Sport-BORG Monsbergergasse Graz, BG/BORG HIB Liebenau Graz, BG/BRG/BORG Kapfenberg, SKI Akademie Schladming, NAZ Eisenerz, etc.

Das Thema der sozialen Absicherung ist vielschichtiger, wobei beispielsweise von Seiten des Bundes Plätze für EinzelsspitzensportlerInnen beim Bundesheer (Heeresleistungssportzentren) sowie Planstellen bei der Polizei vergeben werden. Darüber hinaus sind auch einzelne Verbände bemüht, ihre SportlerInnen über Partnerunternehmen zu unterstützen.

Im Besonderen muss an dieser Stelle auch auf die Initiative KADA (Sport mit Perspektive) verwiesen werden, die versucht SpitzensportlerInnnen bei ihrem Aufbau eines zweiten beruflichen Standbeins zu unterstützen. Im Rahmen dieser Initiative sollen den SpitzensportlerInnen eine professionelle Laufbahnberatung, maßgeschneiderte Bildungsprogramme und internationale Netzwerke dabei helfen, die Vereinbarkeit von erfolgreichem Spitzensport und profunder Ausbildung zu kombinieren. Darüber hinaus unterstützt KADA den nahtlosen Übergang in den Arbeitsmarkt nach der Sportkarriere.

Die Problematik der sozialen Absicherung ist aus der Sicht des Sportreferats vor allem für jene SportlerInnen groß, die beispielsweise keine der begehrten Plätze beim Bundesheer bzw. Exekutive bekommen.

Zusammenfassend ist daher grundsätzlich jede Initiative, die SpitzensportlerInnen bzw. TrainierInnen zusätzlich unterstützt, begrüßenswert. Es gilt aber zu beachten, dass der Wunsch nach sozialer Absicherung nicht nur SportlerInnen, sondern auch andere Sparten betrifft.

 

Abteilung 11 Soziales

Seitens der Abteilung 11 Soziales wird darauf hingewiesen, dass die der gegenständlichen Stellungnahme zugrundeliegende Annahme, die Zahl der arbeitslosen SpitzensportlerInnen und TrainerInnen würde kontinuierlich ansteigen, derzeit nicht bestätigt werden kann.

Zum einen liegt die Zahl der beim AMS als arbeitssuchend vorgemerkten SpitzensportlerInnen und TrainerInnen auf einem Niveau, das in Relation zu den meisten Berufsgruppen sehr gering ist. In Anbetracht der derzeit in der Steiermark vorgemerkten 42.694 arbeitslosen Menschen, handelt es sich bei den im November 2015 als arbeitslos vorgemerkten 53 SportlerInnen und TrainerInnen um vergleichsweise wenige Personen. Zum anderen sind die Zahlen der arbeitssuchenden SportlerInnen und TrainerInnen, sowohl in Gesamtösterreich als auch in der Steiermark, in den letzten Monaten gesunken, wie eine aktuelle Auswertung des AMS Steiermark ergibt.

In Österreich waren mit Stand November 2015 367 SpitzensportlerInnen und TrainerInnen als arbeitslos vorgemerkt, was ein Minus von über 200 Personen im Vergleich zum Wert von Juni 2015 darstellt. In der Steiermark waren im November 2015 53 Personen vorgemerkt, im Juni 2015 noch 82. Zurückzuführen ist der Rückgang hauptsächlich auf saisonbedingte Schwankungen, vor allem im Bereich Eishockey.

Um grundsätzlich der Arbeitslosigkeit von SportlerInnen und TrainerInnen nach Beendigung der aktiven Karriere im Spitzensport entgegenzuwirken, steht der Zielgruppe das bestehende arbeitsmarktpolitische Spektrum an Maßnahmen der Qualifizierung und Umorientierung grundsätzlich offen.

Zudem gibt es spezifische Unterstützungsleistungen für diese Zielgruppe. So bietet beispielsweise der österreichweit agierende Verein KADA, welcher aus Mitteln des Sportministeriums und des AMS Österreich finanziert wird, Unterstützung während der aktiven Karriere und danach an. Die Leistungen des Vereins sind für SportlerInnen laut der Website des Vereins kostenlos und freiwillig.

Zusätzlicher Handlungsbedarf in diesem Bereich ist derzeit aus Sicht der Abteilung 11 Soziales nicht gegeben.

Zusammenfassend lässt sich daher feststellen, dass zwar Initiativen, die SpitzensportlerInnen und TrainerInnen zusätzlich unterstützen, begrüßenswert sind, aber eine Förderung allenfalls durch eine bundesweite Regelung ausschließlich mit Bundesmitteln durch eine einheitliche Bundesförderungsstelle erfolgen könnte.

 

Es wird daher der

Antrag

gestellt:

Der Landtag wolle beschließen:

Der Bericht des Ausschusses für Soziales zum Antrag, EZ 364/1, "Vereinbarkeit von Sport, Beruf und Wirtschaft!", der Abgeordneten der FPÖ wird zur Kenntnis genommen

 

Der Obmann:
LTAbg. Klaus Zenz