LANDTAG STEIERMARK
XVIII. GESETZGEBUNGSPERIODE


EZ/OZ: 787/1

Selbstständiger Antrag von Abgeordneten (§ 21 GeoLT)

eingebracht am 25.09.2020, 08:32:24


Landtagsabgeordnete(r): LTAbg. Lambert Schönleitner (Grüne), LTAbg. Sandra Krautwaschl (Grüne), LTAbg. Dipl.-Ing.(FH) Lara Köck (Grüne), LTAbg. Georg Schwarzl (Grüne), LTAbg. Veronika Nitsche, MBA (Grüne), LTAbg. Mag. Alexander Pinter (Grüne)
Fraktion(en): Grüne
Zuständiger Ausschuss: Klimaschutz
Regierungsmitglied(er): Landesrätin Mag. Ursula Lackner, Landesrat Johann Seitinger

Betreff:
Aktive Bestandsstützung der heimischen Luchspopulation – Der Luchs darf kein zweites Mal aussterben

Der Eurasische Luchs (Lynx lynx) gehört zum ursprünglichen Wildbestand Europas und war auch in Österreich, dessen ausgedehnte Waldgebiete mit hohen Wilddichten geeignete Habitate für diese Großkatze darstellen, bis etwa 1900 verbreitet. Durch systematische Ausrottungsaktionen verschwand der Luchs danach aber vollständig aus dem einheimischen Artenspektrum.

In den oberösterreichischen Kalkalpen wurde zur Jahrtausendwende die Zuwanderung von Luchsen aus Nachbarländern registriert, worauf der Nationalpark (Kalkalpen) mit bestandstützenden Maßnahmen begann (Ansiedelung von Schweizer Wildfängen), um eine selbstständige Population aufzubauen. Der (anfängliche) Erfolg dieses Projektes ist in den entsprechenden Monitoring-Berichten dokumentiert: Zwischen 2012 und 2015 wurden 13 Jungluchse im Nationalparkareal geboren (https://www.kalkalpen.at/de/Natur_Forschung/Luchse_in_den_OOe_Kalkalpen). Anschließend kam es allerdings zu einem abrupten Einbruch der Reproduktion (ein Jungluchs seit 2015) was, in Kombination mit illegalen Abschüssen, dazu führte, dass 2019 nur mehr 6 selbstständige, adulte Luchse nachgewiesen werden konnten (Vielfalt Natur: Am schweren Weg zurück – Unsere Luchse).

Als entscheidend für einen erfolgreichen Populationsaufbau gilt, neben der weiteren Ansiedelung von Wildfängen (die Bestände können sich nur mit menschlicher Mithilfe wiederaufbauen), v.a. die Errichtung von Migrationskorridoren, welche einerseits die Kernlebensräume einzelner Populationen vernetzen und andererseits den genetischen Austausch zwischen unterschiedlichen Populationen ermöglichen (und dadurch Inzucht-Probleme reduzieren). Die Nachkommen der Kalkalpen-Luchse bewegen sich nachweislich im Schutzgebietsdreieck Kalkalpen-Gesäuse-Dürrenstein (siehe: https://www.noen.at/erlauftal/duerrenstein-der-luchs-ist-zurueck-top-4154818; https://www.nationalpark.co.at/de/projekte/luchsprojektgruppe-2/4206-luchsmeldungen-aus-dem-ennstal). Im Zuge der Projekte „Econnect“ (2009-2011) und „Netzwerk Naturwald“ (2013-2015) wurde zum Schutz unterschiedlicher Tierarten erfolgreich damit begonnen, diese drei IUCN-klassifizierten Schutzgebiete mittels Errichtung von Trittsteinflächen zu einem funktionalen Biotopverbund zusammenzuschließen. Die Weiterführung dieses Verbundkonzeptes ist für die nachhaltige Ansiedelung des Luchses und die Biodiversiät in Österreich essentiell.

Der Luchs ist in der Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie angeführt und demnach europaweit streng geschützt. Seitens der Republik Österreich ergibt sich daraus die Verpflichtung, den Luchs in einem "Günstigen Erhaltungszustand" zu bewahren bzw. diesen "Günstigen Erhaltungszustand" wiederherzustellen. Der Luchs stellt für den Menschen keine Gefahr dar. Es bestehen auch keine wesentlichen Konfliktpotentiale mit der Landwirtschaft.

Die Steiermärkische Landesregierung hat mit der Gründung der „Luchsgruppe“ (Zusammenarbeit von Naturschutz, Landwirtschaft und Jagd) bereits ein positives Bekenntnis zur Wiedereingliederung des Luchses in die steirische Natur- und Kulturlandschaft gesetzt (siehe Folder: Luchs-Rückkehr auf leisen Pfoten). Aufgrund der aktuellen Situation des österreichischen Luchses ist das Land Steiermark nun aber angehalten, im Zusammenwirken mit den Bundesländern Niederösterreich und Oberösterreich, weitere aktive Schritte zu setzen. Der Nationalpark Gesäuse mit seinen angrenzenden Schutzgebieten und das Gebiet der Steiermärkischen Landesforste stellen dazu außerordentlich geeignete Habitate dar. Der Luchs darf kein zweites Mal in Österreich aussterben!


Es wird daher der

Antrag

gestellt:

Der Landtag wolle beschließen:

Die Landesregierung wird aufgefordert,

1. den Wiederaufbau der heimischen Luchsbestände in den Kalkalpen durch gezielte Besatzmaßnahmen in Zusammenarbeit mit den Ländern Oberösterreich und Niederösterreich voranzutreiben und

2. die langfristige Etablierung des Luchses in Österreich durch lebensraumverbessernde Maßnahmen zu unterstützen, wobei der Fokus auf der Intensivierung der bestehenden Habitatvernetzungen zwischen den Schutzgebieten Kalkalpen (Oberösterreich), Gesäuse (Steiermark) und Dürrenstein (Niederösterreich) liegen soll.


Unterschrift(en):
LTAbg. Lambert Schönleitner (Grüne), LTAbg. Sandra Krautwaschl (Grüne), LTAbg. Dipl.-Ing.(FH) Lara Köck (Grüne), LTAbg. Georg Schwarzl (Grüne), LTAbg. Veronika Nitsche, MBA (Grüne), LTAbg. Mag. Alexander Pinter (Grüne)